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Luke Treadaway spielt einen obdachlosen Junkie, der wahlweise Methadon, Heroin oder gleich beides zusammen einnimmt. Nach einer lebensbedrohlichen Überdosis beschafft ihm seine engagierte Betreuerin eine Sozialwohnung und eröffnet ihm somit eine letzte Chance auf ein normales Leben. Sein Geld muss er dennoch weiterhin als Straßenmusiker oder mit dem Verkauf von Obdachlosenzeitschriften verdienen. Beim Entzug unterstützt ihn Bob, sein tierischer Begleiter. Der Kater, ein Streuner, ist ihm zugelaufen und folgt ihm auch bei der Arbeit an den öffentlichen Plätzen Londons auf Schritt und Tritt. Das Tier begeistert nicht nur die Passanten, sondern auch die Lokal- und Boulevard-Presse.

Nach Lasse Hallström, der die Geschichte des treuen japanischen Akita-Hundes „Hachiko“ im gleichnamigen Film erzählte, widmet sich nun auch Roger Spottiswoode einer wahren Begebenheit, in der ein Haustier mehr als nur eine Nebenrolle spielt. Spottiswoode, „Bond“-Regisseur mit „Sag niemals nie“ und gleichermaßen für den gelungenen Action-Thriller „Mörderischer Vorsprung“ wie auch den Stallone-Flop „Stop! oder meine Mami schießt!“ verantwortlich, nahm sich mit der Buchvorlage des Bestsellerautors und ehemaligen Obdachlosen James Bowen eine Mischung aus Drogen-Drama und Tier-Geschichte vor - und hat letztlich ein seichtes Feel-Good-Movie daraus gemacht, das zu viele Elemente der ebenfalls von ihm inszenierten Tierkomödie „Scott und Huutsch“ enthält und dem ein Schuss „Requiem for a Dream“ oder „Traffic“ nicht geschadet hätte.

Dabei bietet „Bob, der Streuner“ über weite Strecken mit seinem herzlichen Humor und den freundlichen Figuren solide Unterhaltung. Die sympathischen menschlichen Darsteller aber auch der tierische Hauptdarsteller machen ihre Sache ausgezeichnet und werden gelungen in Szene gesetzt. Die wohlige Atmosphäre wird durch die gefühlsbetonte und stilsicher ausgewählt - wenngleich etwas einseitige - Filmmusik unterstrichen. Außerdem ist Spottiswoode zu Gute zu halten, mit einem lebendigen Tier gedreht zu haben, statt auf Motion Capture zu setzen, was insbesondere Tierfreunde erfreuen dürfte, zumal es sich beim Kater im Film um den echten Bob handelt. Gradlinig erzählt ist „Bob der Streuner“ so ein netter, aber doch eher mittelmäßiger Film geworden.

Denn angesichts der Thematik mangelt es an Substanz und auch an etwas realistischer Härte. Nicht nur, dass die Obdachlosen im Film meist wohlgenährt und vital wirken, auch der zugelaufene Streuner hat mehr von einem verhätschelten Haustier als von einer ungepflegten Straßenkatze. Die Methadon-Therapie und der anschließende kalte Entzug werden nebenbei abgehandelt, wobei der Protagonist nur ein einziges Mal für einen Sekundenbruchteil Gefahr läuft, rückfällig zu werden - und das nach jahrelangem Drogenkonsum. Mehr Laufzeit als in die alltäglichen Probleme seines Protagonisten investiert Spottiswoode lieber in die wackeligen Kamerafahrten aus Perspektive des Katers und die Musik-Einlagen an öffentlichen Plätzen. Spottiswoode wollte wohl einen familientauglichen Film drehen, wobei er verdrängt zu haben scheint, dass auch ein Feel-Good-Movie ruhig den einen oder anderen ernüchternden Moment aufweisen kann. Wenn ein Freund des Obdachlosen an einer Überdosis stirbt, ist dies eine der wenigen Sequenzen, in welcher die Realität den Film einholt und sie gerät über das süßliche Ende letztlich in Vergessenheit.

Fazit:
Bei familientauglichen Tierfilmen wie „Bob, der Streuner“ wird oft die Phrase „entwaffnend sympathisch“ gebraucht, die bei Spottiswoodes Werk jedoch nicht zieht. Sein Film nach wahrer Begebenheit wird insbesondere der Drogen- und Obdachlosenthematik nicht gerecht, er fühlt sich etwas seicht und trotz der wahren Begebenheit irgendwie belanglos an. Ganz nett ist er trotzdem, aber eher Katzenfreunden zu empfehlen.

52 %

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