Matt und Sarah Clark, ein Pärchen Anfang Dreißig, freuen sich anhand der Ultraschallbilder über die Gewissheit, bald Eltern zu werden. Doch auf der Rückfahrt vom Arzt passt die am Steuer sitzende Sarah (Rachel Nichols) einen Moment nicht auf und verursacht einen Frontalzusammenstoss mit einem entgegenkommenden Wagen. Während sie und das Baby überleben, stirbt ihr Ehemann Matt. Monate später sitzt die darüber immer noch völlig verstörte, hochschwangere Sarah am Weihnachtsabend allein zuhause und trauert der verlorenen gemeinsamen Zukunft nach. Nur ihr Nachbar kommt sie kurz besuchen, aber eigentlich möchte sie lieber alleine sein. Es regnet in Strömen, als am späteren Abend in der verlassenen Siedlung in einem Chicagoer Vorort jemand an die Türe klopft: Eine im Schatten stehende Frau begehrt Einlaß, angeblich um wegen einer Autopanne zu telefonieren. Die verunsicherte Sarah jedoch möchte nicht öffnen und verweist auf ihren Mann, der schon schlafen würde. Doch die unbekannte Frau draußen entgegnet ihr, daß ihr Mann tot sei. Sarah erschrickt und ruft die Polizei, die auch bald da ist, bei der Durchsicht von Haus und Garten aber nichts findet. Doch die Unbekannte ist natürlich nicht weg: Sie hat Pläne mit der Hochschwangeren, die sie unter allen Umständen durchführen will...
Mit dem 2016er Inside liegt ein US-Remake des französischen Horror-Klassikers von 2007, Inside - Was sie will ist in Dir vor und - soviel sei schon verraten - er kommt nicht einmal ansatzweise an das Original heran. Dies liegt weniger an der Story an sich, die sich zu etwa drei Vierteln der Laufzeit an der französischen Version orientiert und erst zum Schluß ein völlig anderes Finale präsentiert, als vielmehr an schwachen Darstellern und einem drehbuchtechnisch weitgehendst entschärftem Vorgehen der fremden Frau.
Während das französische Original seinerzeit geradezu benchmarks in Punkto Brutalität und Spannung setzte, dazu mit einer jederzeit authentisch klaustrophobischen Atmosphäre punkten konnte und mit der furiosen Darbietung von Béatrice Dalle einen neuen Typus einer eiskalt-bösartigen Frauenrolle schuf, ist das US-Remake ein vergleichsweise weichgespülter Aufguß für ein verwöhntes Publikum, dem man schon im Vorspann erklären muß, um was es eigentlich geht (während im Original bis zum Schluß spannungsfördernde Unklarheit über das Motiv herrschte) und dem man zum Schluß ein hollywood-artiges tränentreibendes Happy-End im Pool kredenzen muß, gleichsam um zuvor erlittene kurze Schrecksekunden wieder auszugleichen. Selbstredend sind fast sämtliche Brutalitäten der 2007er Version ausgespart worden, sie sind entweder völlig herausgefallen oder finden in abgemilderter Form im Off statt.
Bezüglich der Darsteller wirkt Laura Harring als Eindringling einfach schwach besetzt - sie agiert eher langsam, lächelt zu oft und vermag in keiner Sekunde die ungezügelte Brutalität und entschlossene Härte einer Béatrice Dalle wiederzugeben. Rachel Nichols als schwangeres Opfer füllt ihre Rolle zwar überzeugender aus, stolpert aber ein ums andere Mal über logische Schwächen des Drehbuchs: Mehrmals kämpft und stürzt sie (in einer Szene vom Badezimmerfenster auf den gefliesten Boden) ohne weitere Folgen, später sticht sie sich selbst ein Teppichmesser in den Bauch; überhaupt vollführt sie öfters schnelle Bewegungen, die eine echte Schwangere schon aus Schutzinstinkt unbedingt vermeiden würde.
Dazu kommt eine ganze Reihe gravierender Logiklöcher wie die des Polizisten-Pärchens im Streifenwagen, wo der erfahrene Mann der jungen Kollegin ausdrücklich im Wagen zurückzubleiben befiehlt (wtf?), diese dann später alleine doch das Haus betritt, sinnvollerweise auch einen Notruf absetzt (der erst sehr spät Widerhall findet), sich dann aber wieder sehr unprofessionell verhält, als sie im Dunklen den Sicherungskasten sucht. Dazu kommt eine umkämpfte kurze Fahrt in einem Polizeifahrzeug, die an irgendeinem Hindernis endet und seltsamerweise doch wieder in ein Haus direkt gegenüber von Sarahs Heim führt (die ihre Nachbarn offenbar doch nicht kennt).
Der größte Logikfehler jedoch ist die Szene mit der verrammelten Badezimmertür: Die Fremde kommt trotz mehrerer Versuche nicht zu Sarah ins Bad, da die Schwangere abgesperrt hat. Weil die Invasorin aber mal schnell zum Nachbarn gegenüber muß (um ihn abzumurksen), will sie Sarah keine Fluchtmöglichkeit aus dem Bad geben und stellt zu diesem Zweck eine kleine Kommode vor die Tür: Diese ist so niedrig, daß sie nicht einmal die Türklinke blockiert, vor allem aber geht die Badezimmertür nach innen(!) auf, und sobald Sarah diese entriegelt, könnte sie bequem über das Schränkchen drübersteigen. Stattdessen aber suggeriert das Drehbuch, daß die Tür blockiert wäre (wodurch??) und man kann fast minutenlang dabei zuschauen, wie Sarah mit irgendwelchen Gegenständen aus dem Bad mühsam das kleine Loch in der Türe verbreitert, um schließlich ihren Arm herausstrecken zu können - ein absoluter Hammer, vor allem weil der Türrahmen mit der sich nach innen öffnenden Tür ständig im Bild zu sehen ist und damit schon eine Beleidigung der Intelligenz des Publikums darstellt...
Was das Abändern des Finales betrifft, so fällt dies natürlich unter die künstlerische Freiheit, aber dadurch, daß die weitere Szenerie in ein anderes Haus und einen Garten verlegt wird, durchbricht dieser Drehbucheinfall die spannungsgeladene Atmosphäre des Originals, wo sich alles in ganz wenigen Räumen ein- und desselben Hauses abspielt. Der zuckersüße Schluß mit entsprechendem Score und einigen Zeitlupen sowie einem völlig unerklärlichen Verhalten der Fremden tut dann sein Übriges...
Es ist sehr schwer, diesem Film gerecht zu werden, wenn man das meisterliche Original kennt. Für die nicht sonderlich überzeugende Home-Invasion-Story wären, so es sich tatsächlich um ein neues Skript gehandelt hätte, maximal 4 Punkte fällig, als Remake eines dessen Machern durchaus bekannten Horror-Meisterwerks ist der 2016er Inside wahrlich eine schwache Leistung: 2 Punkte.