Review
von Leimbacher-Mario
Schneewittchen und die fiesen Scherge
Ich kann Filmen, die so gut wie nur an einem Standort spielen, etwa wie „Phone Booth“, „Rope“ oder „Buried“, meist sehr viel abgewinnen. Irgendwie bin ich da immer voll dabei, ab Sekunde eins. Bei „The Glass Coffin“ ist der „eine Drehort“ eine Limousine, in der ein hübsches Filmstarlett die schlimmste Nacht ihres Lebens durchleiden muss...
Mit einem baskischen, ziemlich erbarmungslosen Thriller haben wir es hier zu tun, der trotz seines limitierten Ortes audiovisuell (vor allem farblich!) überraschend viel her macht, der hintenraus sogar nochmal (polarisierend) recht abgefahren wird und der das böseste rote Computerauge seit HAL 9000 zu bieten hat. Dieser gläserne Sarg ist die perfekt für die Bewerbungsmappen aller Beteiligten. Aus kleinen Mitteln wird viel gemacht, die Idee ist wunderbar abgefuckt, die Leading Lady spielt gnadenlos gut und es gibt beißende Seitenhiebe auf die Unterhaltungsbranche bzw. Stars und Sternchen allgemein. Außerdem sieht alles schnieke aus, bewegt sich schnell und hat eine gesunde Grundhärte. Gestört hat mich eigentlich nur die äußerst vage Auflösung und manch eine Länge, in der dann doch zu viel gequatscht und billig Exposition betrieben wurde. Das hätte man alles erklärender, erhellender und eleganter lösen können. Dennoch: für eine höllische Fahrt voller Überraschungen, Was-würdest-du-tun-Momenten und hohem Adrenalinpegel ist hier locker gesorgt und keine Sekunde wird vergeudet.
Fazit: ein Limousinenservice aus der Hölle als Spiegel zur dunklen Seite der Seele einer verwöhnten Schauspielerin - „The Glass Coffin“ ist ein spannender, stylischer Ein-Szenario-Horrortrip, der keine Minute verschenkt und immer nach vorne geht, dessen einzige Darstellerin sich den Hintern abspielt und der nie viel an Spannung verliert. Kurz, knackig und intensiv. Wäre die Hauptfigur doch nur etwas sympathischer... aber auch das gehört zum Konzept.