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The Great Wall (Kurz und schmerzlos Teil 40)

Die mythenumrankte chinesische Mauer ins Zentrum eines hoch budgetierten Fantasy-Epos zu stellen und das Ganze zu gleichen Teilen auf die beiden aktuell gewinnträchtigsten Filmmärkte zu zuschneiden, klingt nach einer richtig duften Idee. Also darf Zhang Yimou („Hero") nicht nur Heerscharen von Landsleuten in bunten Gewändern und mit blitzenden Schwertern, sondern auch Hollywoodstar Matt Damon in den heroischen Kampf gegen saurierähnliche Monster namens „Taotie" schicken. Die Mauer wird dabei zu einer bollwerkartigen Trutzburg umfunktioniert und mit allerlei netten Verteidigungsanlagen bestückt. Wer jetzt neunmalklug das „Game of Thrones"-Plagiat am Horizont sichtet, dem sei gesagt, dass die HBO-Serie hier bei einer beliebten chinesischen Legende geklaut hat. Besser wir die dadurch aber natürlich auch nicht.
    
Leider hat der enorme Aufwand an Statisten und farbenfrohen Kostümen offenbar beinahe das gesamte Budget geschluckt, so dass sich für die CGI-Effekte anscheinend lediglich ein paar Filmstudenten an ihren Privatrechnern austoben durften. Allzu viel von den 150 Millionen Dollar hat man sicher auch nicht dem US-amerikanischen Drehbuchschreiber-Trio überwiesen, das den Hauptplot - Monster-Armee greift chinesische Mauer an, hat aber die simple Rechnung ohne einen europäischen Söldner-Helden auf der Durchreise gemacht - und die banalen TV-Soap-Dialoge in einer Mittagspause bei „Spago" mal schnell auf die Servierten gekritzelt hat. Vielleicht haben die US-Asia-Mix-erfahrenen Ed Zwick und Marshall Herskovitz („Last Samurai") auch einfach nur gedacht, es reicht Japan durch China und Tom Cruise durch Matt Damon zu ersetzten.

Letzterem hat´s trotzdem gefallen, immerhin durfte er mal Pferdeschwanz tragen und als frühneuzeitlicher Hawkeye das Reich der Mitte im Alleingang retten. Zur Belohnung wird dann good old Europe mit ein paar Säckchen Schießpulver beglückt.
Gut, der „Whitewashing"-Vorwurf kam stante pede, dennoch hat einzig und allein das chinesische Publikum ein totales Box-Office-Desaster verhindert. Im Rest der Welt stieß die bis dato dreisteste China-Anbiederung auf einhellige Ablehnung, was den Hollywoodschen Erbsenzählern ganz recht geschieht. Der Zuschauer kauft halt nicht jeden Mist, schon gar nicht, wenn er auf Glückskeks-Niveau daher kommt. Die gibt´s schließlich auch gratis.

Fazit:
Peinlicher Versuch, chinesischen wie westlichen Markt gleichermaßen zu bedienen und auch noch auf der cheesigen Fantasy-Schwert-Erfolgswelle zu reiten. Nettes Auslandssemester für Matt Damon, das sich aber gar nicht gut im Lebenslauf macht.

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