Review

kurz angerissen*

Vielleicht bürgte der Name Zhang Yimou für einen gewissen Anspruch, vielleicht wurden falsche Erwartungen auch dadurch geschürt, dass die besondere grüne Zutat des Films im Vorfeld weitestgehend unter Verschluss gehalten wurde, aber irgendwie hat man etwas Erhabeneres erwartet als die verfilmte Variante eines anspruchslosen Tower-Defense-Computerspiels.

Möchte man „The Great Wall“ tatsächlich als Monster-Parabel auf Kriegsakte zwischen unterschiedlichen Völkern verstehen oder anderweitig mit Bedeutung aufladen, muss man sich erst durch eine meterdicke Zuckerschicht simpler Blockbuster-Bespaßung für einen globalen Markt fressen, der die amerikanisch-asiatische Majorität der Weltbevölkerung zu gleichen Teilen zufriedenstellen soll. Dass ein „White Savior“ aus diesem Konzept entsteigen und eine entsprechende Diskussion entfachen würde, war wohl ein einzuschätzendes Risiko für das Studio.

Bleibt man nun in der Zuckerschicht stecken und dringt gar nicht zum Kern vor, würde man wenigstens darauf hoffen, dass „Human vs. Monster“ als Kriegsszenario sein Rock-Potenzial unter Beweis stellt, doch dem ist nicht so: Was die Chinesische Mauer von außen attackiert, erinnert an die Mutationen aus „Evolution“, einer Komödie, die ursprünglich als Horrorfilm konzipiert war. Mächtige, angriffslustige, über den eigenen Eifer stolpernde Reptilienartige, deren Künstlichkeit wie ein schwarzer Zensurbalken über dem liegt, das sie eigentlich darstellen sollen, einem feindlichen Volk. Die gegnerischen Linien überrennen sie ohne jedes Gespür für Dramatik, unabhängig davon, dass Yimou mit furiosen Schwenks und Perspektiven ein paar epische Hintergründe und sogar neuartige Kamerafahrten einfangen lässt.

Matt Damon bewies zuletzt ein recht gutes Näschen für seine Rollenwahl, erweist seinem Ansehen mit dieser Produktion aber einen Bärendienst: Lange war er nicht mehr so schlecht wie in der Rolle des Einzelkämpfers William Garin, die auf vielerlei Ebenen an seine verschrobene Darstellung in „Brothers Grimm“ erinnert, wie überhaupt die gesamte Konstellation. Bleibt zu hoffen, dass sich zukünftige Generationen eher an „King Kong“ als an „The Great Wall“ erinnern, wenn es um großflächiges Monsterkino im Jahr 2017 geht.

*weitere Informationen: siehe Profil

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