Review

Der Postmann durfte seinerzeit zweimal klingeln, geklopft werden darf aber nur noch einmal, denn ansonsten wird eine urbane Legende in Gang gesetzt. Leider nur eine von vielen im Sammelsurium vermeintlich rachsüchtiger Geister.

Künstlerin Jess (Katee Sackhoff) gewährt ihrer entfremdeten Tochter Chloe (Lucy Boynton) Unterschlupf. Nachdem sie und ihr Freund am verlassenen Haus der als Hexe verschrienen Mary klopften, scheint sie von einem Geist verfolgt zu werden. Chloe und ihre Mutter setzen alles daran, den Fluch zu stoppen…

Die Story ist wahrlich dünn und basiert auf einer Legende, die im Grunde recht austauschbar bleibt. Einst soll Mary Kinder entführt haben, aufgrund falscher Verdächtigungen brachte sie sich jedoch um und findet seither keine Ruhe. Das bekommt Chloe recht bald zu spüren, als ihr Freund spurlos verschwindet und flüsternde Stimmen zu ihr sprechen.

Die wenigen Spezialeffekte sind passabel in Szene gesetzt. Mal wird jemand wie von unsichtbarer Hand durch den Raum gezerrt, dann erscheinen knochige Hände am Rand eines Beckens, während eine dürre Gestalt am Ende eines Korridors lauert. Eine Handvoll Schockmomente verfehlt ihre Wirkung nicht, was primär den gut abgestimmten Soundeffekten zu verdanken ist. Innovativ ist jedoch keine dieser Einlagen.

Hinzu gesellen sich einige Genreklischees wie die Problembeziehung zwischen Mutter und Tochter, ein ominöser Ermittler, eine spirituell veranlagte Dame asiatischer Herkunft und ein Kinderheim, in dessen Vergangenheit offenbar nicht alles rund lief.
Zwar offenbart das finale Drittel noch die eine oder andere Wendung, doch mit dem nahezu offenen Ende bleiben einige Fragen unbeantwortet, was im Endeffekt nicht wirklich zufrieden stellt.

Immerhin wird darstellerisch passabel performt, obgleich Sackhoff ein wenig fehlbesetzt erscheint. Die Künstlerin und von Vorwürfen geplagte Mutter nimmt man ihr nur bedingt ab, wogegen Boynton die ideale Besetzung als eine zunächst reizbare Chloe abgibt, die im Verlauf Emotionen zulässt. Ansonsten ist auf handwerklicher Ebene wenig anzukreiden, allenfalls die mangelnde Ausleuchtung einiger Szenen und die Tatsache, dass die Drehorte in Cardiff kaum effektiv genutzt werden.

Letztlich liefert Regisseur Caradog W. James Dutzendware ab, die zwischenzeitlich mit einigen Längen zu kämpfen hat, dem Genre keinerlei neue Impulse verleit und nur selten mit Jump Scares punktet. Klopfen auf Holz bringt da vergleichsweise wenig, - mehr als Durchschnitt erhält der Genrefreund nicht.
5 von 10

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