Review

Klingelmäuschen mit Konsequenzen

Kann ein Film fast alles kopieren und trotzdem gruselig und gelungen sein? Fast hätte ich diese Frage für den britischen Hexenhorror "Don't Knock Twice" mit ja beantwortet. Aber eben nur fast. Er nimmt sich an besseren Filmen des Genres von J-Horror bis zur (positiven Seite der) Blumhouse-Retortenschmiede Beispiele und manscht diese zu einem übernatürlichen Jumpscare-Brei, der es stellenweise in sich hat und dann ungeschickt mit seinem Hinterteil fast jede bis dahin gelungene Szene einreißt. Horror-Fast-Food & Anti-Game Changer, der auch mal sein muss und nicht weh tut. Eine Rezension zu ihm zu schreiben ist allerdings schwerer als gedacht, da er einfach super schnell vergessen ist. Es geht um eine alte Grossstadtschauerlegende: klopfe an diesem verfallenen Haus nicht zweimal, denn sonst kommt die einstige Bewohnerin dich holen... und zwar nicht um dich wegen Ruhestörung anzuzeigen!

Dieses Schauermär macht oberflächlich eine Menge top. Die Mutter-Tochter-Geschichte spielen zwei Genredarlings und starke Frauen überzeugend, das Monsterdesign kann für Alpträume sorgen und technisch ist der Film grundsolide bis hübsch atmosphärisch. Doch leider ist all das nur Fassade und in keiner seiner Teile schafft es der Spuk tiefer zu gehen. Wirklich schaurige Szenen werden mit billigsten Jump Scares oder Fake Outs kaputt gemacht, die Geschichte ist vorhersehbar und das letzte Drittel läuft vollkommen aus dem Ruder und der Spuk ist lange vor dem Abspann schon vorbei für uns Zuschauer. Weder die gehetzt wirkende Mythologie der Grossstadthexe noch die lückenhafte Familienbande der Protagonistinnen wird hier weiter erforscht. Alles bleibt vage, mager und auswechselbar. Plus das Drehbuch muss man eher als einen Schnellschuss oder eine Anfängerarbeit benennen. Mit guten Ansätzen jedoch.  

Fazit: benutzt nur Versatzstücke von besseren Gruslern - und trotzdem springt der Puls durchaus mal nach oben. Solide Lagerfeuerkost für zwischendurch. "Lights Out"-light. 

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