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Nach einem verheerenden (Bürger-)krieg liegt die Welt in Schutt und Asche. Die überlebenden Menschen vagabundieren oder verstecken sich in den Ruinen - so auch eine kleine gemischte Gruppe unter der Patronage des Mittfünfzigers Shuaib, die in einer ehemaligen Fabrikhalle für Flugzeug-Tragflächen hausen. Schlecht bewaffnet und nur durch einen metallenen Zaun notdürftig geschützt haben sie allerdings einen kleinen Schatz im Hof: einen Wasser-Hochtank mit sauberem Nass, der in Zeiten absichtlich vergifteter Brunnen ein (überlebens-)wichtiges Gut darstellt. Als sich eines Abends Räuber mit einer List gewaltsam Einlaß verschaffen wollen, rettet ein ebenfalls anwesender Wanderer Shuaib durch beherztes Eingreifen. Dieser Mussa (und seine stumme Begleiterin) werden daraufhin vorläufig im Lager aufgenommen; doch als Mussa abends von Shuaib aufgefordert wird, wie alle anderen seine Waffe (in diesem Fall ein Messer) zur Verwahrung in einem Schrank abzugeben, ersticht er diesen und verläßt unter allerhand merkwürdigen Tiraden das Lager. Die konsternierte Gruppe weiß nicht, was sie tun soll - zunächst wird Shuaibs Sohn Eissa zum vorläufigen Anführer bestimmt, was aber nicht bei allen auf Beifall stößt. Als am nächsten Tag kein Wasser mehr aus der Leitung kommt, stellt sich heraus, daß Mussa in der Nähe ist und die kleine Gruppe mit allerhand selbstgebauten Fallen vernichten will...

Während das dargestellte Szenario unweigerlich an Mad Max II und andere Dystopien erinnert, mag man in der ersten Viertelstunde vielleicht vermuten, daß es sich bei der saudi-arabischen(!) Produktion The Worthy schlicht um eine arabische Version des bekannten Themas handelt - dann aber fallen einige Besonderheiten auf, die nicht ins Schema passen und die die Aufmerksamkeit des geneigten Zuschauers auf sich ziehen: Was hat der zunächst als Lebensretter aufgenommene Fremde eigentlich vor? Nach dem keinesfalls im Affekt ausgeführten Mord am Lagerleiter flüchtet er nicht etwa Hals über Kopf, sondern geht, überzeugt von seiner Tat, von dannen. Später sieht man ihn mit Drahtseilen und Anti-Personen-Minen hantieren, was für die jeweils kleinen Teams von Lagerinsassen, die sich nach draußen wagen, noch schreckliche Folgen haben wird...

The Worthy, was man mit "Der Würdige" übersetzen kann, spielt mit einigen Themen der arabischen Religion und jüngeren Geschichte, die sich dem westlichen Zuschauer nicht oder zumindest nicht gleich erschließen, die aber nach und nach offenbar werden. Ungewohnt dabei die Rolle des Schurken, der nicht etwa nach gestohlenem Besitz oder Ruhm und Ehre trachtet, sondern sich einer Mission verpflichtet sieht, welche beinahe die totale physische Vernichtung der Gegenseite beinhaltet.

Fast ausschließlich auf dem Areal einer verrottenden Industriekulisse im rumänischen Bukarest gedreht, entfaltet der Film durch die unerwarteten Fallen und Hinterhalte (deren Inszenierung - durchwachsen getrickst - erstaunlich blutig ausfällt, ohne größere Umschnitte explizit gezeigt wird und an Saw und Konsorten erinnert) schon nach kurzer Zeit eine dezente Spannung, die sich fast bis zum Ende immer mehr steigert. Ein Plot Twist etwa eine Viertelstunde vor Schluß erklärt einige Zusammenhänge, nach dem erwartbaren Showdown jedoch geht es noch weiter. Dieses Ende selbst mag für den einen oder anderen zwar enttäuschend unspektakulär ausfallen, stellt jedoch der Intention des Regisseurs folgend eine Katharsis des sympathischen Helden dar und läßt insgeheim auf eine Fortsetzung der Geschichte hoffen. Durchaus sehenswert: 7 Punkte.

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