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Das Pärchen Lauren (Julia Stiles) und Tom Seymour (Josh Charles) leben außerhalb der Stadt - er ist ein erfolgreicher Kinderpsychologe, sie verbringt ihre Zeit mit dem Malen expressionistischer Bilder. Während eines Spaziergangs sehen sie einen jungen Mann, der sich in selbstmörderischer Absicht in die Fluten eines nahen Flusses stürzt - Tom springt ihm hinterher und rettet ihn. Als er ihn kurze Zeit später im Krankenhaus besucht, erkennt er ihn wieder: Der Gerettete (Avan Jogia als Danny Miller) ist ein früherer Fall von Tom - ein juveniler Mörder, der sein halbes Leben im Gefängnis verbracht hat, weil er ein anderes Kind erstickt hatte. Jetzt, mit Anfang 20, ist er unter neuer Identität wieder draußen und sein erster Weg führt ihn mit einem vorgetäuschten Suizid zum Psychologen von damals, dessen seinerzeitiges Gutachten ihn in den Knast gebracht hatte...

Dieser nicht sonderlich innovative Plot könnte der Ausgangspunkt für ein perfides Psychospiel werden, denn dieser Danny ist ein mit allen Wassern gewaschener Heuchler, der in einer Mischung aus mitleiderregender Selbsterkenntnis, gespielter Freundlichkeit und ungezügelter Unbeherrschtheit allen Beteiligten etwas vorspielt. Der geneigte Zuschauer bemerkt dies jedoch schon nach wenigen Sätzen, daß der angeblich Geläuterte in Wirklichkeit nur auf Rache aus ist. Umso unverständlicher bleibt die schlichtweg nicht vorhandene Reaktion des Kinderpsychologen, der zum einen solche Psychotricks aus dem Eff-Eff kennen müßte und sich zum anderen immer weiter drangsalieren läßt, ohne dem langsam auch in sein Privatleben eindringenden Psychopathen auch nur im mindesten einmal Grenzen aufzuzeigen. So kann der wie eine tickende Zeitbombe auftretende Danny tun und lassen was er will, verfolgt aber entgegen der Erwartungshaltung des Zuschauers offenbar auch keinen wirklichen Plan.

Zu den Schwächen von The Drowning gehört vor allem das Drehbuch, das manch wichtige Sachverhalte völlig ausspart und andererseits Nebenhandlungen einführt, die nichts zur Story beitragen und gänzlich im Sande verlaufen. So wünschen sich beispielsweise Lauren und Tom ein Kind, aber aus verschiedenen Gründen wird das nichts: Tom ist ein kompletter Sexmuffel und vertröstet seine Frau stets. Als diese später eine kleine Wohnung in New York bezieht, um ihre Bilder besser vermarkten zu können, wird er jedoch eifersüchtig auf ihre jüngere Künstler-Entourage. Zu allem Überfluss bumst er dann eine unansehnliche Studentin, die ihn um ein Autogramm gebeten hatte, im Auto - wtf? Danny, der ein wenig an einen Latin-Lover erinnert, hat einen gewalttätigen Vater gehabt, der später auch zu sehen ist: ein älterer Weißer, der seinen Sohn am liebsten tot sehen will - eine Mutter taucht gleich gar nicht auf. Die Sozialarbeiterin von Danny dagegen lädt ihre Tätigkeit komplett auf den Kinderpsychologen ab, der mit dem eigentlich für ihn seit Jahren erledigten Fall nichts mehr zu tun haben will, sich aber immer mehr hineinziehen läßt. Danny schmeißt sich an Lauren ran und macht ihr Komplimente, die diese arglos-freudig annimmt und ihn sogar ins gemeinsame Haus zum Essen einlädt - ob die im Raum stehende sexuelle Komponente hierbei zum tragen kam, bleibt ungeklärt. Und über all dem schwebt die bohrende Frage, wieso Tom seiner Frau nicht endlich offenbart, daß der aus dem Fluß Gerettete kein harmloser junger Bursche sondern ein gefährlicher Soziopath und Mörder ist...

Was die darstellerischen Leistungen betrifft, gibt es nicht viel auszusetzen, jedoch sind alle drei Hauptcharaktäre absolut unsympathisch und laden in keinster Weise zu einem Mitfiebern ein. Während Tom im Grunde genommen eine Schlaftablette ist und schon deswegen überhaupt nicht zu seiner eher lebenslustigen Frau passt, hat Julia Stiles mit ihrem etwas aufgedunsenen Gesicht eher die Rolle einer guten Freundin, die sich keine Sekunde lang mit dem Brotberuf ihres Mannes (und dessen Risiken) auseinandergesetzt zu haben scheint und nur an ihre Pinseleien denkt. Avan Jogia immerhin verkörpert den hochmanipulativen Soziopathen in eindrucksvoller Weise, macht aber aus seiner vollkommenen Überlegenheit zu wenig.

Nachdem Danny den Psychologen mit ein paar billigen Tricks instrumentalisieren hat können (und damit die Rolle Patient - Psychologe erfolgreich umgedreht hat) springt der Film dann einfach eineinhalb Jahre in die Zukunft und läßt noch ein eher unspektakuläres Ende folgen, das wiederum mehr Fragen aufwirft als es beantwortet. Nein, da macht das Zuschauen keinen Spaß, die anfangs aufgetauchte leichte Spannung ist längst der Langweile und dem sich-an-den-Kopf-greifen bezüglich der vielen Logiklöcher und fehlenden Hintergrundinformationen gewichen: The Drowning schöpft sein Potential keineswegs aus und ist somit schlicht ärgerlich. 2 Punkte.

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