Als Paul Stanton (Rod McCary) von seinem Kartenspiel aufsieht und einen Blick aus dem Fenster wirft, packt ihn das nackte Grauen. Er sieht seine Frau Rachel (Stefanie Powers), die verzweifelt durch die Grabsteine des Friedhofs Richtung Haus torkelt, offensichtlich am Ende ihrer Kräfte, vielleicht sogar verletzt. Ohne zu überlegen handelt Paul, springt auf und eilt ihr zu Hilfe. Die Fensterscheibe zerbirst beim Aufprall, und er stürzt schreiend zig Meter in die Tiefe, wo sein Körper auf den Felsen zerschellt. Nur Sekunden später öffnet Rachel die Tür zum Zimmer, tritt ein, realisiert was passiert ist und beginnt zu kreischen. Dann läutet das Telefon, und eine weibliche Stimme leiert emotionslos die Motive herunter, die auf den von Paul aufgedeckten Karten zu sehen sind. Nach dem Begräbnis zieht Rachel die ESP-Experten Dr. Lucas Darrow (Alex Dreier) und Carey Johnson (Chris Robinson) hinzu, die bald am eigenen Leib zu spüren bekommen, daß hier seltsame (Geistes-)Kräfte am Werk sind. Während die beiden Männer versuchen, der mysteriösen Sache auf den Grund zu gehen, wird Rachel plötzlich von ihren zwielichtigen Verwandten Arthur (Pat Hingle) und Lillian (Louise Latham) umsorgt, und selbst ihre Nichte Nora (Brenda Scott), die sie eben noch als Mörderin beschimpfte ("You killed him, because he loved me!"), steht auf einmal vor der Tür.
Sutton Roleys obskurer Fernsehfilm Sweet, Sweet Rachel ist schon aufgrund seiner Besetzung einen Blick wert. Stefanie Powers, berühmt geworden an der Seite von Robert Wagner mit der TV-Serie Hart to Hart (Hart aber herzlich), überzeugt hier als labile, verzweifelte Witwe, der so übel mitgespielt wird, daß sie in den Wahnsinn abzudriften droht. Ihr langsamer Verfall hin zum ins Leere starrenden, geistigen Wrack wird recht glaubhaft geschildert, sodaß man unweigerlich Mitleid mit der armen Frau empfindet. Die anderen Figuren, wie etwa Pat Hingle (The Gauntlet) bzw. Louise Latham (The Sugarland Express) als Onkel respektive Tante, agieren ebenfalls souverän; ihre Hauptaufgabe ist es, bis zum Ende undurchsichtig zu bleiben. Denn wer hinter den telepathischen Anschlägen steckt, was es damit auf sich hat und welches Motiv der oder die Schurken haben, wird erst beim großen Finale enthüllt. Und dann gelingt es Regisseur Roley und seinem Drehbuchautor Anthony Lawrence tatsächlich, die ausgeworfenen Fäden zusammenzuführen und zu einem schlüssigen Ganzen zu vereinen. Im Grunde ist die Auflösung keine große Überraschung, doch dank der verschiedenen Details, darunter auch die Art und Weise, wie der bzw. die Täter überführt werden, bleibt das unspektakuläre TV-Movie bis zum Ende interessant und recht unterhaltsam.
Und das ist durchaus beachtenswert, ist Sweet, Sweet Rachel doch weder besonders mitreißend noch sonderlich spannend in Szene gesetzt. Bis zur Hälfte plätschert das Geschehen recht gefällig dahin (die tolle Eröffnungsszene mal ausgenommen), ist zwar nicht wirklich langweilig, aber doch auch alles andere als aufregend. Erst dann kommt der Film in die Gänge. Hin und wieder blitzt etwas Suspense auf, und zwei, drei Szenen kann man sogar - mit etwas gutem Willen - einen gewissen Gruselfaktor attestieren. Die Erscheinungen der toten Frau sind zum Beispiel hübsch schaurig anzusehen und könnten bei dem einen oder anderen vielleicht Gänsehaut erzeugen. Auch die ominösen Telefonanrufe sind ein wenig creepy, während der "lebende" Gipskopf eher schräg als gruselig anzusehen ist. Die Grundstimmung ist sehr ernst, beinahe schon verbissen humorlos; glücklicherweise ist der Film zu gut gemacht, als daß er eine unfreiwillig komische Schlagseite bekommen könnte. Nein, Sweet, Sweet Rachel ist bestimmt kein vergessenes Kleinod, aber er ist ein netter Mystery-Streifen für zwischendurch, dem sein Whodunit-Element gut zu Gesicht steht. Anscheinend kam die interessante, nicht unoriginelle Thematik bei den Verantwortlichen gut an, zog der Film doch im darauffolgenden Jahr eine kurzlebige Serie namens The Sixth Sense nach sich.