Review

Sex oder Kunst? Warum nicht beides

Als Fan von Sion Sono würde ich mich immer noch nicht bezeichnen. Aber während ich bei unseren ersten Berührungen noch arg zu kämpfen hatte mit seinem surrealen Stil klar zu kommen, geht’s nun mittlerweile viel besser. Ich weiß jetzt ungefähr, was mich erwartet. Obwohl der Mann natürlich unberechenbar ist wie wenige andere Regisseure. Erst recht bei einem Konzeptfilm und Kunstwerk wie „Antiporno“, in dem wir mehr oder weniger einem versexten Kammerspiel folgen, das schnell mehrere Ebenen entwickelt und sich zu Machtspielchen und Metakommentaren ausweitet, zu Themen wie Frauenrollen, Filmemachen und Übersexualisierung der Gesellschaft viel zu sagen hat. 

69 1/2

Es ist gut, dass „Antiporno“ recht knapp geraten ist. So artet er nicht aus, bleibt beim Punkt, wird nicht zu anstrengend. Obwohl er auch so schon nerven und verwundern, sich wiederholen und vor Köpfe stoßen kann. Aber das scheint Teil des Konzepts. Hier noch mehr als sonst bei Sono. Sex wird hier schnell, nicht allzu unterschwellig und definitiv beabsichtigt nicht mehr sexy gemacht. Das plötzliche Kippen der Machtverhältnisse erinnert fast etwas an Klassiker wie „The Servant“. Und Themen wie Belästigung am Arbeitsplatz, sexuelle Unarten in der Filmbranche und die allgemeine Abstumpfung der Gesellschaft bei diesem Thema sind stark und treffen ins Schwarze, wirken mittlerweile fast zeitlos. Die Darstellerinnen spielen stark und aufopferungsvoll und tabulos. Die Farben und Kameraeinstellungen sind Eyecatcher und überbrücken auch mal Leerlauf oder Achselzucken. Und insgesamt ist diese Mischung aus „She Said“, Pinku-Movie und Fellinis „8 1/2“ ohne Frage sehenswert - wenn man denn bereit ist zu investieren und nachzudenken, sich nicht nur berieseln zu lassen! 

Fazit: Sono ist Sono bleibt Sono - einzigartig, aber etwas unzugänglich für mich. Interessant, reizend und clever dennoch. Sexy Farbe. Oder auch unsexy. 

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