Review
von Con Trai
Bestandteil des letzten Aufbäumens von Cirio H. Santiago im filmischen Vietnamkrieg, das Bedienen der letzten noch anhaltenden kundenspezifischen Wünsche, welche in dem speziellen Milieu vor allem ab Mitte der Achtziger bedient wurden und ab Mitte der Neunziger nahezu nicht mehr. Santiago, der die Bedürfnisse am besten kannte und auch mit am fleißigsten und vor allem auch mit am sparsamsten erfüllte, hat hierbei erneut einen amerikanischen Star verpflichtet und speziell auch das erste und das einzige Mal mit Jan-Michael Vincent gearbeitet. Vincent, der gerüchtehalber zu der Zeit weder richtig stehen konnte noch geradeaus laufen und sowieso an einen der vielen Tiefpunkte seiner langen und ehedem furios startenden Karriere war, hat sich um 1992 herum bei vielen Genrekollegen herumgetrieben und ist alle naselang in preiswerten Erzeugnissen für die anspruchslosen Zuschauern hineingeschwirrt bzw. sich mangels anderer Angebote und aus finanziellen Gründen darin verirrt. Der (optisch körperlich fitte) Mann scheint zumindest hier (wo er leider auch nie so richtig involviert und abseits vom lockeren Abzugsfinger auch recht außerhalb der anderen Mitglieder wirkt) aber dennoch ordentlich Geld gekostet zu haben, zumindest eingangs des Filmes wird nämlich recht ein Stückwerk aus bereits gedrehten Szenen älterer Produktionen generiert:
US Army Commander Lt Sam Henderson [ Eb Lottimer ] bekommt mit seinem Trupp bestehend aus u.a. Pete Gonzales [ Vic Trevino ], Dave Thomas [ James Gregory Paolleli ] und Van [ Archie Amos ] den Auftrag, den Kriegshelden Len Jordan [ Jan-Michael Vincent ] samt Habseligkeiten per Patrouillenboot aus dem Land zu schaffen. Der Besatzung schließen sich in letzter Sekunde noch die mit Len verwandelte Journalistin Mary Jackson [ Jilian McWhirter ] sowie eine Nonne samt einem dutzend einheimischer Waisenkinder an. Ein NVA Commander [ Jose Torres ] ist dem ungleichen Haufen bereits auf den Fersen.
Ein flotter Überfall auf einen Militärzug sowie ein nächtliches Erstürmen eines Hauptquartiers der Vietcong durch eine Spezialtruppe, die sich erst im Schutz der Dunkelheit bis auf wenige Meter anschleicht und dann den großen Zampano mit viel Feuerwerk vor Ort zelebriert. Zwar schreibt man bereits April 1975, steht das Ende des Vietnamkrieges mit dem Fall von Saigon und der “Operation Frequent Wind“ zwar noch in diesen ebenjenen Monat an und damit unmittelbar vor der Tür, wird hier aber dennoch geschossen und gestorben als gäbe es kein Morgen.Vincent wurde zwischen den beiden ersten Actionszenen platziert, in einer kurzen Dialogsequenz, wobei diese (abgesehen von einigen wenigen zusätzlich addierten Beiträgen) auch das erste originäre Bildmaterial des Filmes überhaupt ist. Der Überfall auf das HQ ist aus Battle Gear a.k.a. Field of Fire (1991) und komplett übernommen, das mit dem Zug stammt aus Jungle Force - Eye of the Eagle (1987), weshalb man für einen kurzen Moment auch die dort gesetzten Rey Malonzo und Vic Diaz entdeckt. Sparfuchs und Rotstift sind demnach auch hier am Arbeiten, wobei dies a) dem Unkundigen sowieso nicht auffällt und b) dem Wohlgesonnenen in seiner Interaktion mit den Puzzleteilen vielleicht sogar recht, aber c) für den (bestenfalls) zahlenden Kunden schon irgendwo Nepp.
Das große Déjà-vu also eingangs, zumal kurz darauf auch noch Bilder aus Verraten in Vietnam - Eye of the Eagle 2, dort sogar in falscher 'chronologischer' Reihenfolge und Blutiges Lang Mei - Eye of the Eagle 3 eingespeist werden, inhaltlich allerhöchstens lose bis gar nicht verbunden und bestenfalls das Chaos in den letzten Tagen wiedergebend; die Anarchie , die vollends die (scheiternde) Strategie abgelöst und überwunden hat und heilloses Durcheinander und Extreme auf allen Seiten agiert.
Dabei sind die neuen Einstellungen und Akte wie das Geraten einer ausländischen Dokumentarfilmerin in den Stau der Evakuierung und den aufgebauten Druck der einheimischen Bevölkerung selber gar nicht übel gehandhabt und zeugen oftmals, allerdings nicht immer (die mehrfache “Saving Grace“ Einlage bspw.) von einigen dramaturgischen Geschick.Sobald die Geschichte auf dem Fluss und mit dem Patrouillenboot in Gang gesetzt ist, lässt auch der Klau bei sich selber nach; die fortwährenden Scharmützel auf dem Wasser und auch ein wenig zu Lande sind mittig zumindest schon eine Nummer kleiner, da wird ein bisschen das Streufeuer vom Ufer aus gelegt und der (berufliche) Begleiter der Reporterin von Bord gesprengt. Diese selbst steckt bald in einer Dreierbeziehung mit (dem bloß seinen Job machen wollenden und andere Sorgen habenden) Lt. und dem zwar vertrauten und auch in einer Affäre verstrickten Jordan, welcher allerdings zu Hause Frau und Kinder hat und auch zu denen zurückkehren will.