Review

Ob "Sudden Death" handlungstechnisch nun an "Die Hard" angelehnt ist - mir ist es egal. Unabhängig davon ist der ganze Film doch aber recht kindisch geworden. Vollkommen vorhersehbar, was passiert, wenn sich Jean-Claude van Damme als geschiedener Papi mit seinen zwei Kinderlein ins Eishockey-Stadion begibt: Eine Horde von Terroristen unter Führung des doch recht charismatischen Powers Boothe nimmt unter anderem den Vizepräsidenten in Gewahrsam und legt immer wieder mal eine Geisel um. Schließlich, anders konnte es nicht kommen, wird auch die Tochter van Dammes (hier unter dem Namen McCord firmierend) geschnappt. Die Geiselnahme ist aber noch nicht das ganze Problem: Es sind nämlich noch überall im Stadiongebäude Sprengsätze verteilt.

Dass das ganze im Eishockey-Stadion spielt, ist nun kein Zufall. Einer der Filmproduzenten ist nämlich gleichzeitig Finanzier der Mannschaft "Pittsburgh Penguins". Nun kann sich jeder denken, dass man, ob es nun dem Handlungsfluss zuträglich ist oder nicht, ebendiese Penguins (hier aber von der zweiten Garde der Mannschaft vertreten, wenn ich mich recht informiert habe) immer und immer wieder beim Spiel eingeblendet bekommt - auch als in der Umgebung des Stadions oder in und auf dem Stadion selbst lustig Sprengsätze gezündet und Panzerfäuste abgefeuert werden, stört das Spieler und Zuschauer wenig, niemand scheint was mitzubekommen - klar: Das Spiel muss ja möglichst lange weitergehen, um den Werbe-Effekt nicht zu verfehlen. Und auch das kann sich wohl schon jeder einigermaßen in der Klischeewelt der US-Prolo-Action erfahrene Zuschauer denken: Tausendsassa McCord wird hier nicht unbeteiligt bleiben! Ohne die lächerliche Szene weiter zu beschreiben, er erweist sich nicht nur hier als Hansdampf in allen Gassen.

Auch das ist dem Ein-Mann-Armee-Prinzip der vermeintlich guten alten 80/90er-US-Actioner zu eigen: Der Held ist nicht nur ein verkapper Eishockey-Star, er vermag gleichzeitig aus allem eine Waffe zu basteln, sie im Angesicht auf ihn zielender Schusswaffen blitzschnell einzusetzen und nebenbei ist er natürlich Meister fernöstlicher Kampftechniken. Vielleicht habe ich ja gar keine Ahnung, aber wird man beim Entzünden des Benzinstrahls aus einer Plastik-Spritzpistole, die man in der Hand hält, nicht unter anderem sich selber einer gewissen Brandgefahr aussetzen? Aber egal! Für den Notfall gibt es ja auch noch den Nahkampf-Bratenknochen aus der Stadionküche.

Das alles mag sich nach fiesem und zu dreckigem Lachen anregendem Hauen und Stechen anhören, ist jedoch in einer unangemessen teuer wirkenden 2,35:1-Hochglanz-Optik eingefangen, die dem Geschehen letztlich die Härte nimmt - zumal alles doch immer recht schnell vorbei ist. Das "R-Rating" wollte man wohl nicht gefährden. Kaum nötig zu erwähnen, dass der Ausgang des ganzen Zirkus mehr als vorherzusehen ist und die Filmmusik mit vollen Händen in den Schmalztopf greift, wenn sich gewisse Figuren in den Armen liegen.

Ein verallgemeinerndes Fazit sei mir noch erlaubt: Die Begeisterung für den US-Actionfilm der 80er und (die erste Hälfte der) 90er kann ich nicht nachvollziehen. In Hongkong wurde damals knochenharte Action gemacht - mit spektakulären Kämpfen, die beim Angucken wehtun, und positiven Figuren, deren Überleben alles andere als sicher ist! Dagegen können sich die aalglatten Vehikel solcher Darsteller wie Schwarzenegger, Stallone und eben van Damme nicht behaupten.

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