Review

Gerade bin ich vom Gipfel zurückgekehrt...vom Gipfel des Schaffens Jean-Claude van Dammes. "Sudden Death" markiert wohl tatsächlich den Höhepunkt an Ausstattung und Budget, der vielleicht noch mit "Universal Soldier" und dem ein Jahr zuvor erschienenen "Timecop" konkurrieren muss. Der Erfolg letzter beider Filme war dann wohl für dieses verhältnismäßig aufwändig gestaltete Actionfilmchen verantwortlich.

"Sudden Death" zehrt eindeutig von fachkundigen Handwerkern an vielen Fronten, als da hauptsächlich zu nennen wäre Regisseur Hyams. Nie für den wirklichen Hit gut, aber auf gutem Durchschnittsniveau erarbeitete sich Peter Hyams den Ruf als versierter Actioninszenierer. Somit gestaltet sich das Vehikel auch stimmig, weist eine gute Kameraarbeit auf und auch die Musik reiht sich nahtlos in die Solidität ein.

Insgesamt muss sich van Dammes Beitrag zur Einzelkämpferaction aber deutlich der direkten Genrekonkurrenz geschlagen geben, an der man sich zur Entstehungszeit eindeutig zu orientieren hatte. "Stirb langsam" als unerreichter und verhältnismäßig niveauvoller und intelligenter Beitrag und "Alarmstufe: Rot" als vereinfachter aber sehr unterhaltsamer und ansprechender Trittbrettfahrer stellen die Referenz, an die "Sudden Death" nicht heranreichen kann.

Der Hauptgrund, warum es letztlich nicht zu einem Top-Actionfilm gereicht hat, liegt eindeutig beim Drehbuch, das es nicht schafft, einen wirklich spannenden Ablauf zu kreieren. Zuviel Leerlauf mit sich wiederholenden und nicht wirklich packenden Prügeleien, peinliche Familienidylle, vorhersehbare Handlungsverläufe...das Drehbuch ist nicht nur schwach, es ist leider geradezu schlecht.

Die Qualitäten der Inszenierung würden den Film demnach auf Durchschnitt bringen, jedoch liegt "Sudden Death" knapp über dem Durchschnitt, da insgesamt durch die genannten inszeninatorischen Stärken die Atmosphäre sehr stimmig ist und man mit Powers Boothe einen sehr charismatischen und zurückhaltenden Fiesling gefunden hat, der das Fehlen jedes schauspielerischen Talents auf der Heldenseite ausgleichen kann.

Am Schluss kracht es dann natürlich ganz gewaltig, aber hier trägt Peter Hyams dann viel zu dick auf. Dass der Hauptbösewicht natürlich in einem solchen Film sterben muss und nicht gar irgendwie verhaftet und einem juristischen Verfahren zugeführt wird, wurde ja anscheinend schon im amerikanischen Grundgesetz festgelegt. Aber den Moment so in die Länge zu ziehen, wirkt schon etwas albern, zumal die Tricktechnik hier gerne teurer aussähe als sie es tatsächlich tut. Der Hubschrauberabsurz der Marke "Rückwärtseinparken am Hang" lässt erkennen, wie er gemeint war, zeigt dann aber die Grenzen von "Sudden Death" nochmals deutlich auf.


Fazit

"Sudden Death" ist genretypische Unterhaltung, die manchmal etwas langweilig ist, da das Drehbuch nicht gut genug ist, um durchgehend Spannung und Rasanz zu halten. Zum Teil wird mit der Vater-Kinder-Beziehung krasses Fremdschämen verursacht, das mehr im Gedächtnis bleibt als die müden Kloppereien, die manches Mal wie eine Szene aus "Die nackte Kanone" wirken. Selbst in diesem Genre darf ma sich nicht alles erlauben. Die Atmosphäre kommt aber oftmals an den Klassiker von McTiernan ran und so macht der Film viele seiner eigentlich vermeidbaren Fehler wett.

Auf diesen Gipfel des Schaffens kann man eindeutig ohne Sherpas ziehen. Seile, Stiefel, Sauerstoff - das kann alles zuhause bleiben. Badelatschen und ne Fruchtschorle reichen aus.

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