Nach Alarmstufe Rot (1992; Steven Seagal) und Passagier 57 (1992; Wesley Snipes) bekam Van Damme 1995 ebenfalls die Gelegenheit, sich in einem an die Story des großen Genrereferenz-Titel Stirb langsam angelegten im "Ein Mann gegen alle Terroristen" Modus zu beweisen. Ursprünglich wurde die Rolle Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis und Sylvester Stallone angeboten. Schwarzenegger und Willis waren aber mit den Dreharbeiten zu anderen Filmen beschäftigt,(Schwarzenegger stand für True Lies hinter der Kamera, Willis wollte zum dritten Mal "langsam sterben".) Stallone überzeugte das Drehbuch nicht, so dass alle drei absagten. Van Damme nahm das Angebot an und konnte den anfangs nicht begeisterten Peter Hyams überzeugen, die Regie für das Projekt zu übernehmen.
Den primären Schauplatz für Sudden Death liefert die Civic-Arena, das Eishockeystadion, dass von 1967 bis 2010 die Spielstätte des NHL Teams Pittsburgh Penguins darstellte. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Ein paar Terroristen unter der Führung vom skrupellosen EX FBI Agenten Joshua Foss (Powers Boothe) nehmen in der Civic-Arena während des alles entscheidenden 7 Spiels des Stanley Cups zwischen den Penguins und den Chicago Blackhawks den Vize Präsidenten und die gesamte VIP Lounge gefangen und verlangen Lösegeldüberweisungen von der US Regierung, ansonsten werden die Geißeln eine nach der anderen liquidiert. Der Ex-Feuerwehrmann Darren McCord (Jean-Claude Van Damme) ist mit seinen beiden Kindern als Zuschauer vor Ort im Stadion und nimmt es dann mit den Schurken im Alleingang auf, als seine Tochter zufällig in die Hände der Terroristen fällt.
Eine gerechte Bewertung des Films ist zugegeben nicht ganz einfach und ein zweiseitiges Schwert - Wir bekommen auf der einen Seite spektakulär und unterhaltsame in Szene gesetzte Action präsentiert. Sudden Death hat alles, was das Actionherz begehrt, zu bieten. Gut choreographierte und auf die Stärken von Van Damme zugeschnittene Martial-Arts Zweikämpfe (bewaffnet und unbewaffnet), Explosionen und blutige Shoot-Outs. Das Tempo ist durchgehend hoch gehalten, so dass so gut wie keine Langweile aufkommt. Außerdem überzeugen die in den Film integrierten Eishockey Spielszenen, viele damalige reale Spieler der Pinguins bekamen Gastauftritte spendiert, welche die sportliche Hintergrundatmosphäre zusätzlich unterstreichen (Klasse ist auch die Szene als McCord den Torwart mimt). Van Damme hat im Gegensatz zu seinen ersten Filmauftritten (z.B. Red Eagle oder Cyborg) auch darstellerisch dazugelernt und überzeugt nun nicht mehr nur in den Actionsequenzen. Darüber hinaus wurde die Besetzung des Hauptbösewichts mit Powers Boothe grandios gewählt, er spielt seinen Part als Oberfiesling diabolisch perfekt, zynisch und gnadenlos fällt seine Performance aus.Andererseits strotzen dann Drehbuch und Rahmenhandlung selbst für Actionfilm Verhältnisse nur so von Logiklöchern und Ungereimtheiten, es ist aus meiner Sicht durchaus verständlich, warum Stallone wie oben geschrieben das Mitwirken ablehnte wegen qualitativer Mängel in der Storyline. Zunächst einmal nerven die beiden Kinder von McCord, vor allem den Sub Plot mit seiner Tochter hätte man sich sparen können oder zumindest eine bessere Darstellerin für Ihren Part casten. Außerdem frägt sich der nachdenkende Zuschauer grundlegend, wie McCord überhaupt zu seinen teilweise übermenschlichen Fähigkeiten gekommen ist, den nur weil er lt. Drehbuch früher mal Feuerwehrmann war, erklärt dies noch lange nicht, dass er herausragende Nahkampf-Skills besitzt sowie mit allen Waffen perfekt umgehen kann und einen Verbrecher nach dem anderen professionell mühelos erledigt, der vorherige Werdegang der Hauptfigur ist jedenfalls in vielen anderen ähnlichen Action Vehikeln glaubwürdiger gewählt. (Stirb langsam = Polizist; Alarmstufe Rot = ehemaliger Neavy Seal; Passagier 57 = Sicherheitsexperte). Zu guter Letzt meint es Hyams dann teilweise zu Gut in seinem Bestreben, Spektakel auf die Leinwand bringen zu wollen, gerade im letzten Drittel des Films und in Teilen des Finales gerät Sudden Death fast schon in den Bereich von unfreiwilliger Lächerlichkeit (Comic) bzw. Übertreibung in den gefilmten Actionszenen (McCord's Einsprengung in die VIP Lounge, Hubschraubersturz ins Stadion). Auch das haben andere Genrevertreter deutlich besser hinbekommen, trotz der Actionfilm Thematik wurde das Gezeigte im Film nachvollziehbar, realistisch und nicht zu überzeichnet umgesetzt (ein Vorbild für glaubwürdiges Bombast-Actionkino ist Stirb langsam 1).
So bleiben gerade noch so 7 von 10 Punkte übrig. Sudden Death kann man sich immer mal wieder ansehen (am Besten mit ein bis zwei Bierchen), weil er gut unterhält und hinsichtlich Action und dem sportlichen Background überzeugt. Beim Ansehen darf man nur einen Fehler nicht machen: Das Hirn einschalten und über den Film nachdenken kann hier den Sehspass deutlich beeinflussen.