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Ja da hat der deutsche Verleih mal wieder ganze Arbeit geleistet... Ich weiß nicht, wie man auf die Idee kommen kann, diesem ruhigen und nachdenklichen Drama "Aftermatch" einen reißerischen Titel wie "Vendetta - Alles, was ihm blieb, war Rache" zu vergeben.... wahrscheinlich wurde gedacht, der Titel + der Name Schwarzenegger und schon hat man das typische Zielpublikum für einen Actionreißer gewonnen...

Doch eigentlich hat Aftermatch so einen Etikettenschwindel gar nicht nötig, denn was wir hier in den knapp 92 Minuten zu sehen bekommen, weiß durchaus zu überzeugen. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit (Flugzeugabsturz Jahr 2002 in Columbus, Ohio) und erzählt die Geschichte von zwei unterschiedlichen Menschen, dessen Leben durch das Unglück auf tragische Weise miteinander verknüpft werden.

Auf der einen Seite haben wir den Bauarbeiter Roman Melnyk (Arnold Schwarzenegger) der die Landung seiner Frau und seiner schwangeren Tochter am Flughafen sehnsüchtig erwartet. Auf der anderen Seite haben wir den Fluglotsen Jake (Scoot McNairy), der wegen einem technischen Defekt den Zusammenstoß zweier Flugzeuge mit zu verantworten hat. 172 Menschen verlieren Ihr Leben, darunter sind auch die Angehörigen von Melnyk.

Der Film zeigt, wie beide Seiten versuchen, Ihre Trauer bzw. Ihre Schuld zu verarbeiten. Melnyk, der die Tragödie zu Erst nicht wahr haben will und selbst am Absturzort nach seinen Angehörigen sucht. Erst als er die Überreste seiner Tochter in den Händen hält, fängt er an zu begreifen. Melnyk will von der Fluggesellschaft nur eine Entschuldigung, doch diese möchte Ihn mit einem Schweigegeld ruhig stellen.

Jake macht seine Mitschuld schwer zu schaffen, seine Frau und sein Sohn bekommen das Leiden und die psychischen Probleme am eigenen Laibe mit. Sein Arbeitgeber nimmt ihn aus der Schusslinie und besorgt ihm eine neue Identität mit einem anderen Job. Doch auch der Abstand ändert nichts an den Schuldgefühlen. Melnyk beginnt nach dem Verhalten der Airline selbst an zu Forschen, er findet die Identität von Jake heraus und macht sich auf den Weg zu ihm mit dem Vorhaben, eine Entschuldigung zu bekommen.... Letzten Endes treffen dann beide Kontrahenten in tragischer Weise zusammen, Gefühle wie Schuld, Mitleid, Hass und Reue kanalisieren sich zu einem traurigen Finale, in dem man einen "einzig wahren Schuldigen" vergebens sucht und in dem es nur Opfer gibt.

Ich hätte nicht gedacht, dass Schwarzenegger zu so einer überzeugenden Darstellung fähig ist. Wir kennen Ihn als Actionstar und teilweise auch als Darsteller in (unfreiwillig) komischen Familienfilmen. In den bisherigen Rollen musste er also entweder böse oder lustig schauen, dass war es dann auch schon, was das Darstellerische anbelangt. Doch in Aftermatch muss er richtig schauspielern und Arnie bekommt das sehr gut hin. Man nimmt ihm die Rolle des trauernden Familienvaters, der nicht weiß wie er mit seinem Verlust umgehen soll, ab und fühlt richtig mit ihm mit. Wie würde man selbst in seiner Situation handeln? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Auch Scoot McNairy überzeugt auf ganzer Linie als gewissensgeplagter Fluglotse, der am liebsten alles ungeschehen machen würde...

Schwächen sehe ich hier eigentlich keine, einzig und allein der bescheuerte Titel ist mir negativ aufgefallen, so bleiben unter dem Strich 9 von 10 Punkte. Ein sehr unterhaltsames Drama mit starken Darstellern und einer denkwürdigen Message.

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