Die Geister die dein Trauma rief
"Lavender" ist deine klassische Ghoststory. Aber in feinen neuen Schläuchen. Der Netflix-Sleeper handelt von einer jungen Frau und Mutter, deren Gedächtnis und Kindheits-Trauma bei einem Autounfall durchgerüttelt wird. Nun gilt es ein für alle mal die Wahrheit herauszufinden und nicht mehr zu verdrängen. Doch "Lavender" bereitet das alte Thema modern und sehr ansehnlich auf, bietet zudem klasse Darsteller, die der übernatürlichen Sache Gravitas und Emotionen verleihen. Oft wirkt das wie ein hypnotischer Mix aus Geistergrusel und verlorenem Stephen King-Roman. Da kann man kaum fassen, das der Regisseur zuvor "The Last Excorcism II" verbrochen hat. "Lavender" duftet auf einem ganz anderen Level. Eher nah an seinem Namen als am Stinker.
Gruselfreunde dürfen hier gerne mal reinschauen. Denn alleine optisch und atmosphärisch spielt "Lavender" erstklassig. Addiert man dazu dann noch starke Schauspieler, allen voran Abbie Cornish als verwirrtes und trotzdem starkes Unfallopfer, dann muss man diesen Slowburn in den grünen Bereich einsortieren. Da sieht man gerne tote Menschen. Wieder mal. Optisch wirkt alles fast traumgleich und sehr geschickt, für die Gefühle sorgt die Hauptdarstellerin ebenso gekonnt. Bis zum Ende bleibt offen wer der Bösewicht ist, viele Possibilitäten sprechen für eine durchdachte Inszenierung. Und wenn eine Story audiovisuell brilliert und emotional involviert, dann tut man sich sogar ähnliche Muster an, die man als Genrefan schon auswendig mitpfeifen kann. Manchmal tut es auch alter Wein aus neuen Schläuchen.
Fazit: ein Geisterdrama, das unter die Haut geht. Erfindet das Genre sicher nicht neu, macht jedoch viel aus seiner simplen, fast generischen Prämisse. Hübsch und noch hübscher gespielt!