Augen zu und durch dachte sich wohl der isländische Regisseur Erlingur Thoroddsen, als er die Vorlage seines Kurzfilms von 2012 auf Spielfilmlänge dehnte. Sein handelsüblicher Boogeyman frisst zwar keine Kinder, doch er hat eine Vorliebe für Augen, - was in gewisser Hinsicht tief blicken lässt.
Eigentlich sollte Babysitterin Helen ein Auge auf Lucas werfen, der soeben mit seinem Vater in die Nähe eines einstigen Serienkillerdomizils gezogen ist. Als Lucas kein Auge zu zubekommt und vom schwarzen Mann im Schrank berichtet, denkt Helen an einen schlechten Scherz, doch einen Augenblick später ist Lucas spurlos verschwunden…
Augenscheinlich hat Thoroddsen mindestens einmal „Halloween“ gesichtet, denn daran orientiert sich sein Stoff überdeutlich. Allerdings dauert es eine ganze Weile, bis nach der stimmungsvollen Exposition ein wenig Atmosphäre geschaffen wird und Helen nicht mehr ganz so schnodderig rüberkommt wie in den ersten Minuten. Mit dem Verschwinden von Lucas geht es recht stimmungsvoll zur Sache, allerdings verliert die Erzählung mit kleinen Nebenhandlungssträngen ein wenig die Kontinuität aus den Augen, zumal sich das Auge des Gesetzes dümmer als die Polizei anstellt.
Immerhin wartet der Stoff mit kleinen, handgemachten Splattereinlagen auf, bei denen es überwiegend um das unsanfte Entfernen von Augäpfeln geht. Auch der Bösewicht kann sich sehen lassen, der in einer Mischung aus Brandopfer, dem Creeper aus „Jeepers Creepers“ und Freddy Krüger kaum jemanden mit blauem Auge davonkommen lässt.
Im letzten Drittel geht es nach dem Prinzip Auge um Auge recht temporeich zur Sache, im Bereich Logik sollte man indes das eine oder andere Auge zudrücken, speziell als es um eine Einäugige geht, die mit dem Zweiten offenbar besser sieht.
Ansonsten performt der Cast okay und kann nichts für die unterirdische Synchro, während der sparsam eingesetzte Score die morbide Grundstimmung treffend untermalt. Es springen zwar keine sonderlichen Schauwerte ins Auge, das Timing ist nicht immer günstig und Originalität sieht ohnehin anders aus, doch Genrefans vergeuden nicht viel Zeit, wenn sie mal ein Auge auf die 77 Minuten ohne Abspann werfen.
Knapp
6 von 10