Review

Allerspätestens seit „The Descent“ haftet dem Schauplatz einer unübersichtlichen Höhle etwas Unberechenbares an, so dass aus einem Höhlentrip auch rasch ein Höllentrip werden kann. Dem norwegischen Autor und Regisseur Henrik Martin Dahlsbakken gelingt das Spiel mit der Ungewissheit eine Weile recht gut, doch dann verzettelt er sich gnadenlos.

Die ehemaligen Soldaten Adrian und Charlotte, sowie ihr Ex Viktor treffen sich nach langer Zeit mal wieder, um eine Höhlenexkursion durchzuführen. Dort angekommen, mehren sich Hinweise, dass die drei nicht die ersten in den unterirdischen Gewölben sind…

Die Erzählung fackelt zwar nicht lange und liefert in den ersten Minuten einige beeindruckende Aufnahmen der verschneiten Berglandschaft, doch die Zeit wird kaum sinnvoll für Figurenzeichnungen genutzt. Die Dreierkonstellation ist sogleich überschaubar, Viktor hängt noch an seiner Ex, weshalb es nicht gerade feinfühlig ist, dass Adrian und Charlie sich quasi mit halboffenem Visier beim Sex beobachten lassen. Viel mehr erfährt man über die Typen allerdings nicht.

Der Abstieg in die Ungewissheit birgt ein paar kleine Spannungseinlagen. Mal muss bergauf gerobbt werden, wobei jemand feststeckt, an anderer Stelle löst sich eine Befestigung und eine vierte Person scheint die Freunde vom Waldrand aus zu beobachten.
Allerdings sollten erfahrene Abenteurer in einer unbekannten Höhle nicht mit Feuer spielen, wenn irgendwo Gase freigesetzt werden könnten und es ist auch nicht ratsam, sich kurz vor einem beschwerlichen Abstieg noch eine anzuzünden.

Mehr soll über die Bedrohung, die Auseinandersetzungen im letzten Drittel nicht verraten werden, außer dass es einigermaßen blutig (wenn auch im Halbdunkeln) zugeht.
Was folgt, sind viele Andeutungen, die noch mehr unbeantwortete Fragen zurücklassen, was eventuell der bereits vorm Abspann angekündigte zweite Teil klären könnte.
Das hinterlässt dennoch einen leicht bitteren Beigeschmack, da vieles zu vage oder komplett offen bleibt.

Hinsichtlich der Zuordnung zwischen Überlebensabenteuer oder Psycho-Thriller kann es demnach zu einer falschen Erwartungshaltung kommen, da bringt die Erwähnung und eine gepfiffene Melodie von „Beim Sterben ist jeder der Erste“ nicht wirklich viel und obgleich die Sets authentisch rüberkommen, macht sich eine klaustrophobische Stimmung allenfalls in Anätzen breit. Der passable Score, eine solide Kamera und taugliche Mimen kaschieren nicht einige erzählerische Unzulänglichkeiten, die im letzten Drittel fast schon zum Ärgernis mutieren.
4 von 10

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