Review
von Leimbacher-Mario
Mad Brazil: Anarchy Road
In „Reza a Lenda“ aka „Holy Biker“ folgen wir einer Motorradgang irgendwo im brasilianischen Hinterland, die loszieht um eine geklaute Statue zurückzuholen, die dem ausgetrockneten Land den lang ersehnten Regen zurückgeben soll... Irgendwo zwischen „Sons of Anarchy“ und „Mad Max“ angesiedelt, ist die brasilianische Pampas wirklich ein hervorragender Ort, um eine karge und mystische Aura und Atmosphäre entstehen zu lassen, ohne dass es sich direkt um ein postapokalyptisches Szenario handeln muss. Zumindest gibt es keine handfesten Beweise dafür. Audiovisuelle Highlights findet man hier allerdings und leider deutlich mehr als inhaltliche und schauspielerische...
Bei einem solchen Film aus Brasilien muss man natürlich bedenken, woher er kommt, woher das Kino Brasiliens kommt, wo es sonst so momentan steht. In den Kinderschuhen und einer Krise, könnte man behaupten, vor allem gemessen an der Kraft und Größe des südamerikanischen Landes. Dennoch kann man ihn deswegen nicht in Watte packen oder losgelöst von internationaler Konkurrenz bewerten. Daher hier erstmal, was mir gefallen hat. Der Score hatte seine Momente und alles wirkt schön ausproduziert, hochwertig, recht ansprechend. Amateurhaft sind nur Inhalt und Zusammenstellung, nie die Hülle. Es gibt einige intensive Figuren, z.B. eine Art Schamane und der ruchlose, wirklich furchteinflössende Bösewicht. Außerdem bieten unsere „Helden“ zumindest was fürs Auge (wenn auch äußerst wenig Talent) und das Grundgerüst der Story hätte toll umgesetzt werden können, klingt besser als das, was man dann vorgesetzt bekommt. Leider ist hier der Konjunktiv allerdings nicht grundlos gewählt. Denn im Endeffekt quält man sich eher durch die trockene Landschaft, die flachen Figuren und den seltsamen Schnitt/Aufbau der Geschichte. Da verliert man nicht nur den Überblick sondern auch schnell das Interesse. Das wirkt dann wiederum billig und wenig inspiriert. Da reißen es ein blutleerer Machetenkampf, eine zahme Sexszene oder ein lauter Gatlin-Gun-Angriff auch nicht mehr in den grünen Bereich. Immer noch locker besser als ein „Future World“, der immerhin ein Hollywoodprodukt war. Jedoch weit hinter seinen Möglichkeiten und seinem Potenzial. Da ist jeder Sommerregen aufregender und erfrischender.
Fazit: ein unterdurchschnittlicher brasilianischer Quasi-Endzeitler zwischen Brett und B-Movie, zwischen stylisch und generisch, zwischen solide und unnötig. Eher nett gemeint als wirklich top, eher gewollt als gekonnt. Viel zu oberflächlich und unkonzentriert. Immerhin sind die Bilder der felsigen Wüste atmosphärisch, der Score kann was und der Hauptdarsteller macht zumindest optisch was her. Und der Bösewicht ist schön fies. Das reicht manchmal für einen kurzweiligen Nachmittag. Zumindest bei stark gedrosselten Erwartungen.
P.S.: lieber/gerne hätte ich ihn im O-Ton auf brasilianisch geguckt, da die deutsche Synchro unter Soapniveau lag und das Ganze nochmal ein Stück abgewertet hat...