Die Generation Smartphone kennt das vielleicht nicht mehr, doch früher war Fotografie ein aufwendiges Verfahren. Farbfilm kaufen, einlegen und nach rund 36 Bildern war Schluss. Dann das Ganze zum Entwickeln geben und anschließend landen die Fotos mit Fotoecken im Album, - und zwar einem ohne Verknüpfung zum Desktop. Derlei Fotoalben werden eher selten geklaut, - Smartphones schon und deshalb landen intime Bilder bekannter oder unbekannter Persönlichkeiten regelmäßig im Netz. Mit dieser Ausgangslage junger, omnipräsenter Menschen startet Co-Autor und Regisseur Darrell Wheat sein Debüt.
Für die Highschool-Absolventin Jessie scheint der Abend gelaufen, denn sie erwischt ihren Freund beim Fremdgehen, erhält jedoch Trost von der gleichaltrigen Kim, welche Jessie ermuntert, noch einen Club aufzusuchen. Dort verschwindet Kim spurlos, doch Jessies Bruder lokalisiert sie und ihr Handy per GPS. Das Signal führt sie zu einem heruntergekommenen Haus, aus dem es schon bald kein Entrinnen mehr zu geben scheint…
Die Prämisse von „Don't Breathe“ lässt grüßen, denn erneut befindet sich eine Handvoll junger Leute im Haus eines psychopathischen Bewohners, der sogleich austeilt.
Die ersten zwei Minuten mit Abstecher in jenes Haus machen durchaus Lust auf ein morbides Treiben, doch mit Einführung der Hauptfiguren ist es zunächst hin mit der düsteren Stimmung.
Jessie ist mit ihrer Geltungssucht nicht gerade eine Sympathieträgerin, denn ohne Phone geht bei der offenbar gar nichts. Immerhin schimmert diesbezüglich etwas Gesellschaftskritik durch, denn Nachlässigkeiten in sozialen Netzwerken können auch schon mal bestraft werden.
So geht es von der Party nach Hause, ins Auto und in den Club, doch die erste halbe Stunde offenbart keinerlei Spannung.
Während der Suche im heruntergekommen Haus punktet die Kulisse durchaus, zumal die Räumlichkeiten teilweise gut versteckt sind, manche Türen sind mehrfach gesichert, während ein Überwachungssystem und VHS mit namentlichen Kennzeichnungen richtungweisend sind.
Spannend gerät das Treiben jedoch erst im letzten Drittel, als die Parteien aufeinander treffen und Duelle auf engem Raum ausgetragen werden. Allzu gewalttätig gerät das Treiben leider nicht und auch die letzten Einstellungen ergeben wenig Sinn. Lediglich ein Twist vermag zu überzeugen, obgleich dieser nicht gänzlich unerwartet kommt.
Darstellerisch wird okay abgeliefert, der Score treibt indes gut an und auch die Kamera arbeitet ordentlich und ist primär bei Temposzenen gut positioniert. Bei alledem bleibt die Geschichte mit all ihren Logiklücken und ungeklärten Fragen eher durchschnittlich und wenig innovativ, zumal nur die letzte Viertelstunde zum Mitfiebern anregt.
Ein Terror-Thriller, der sich insgesamt zu sehr zurückhält, in den entscheidenden Momenten jedoch mit einem guten Gespür fürs Timing zu überzeugen weiß, was allerdings rar gesät ist.
5,5 von 10