Review

Dan Stevens spielt einen Adeligen, der die Menschen rein nach ihrem Äußeren beurteilt und dafür von einer Hexe bitter bestraft wird. Er muss nun als monströses Biest sein Dasein fristen, während seine Diener in sprechende Haushaltsutensilien verwandelt werden. Der Fluch kann nur abgewendet werden, wenn sich jemand, trotz seines abstoßenden Äußeren, in ihn verliebt. Das ist für den einst so schönen Verwunschenen jedoch unvorstellbar, weswegen er sich verbittert in sein Schloss zurückzieht. Doch dann verschafft sich ein verirrter Reisender, gespielt von Kevin Kline, Zutritt und wird vom Biest gefangengenommen, woraufhin sich dessen Tochter, gespielt von Emma Watson, auf die Suche macht. Die belesene junge Dame nimmt den Platz des Vaters als Gefangene des Biests ein und verteufelt dieses zunächst dafür, bis sie hinter der Fassade der boshaften Bestie mehr als das erkennt und dem Schlossherren näher kommt. Dumm nur, dass die Schöne bereits einen hartnäckigen Verehrer, gespielt von Luke Evans, hat.

Spätestens seit dem Mega-Erfolg des animierten Disney-Films von 1991 dürfte das jahrhunderte-, womöglich jahrtausendealte französische Märchen „Die Schöne und das Biest“ so ziemlich jedem ein Begriff sein, zumal die Geschichte zuvor bereits vielfach für das Kino adaptiert worden war. Und nun, 2017, ist es ein weiteres Mal der Disney-Konzern, der die Geschichte in die Lichtspielhäuser bringt, nachdem sie zuletzt 2014 vom Franzosen Christophe Gans verfilmt wurde. „Die Schöne und das Biest“ ist damit eine weitere Realverfilmung eines Zeichentrickklassikers aus dem Mäusestudio, das bereits den düsteren „Maleficent“ und die gelungene Neuverfilmung des Dschungelbuchs mit Darstellern aus Fleisch und Blut in die Kinos brachte. Im Vergleich dazu ist „Die Schöne und das Biest“ sehr nah am Trickfilm gehalten, was die Fans freuen wird, wenn sie einzelne Szenen, Lieder oder Dialoge wiedererkennen, das Ganze aber auch gänzlich frei von Überraschungen gestaltet.

„Die Schöne und das Biest“ erinnert aber nicht nur aufgrund seiner Bezüge zum Trickfilm an vergangene Tage, der gesamte Film scheint trotz des Einsatzes modernster Technik aus der Zeit gefallen: Er quillt wie die alten Disney-Klassiker vor Nostalgie, Theatralik und Kitsch förmlich über und streift das Korsett des Volksmärchens zu keinem Zeitpunkt ab, es gibt kein Augenzwinkern und keine Neuigkeiten. Dafür gibt es allerhand Klischees: die sympathische Schöne, eine dieser Disney-Prinzessinnen, das Biest, hinter dessen harter Schale sich (Überraschung!) ein weicher Kern verbirgt, eine romantische Liebesgeschichte mit Happy End und natürlich einen hartnäckigen wie selbstverliebten Verehrer, der versucht dazwischenzufunken und letztlich baden geht.

Garniert ist der Film dafür mit großartigen Bildern. Die Kamera gleitet immer wieder durch das opulente Anwesen des verwandelten Adeligen. Die liebevolle und detailreiche Ausstattung, Animation und Effekte, all das erreicht einen fast beängstigend hohen Grad an Perfektion, sodass „Die Schöne und das Biest“ in erster Linie audiovisuell überzeugt. Auch die Musical-Einlagen, die mit zahllosen Tänzern und Statisten choreographiert, mit großartigen Kamerafahrten inszeniert sind, werden die geneigten Zuschauer begeistern, wobei allerdings die Synchronisation der Lieder ins Deutsche zu bemängeln ist. Diese bis ins letzte Detail perfekt durchkomponierte Machart, der ganze vordergründige Pomp hat aber zugleich etwas Steriles, etwas Künstliches, das nur wenige Emotionen aufkommen lässt, obwohl, oder gerade weil, der Film allzu krampfhaft versucht mit dem Dampfhammer Gefühle zu erzeugen. Wirklich intime Szenen, in denen sich authentische Emotionalität entfalten könnte, gibt es nicht. Disney steht eben seit jeher einerseits für Perfektion, andererseits für Kitsch und Klischees und so gesehen ist „Die Schöne und das Biest“ ein Disney-Film par excellence.

Neben der Optik ist es, wie schon beim Trickfilm, vornehmlich der sprechende Hausstand des Adeligen um Lumière und Von Unruh, der nicht nur aufgrund seines detailverliebten Designs und seiner großartigen Animation, sondern vor allem mit Charme und Witz punktet. Daneben wirken die menschlichen Akteure allerdings größtenteils blass. Luke Evans bleibt, ebenso wie das Biest, profillos, während die homosexuelle, von Josh Gad verkörperte Nebenfigur, von der im Vorhinein so oft die Rede war, zur Randnotiz verkommt. Selbst Emma Watson, die ohnehin etwas von einer Disney-Prinzessin hat, geht zwischen diesem ganzen vordergründigen Pomp, den gewaltigen Bildern ein wenig unter.

Fazit:
Audiovisuell beeindruckend inszeniert und nahezu perfekt in Szene gesetzt, unterhält „Die Schöne und das Biest“ auch aufgrund des witzigen sprechenden Hausstandes weitgehend solide, doch bei all dem Kitsch und dem vordergründigen Pomp vermittelt die allzu theatralische Disney-Realverfilmung keinerlei authentische Gefühle.

52 %

Details
Ähnliche Filme