Hidden Figures ist einer jener Filme, der ein im Grunde schwieriges Thema wunderbar leichtfüssig umsetzt und dabei Unterstützung von einem begnadeten Darsteller-Ensemble bekommt.
Dass auch afroamerikanische Frauen wichtige Rollen beim Raumfahrtprogramm der NASA gespielt haben, ist ein bisher noch nicht offensiv behandeltes Thema im Hollywood-Kino.
Doch glücklicherweise gibt es Fox 2000, die bereits mit
"Die Bienenhüterin" einen Film mit ähnlicher Thematik ins Kino gebracht und dabei ebenfalls ein einfühlsames und wehmütiges Meisterwerk geschaffen haben.
Bei Hidden Figures ist der Grundton eher mit einer Komödie vergleichbar - die drei Heldinnen sind wortgewandte und emanzipierte Frauen, die wissen, was in ihnen steckt und dies auch selbstbewusst für ihre berufliche Karriere verfolgen.
Man fiebert mit ihnen, man leidet mit ihnen (speziell die Szene in der Stadtbibliothek ist dafür exemplarisch, denn sie schafft es, aus einer negativen Situation für den Zuschauer sofort wieder den Bogen zu etwas positivem zu spannen und das aus der Figur heraus) und man freut sich für sie, wenn Kevin Costner in einer sehr oft zitierten Szene das Toilettenschild für Farbige abschlägt, damit seine Mitarbeiterin nicht täglich 40 Minuten ihrem Arbeitsplatz fernbleibt, nur weil sie nicht die ganz normale Damentoilette benutzen darf und quer über das Gelände rennen muss!
Die Aufbruchsstimmung, welche 1961 bereits in den USA herrschte, was die Abschaffung der Rassentrennung angeht, ist eine Art roter Faden in Hidden Figures. Man merkt an allen Ecken, dass der Fortschritt einzieht.
Da werden immer wieder Fernsehberichte eingeblendet und der Mann einer der drei Damen ist ein Verfechter der Rechte für Afroamerikaner, ohne dabei militant zu werden.
Dabei wirkt der Film aber nicht als Plädoyer für eine selbstbewusste und starke afroamerikanische Gleichberechtigungsbewegung sondern lässt mit kleinen Momenten immer wieder anklingen, was da schief lief zu dieser Zeit und teilweise noch lange bis in die Gegenwart hinein.
Die markantesten Szenen dazu hat Octavia Spencer, deren Spiel derart subtil ausfällt, dass man nur bewundern kann, wie diese Figur trotz aller Ungerechtigkeit in sich selbst ruht - alleine sich dies anzuschauen rechtfertigt diese tollen 127 Minuten!
Ihre Szenen mit Kirsten Dunst (die unwahrscheinlich alt aussieht in diesem Film) sind derart intensiv mit einer gegenseitigen Antipathie aufgeladen, die sich erst gegen Ende etwas lockert, dass man kaum glauben kann, dass es die dialogärmeren Stellen von Hidden Figures sind, denen man hier beiwohnt.
Darstellerisch ist ein Film mit solchem Thema natürlich ein echtes Fest - und niemand wird hier enttäuscht werden.
Weder Drama noch Komödie, weder anklagend noch beschwichtigend, Hidden Figures ist einfach alles zusammen und noch viel mehr - ein Film, der zum Nachdenken, Lachen und Weinen animiert und daher für mich einer der ganz grossen Würfe des Kinojahres 2017 ist.
Ein langer Nachhall bleibt im Kopf zurück, wenn das Licht im Kinosaal wieder angeht und einem klar wird, dass man auf so vielen Ebenen erreicht wurde.