Taraji P. Henson spielt die afroamerikanische Mathematikerin Katherine Johnson, die in den 1960er Jahren für die NASA tätig war. Nach dem Sputnik-Schock trug sie in der von weißen Männern dominierten Raumfahrtbehörde dazu bei, einen amerikanischen Astronauten ins All zu befördern, während sich die Bürgerrechtsbewegung gegen die Rassentrennung auflehnte. Außerdem werden die Arbeiten der Mathematikerin und Programmiererin Dorothy Vaughan, gespielt von Octavia Spencer, und der Ingenieurin Mary Jackson, gespielt von Janelle Monae, thematisiert.
Während die Bürgerrechtsbewegung mit offenem Protest gegen die Rassentrennung aufbegehrte, was zuletzt unter anderem im Martin-Luther-King-Biopic „Selma“ thematisiert wurde, nehmen die drei Wissenschaftlerinnen in „Hidden Figures“ die Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen still zur Kenntnis. In den ernüchterndsten, aber stärksten Szenen des Films, werden die Rassentrennung, die bis vor wenigen Dekaden bestand, und der alltägliche Rassismus verdeutlicht: Etwa dann, wenn die einzige schwarze Mathematikerin in einer Abteilung eine eigene Kaffeekanne erhält, weil die weißen Kollegen nicht aus der gleichen wie sie trinken wollen. Der Weg zur nächsten Toilette für Farbige nimmt indes mehr als eine Viertelstunde in Anspruch.
Statt gegen diese Verhältnisse in der weiß und männlich dominierten NASA zu rebellieren, lassen die brillanten Damen ihre Taten sprechen und machen sich durch ihr Können unentbehrlich. Der Beitrag der Protagonistinnen zum Raumfahrtprogramm ist ausgesprochen interessant und man hätte gern mehr darüber erfahren, doch wirklich dokumentarisch wird der Film von Theodore Melfi leider nicht. Es bleibt bei den wichtigsten und weitgehend bekannten Etappen des US-Raumfahrtprogramms, bei etwas Zeitkolorit aus einer von Rassenunruhen und Kaltem Krieg dominierten Dekade.
Stattdessen verlegt sich der zuletzt mit dem Feel-Good-Movie „St. Vincent“ durchaus positiv in Erscheinung getretene Melfi auf klassisches amerikanisches Erbauungskino. So wird der im Fokus des Films stehenden Mathematikerin auch gleich ein etwas schwülstiger Background inklusive kitschiger Lovestory verpasst und vor allem am Ende allzu penetrant auf die Tränendrüse gedrückt. Dass bei der NASA gefühlt nur weiße Männer und schwarze Frauen arbeiten, dass in einem Raum voller brillanter Köpfe letztlich alle Anwesenden staunend der farbigen Mathematikerin beim Rechnen zusehen, all das erscheint zudem etwas übertrieben. Melfi gelingen aber auch emotional mitreißende und durchaus eindrucksvolle Szenen, etwa dann, wenn der von Kevin Costner gespielte NASA-Mitarbeiter die Schilder an den gemischtrassigen Toiletten einschlägt und der Rassentrennung zumindest in dieser Hinsicht ein Ende bereitet.
Letztlich ist „Hidden Figures“, wenngleich sehr konventionell und etwas schwülstig, doch ein solider Film geworden, bei dem die sehr authentisch wirkende Ausstattung und vor allem die Darsteller überzeugen. Die drei Hauptdarstellerinnen machen ihre Sache ausgezeichnet, so brilliert Taraji P. Henson als emotionaler Dreh- und Angelpunkt in der Hauptrolle, während die präsente Octivia Spencer ähnlich Oscar-reif wie in „The Help“ agiert und Janelle Monae, von Hause aus Sängerin, vor allem durch ihre Schlagfertigkeit positiv auffällt. Daneben agiert Kevin Costner glaubhaft als harter Hund mit sympathischen Zügen und verkörpert einmal mehr das liberale Amerika.
Fazit:
Eine interessante wahre Begebenheit, verpackt in ein konventionelles und etwas schwülstiges Stück Erbauungskino. Damit ist „Hidden Figures“ letztlich Mittelmaß, obwohl weit mehr drin gewesen wäre.
60 %