Auf den ersten Blick spricht nichts dafür, dass dies ein guter Film sein könnte: eine Bewertung von 4,9 bei der IMDb und nur 28/100 Punkte im Metascore der Filmkritik, darüber hinaus besteht Regisseur Sheldon Wilsons Filmographie in der Hauptsache aus trashigen (TV-)Filmen mit Titeln wie „Red: Werewolf Hunter“ und „Shark Killer“. Dann wird augenscheinlich auch noch die älteste Gruselgeschichte der Welt erzählt, in der eine alleinerziehende Mutter mit ihrem traumatisierten Sohn in ein leerstehendes Haus einzieht, das vor langer Zeit Schauplatz unerklärlicher Gewalttaten war. Dazu kommt eine Gruppe Jugendlicher, die dummerweise ihren Drogenvorrat im Keller des verlassenen Hauses deponiert haben.
Überhaupt erscheint THE UNSPOKEN wie ein Best-of bekannter Horrormotive. Aber das lässt sich über THE CABIN IN THE WOODS schließlich auch sagen. Und auch wenn CABIN natürlich um Längen cleverer und aufwändiger geraten ist, vereint die beiden doch ein netter Meta-Ansatz, der auch THE UNSPOKEN am Ende nochmal ein ganzes Stück runder erscheinen lässt. Man kann diesen finalen Twist als Versuch sehen, aus einem gewöhnlichen Sujet noch eine interessante Wendung herauszukitzeln, aber man kann sich auch einfach daran erfreuen, dass hier mal nicht wieder nach Schema F vorgegangen wurde.
Abgesehen davon hält THE UNSPOKEN auch durchaus dem Vergleich mit aktuellen Horrorhighlights wie INSIDIOUS oder THE CONJOURING stand: Die Atmosphäre ist durchgehend unheimlich, die Jumpscares sind effektvoll und nicht gerade spärlich, die Schauspieler sind allesamt sehr kompetent (das Puppengesicht von Sunny Suljic kennt man mittlerweile aus Lanthimos’ THE KILLING OF A SACRED DEER) und auch die Charaktere sind deutlich weniger dumm als in gängigen Spukfilmen. Für Genrefans also mindestens gute Unterhaltung, möglicherweise sogar ein Geheimtipp.