Mitunter benötigen Filmemacher ein Ventil, um auf persönliche oder gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Im vorliegenden Fall des mexikanischen Regisseurs Lex Ortega trifft eher letzteres zu, was die Eingangsszenen heruntergekommener Viertel untermauern.
Ermittler Juárez wird zu einem tödlichen Unfall gerufen, als dieser im Fahrzeug zweier Beteiligter um Goyo Tapes mit Snuff-Material findet. Bei weiteren Untersuchungen stößt er auf ungeheuerliche Begebenheiten…
Der in den letzten Jahren immer seltener eingesetzte Stil Found Footage wird hier nahezu durchweg angewandt und kommt speziell bei den Gewalteinlagen effektiv zur Geltung, wobei es natürlich auch das mangelnde Budget kaschiert. Im Grunde warf Ortega alles in den Topf, was irgendwie mindestens befremdlich bis extrem abstoßend anmutet, inklusive zahlreicher Tabus, die von Inzest bis Nekrophilie reichen.
Leider kommt der Stoff anfangs nur quälend in Gang, denn ohne Bezug zu Opfer oder Täter bringen auch ausladende Folterexzesse nicht viel. Besonders viel Zeit lassen sich die Peiniger mit einer Transe, die aufgrund einer düsteren Umgebung und verwaschenem Fokus erst bei genauerem Hinsehen als solche zu erkennen ist. Erst in der zweiten Hälfte offenbart der Inhalt einer klobigen VHS, wie es um den Hintergrund eines Killers bestellt ist, - warum auch immer Eltern das Schikanieren des Sohnes per Kamera festhalten.
Die Splatterszenen, vermengt mit Ekeleinlagen zwischen oral, anal und beides diagonal sind nichts, was man beim Abendessen sehen möchte. Ein gebrochener Unterschenkel und großflächig entfernte Hautareale fallen da eher beiläufig aus, wenn mit einem Dildo gepötert wird, der wahlweise mit Stacheldraht umwickelt ist, was sogar zu kurzen Takes von der Dildospitze aus betrachtet führt. Zumindest ist man hier nicht, nun ja, tiefer ins Detail gegangen und auch eine Entmannung wird nicht voll ausgekostet.
Ohnehin fällt mal wieder das Timing in Sachen Materialfehler der Tapes auf, die immer dann besonders auffällig sind, wenn explizite Einlagen anstehen.
Was entfernt an die Reihe „Guinea Pig“ angelehnt ist, entfaltet sich als definitiv abartiger und oft ekeliger Beitrag, der seinem Titel „grausam“ alle Ehre macht. Die Performances sind okay und obgleich die Handkamera häufig wackelt und den Fokus verliert, kommen die Bilder authentisch rüber, womit sie ihren Zweck erfüllen. Rein inhaltlich wird immerhin noch ein Background einbezogen, was mit einem kleinen Twist abschließt.
Nichts, was übermäßig Spannung erzeugt und überdies nur Freunden der härteren Gangart entgegenkommt.
5 von 10