Psychopathisch veranlagte Einsiedler findet man überall, - da muss man nicht erst durch Texas reisen oder einen Unfall im Schnee haben, um vom größten Fan gesund gepflegt zu werden. Autor und Regisseur Mark Murphy schneidet sich zwar eine ordentliche Scheibe von „Misery“ ab und bedient sich zahlreicher anderer Terrorvorbilder, doch die überzeugenden Mimen bügeln einige Schwachstellen gekonnt aus.
Anwalt Jake (Rupert Hill) wollte auf den Weg zu seiner Verlobten eine Abkürzung nehmen, doch er landet in der einsamen Moorlandschaft des Einsiedlers Morris (Tony Curran), der hier mutterseelenallein mit seiner zwanzigjährigen Tochter Lauren (Diana Vickers) lebt.
Nach einiger Zeit bemerkt Jake, dass er nicht vorübergehender Gast, sondern Gefangener des launischen Morris ist…
Mit einem schmalen Budget von etwa drei Millionen Dollar ist es durchaus möglich, einen solide ausgestatteten Indie-Psychothriller auf die Beine zu stellen. Obgleich die Handlung zwischenzeitlich einen deutlichen Kammerspiel-Anstrich erhält, wird durch die unberechenbare Bedrohung Interesse geschürt und dass Morris nicht ganz dicht sein kann und mindestens eine Leiche im Keller verborgen hält, wird rasch klar. Spätestens, als Vater und Tochter Weihnachten feiern, obwohl erst September ist und Lauren dabei für einen Abend in die Rolle ihrer verstorbenen Mutter schlüpft, schrillen bei Jake die Alarmglocken.
Dumm nur, dass dieser beim ersten Fluchtversuch nach wenigen Metern im Wald einem Missgeschick anheim fällt, was weitere Fluchtmöglichkeiten deutlich erschwert. Aber das ist eine von diversen Unwahrscheinlichkeiten, welche im Verlauf ein wenig konstruiert daherkommen.
Gelungen ist indes das latente Drehen an der Spannungsschraube, was zwangsläufig zur Eskalation führen muss. Entsprechend werden im letzten Drittel härtere Geschütze aufgefahren und es kommt zu wenigen, aber brachialen Gewalteinlagen, die tricktechnisch sauber umgesetzt sind. Erschreckend, was unter gewissen Umständen mit einer Gitarrensaite anzufangen ist.
Primär ist es den treffend besetzten und stark aufspielenden Mimen zu verdanken, dass die Angelegenheit recht rund läuft. Tony Curran markiert ein wenig den Inbegriff des britischen Hinterwäldlers, der einerseits ein wenig tapsig herumläuft, andererseits die Tricks des Anwalts rasch durchschaut und von diesem kaum aus der Ruhe zu bringen ist. Folgerichtig erhält Rupert Hill eher im letzten Drittel ein paar emotionale Spitzen, gleiches gilt für Diana Vickers, die in einer Mischung aus weltfremden Naivchen und unbedarfter Verführerin angenehm bodenständig performt.
Die bedrückende Grundatmosphäre und der ruhige, jedoch kraftvolle Score tragen ebenfalls dazu bei, diesen simpel gestrickten Hinterwäldlerterror kurzweilig erscheinen zu lassen.
Er lässt sich angemessen Zeit, um mögliche Szenarien durchzuspielen, bevor es spätestens ab Mitte konkreter wird, wonach einige Wendungen erfolgen, die größtenteils sitzen.
Kann man sich geben.
6,5 von 10