Durch eine Finte gelingt es Kommissar Felix Murot, gespielt von Ulrich Tukur, einen Serienkiller zu fassen, auf dessen Konto mehrere Morde in Wiesbaden gehen. Der vermeintliche Mörder, gespielt von Jens Harzer, hat keine Ausweispapiere bei sich und verlangt danach, von Murot persönlich verhört zu werden. Dabei stellt sich heraus, dass der Mann seine Opfer, die des Lebens überdrüssig waren, von ihrem Leid erlösen wollte. Der Geständige hat außerdem bereits Vorkehrungen für den Fall seiner Inhaftierung getroffen…
Der „Tatort“, eines der Flaggschiffe der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, erfreut sich weiterhin ungebrochener Beliebtheit, obwohl das Krimi-Format oftmals bieder und bräsig daherkommt und es zwischen vielen der rotierenden Ermittlerteams kaum nennenswerte Unterschiede gibt - mit Ausnahme des variierenden Regional-Kolorits. Echte Änderungen sind bei der Fangemeinde aber ohnehin nicht erwünscht, was z.B. die ablehnenden Reaktionen auf die Action-Ausgaben mit Til Schweiger belegen. Auch die Wiesbadener Murot-Tatorte, die seit Jahren konsequent die „Tatort“-Konventionen umgehen und von der Kritik dafür mitunter gefeiert wurden, stießen beim Publikum auf eher verhaltene Reaktionen. Das galt vor allem für „Wer bin ich?“, den Film-im-Film-Tatort ohne Leiche. Der neue Tukur-Tatort „Es lebe der Tod“ ist zwar nicht ganz von dessen experimentellem Charakter, sticht aber ebenso aus der Masse an Durchschnitts-Krimis hervor.
Da der Mörder diesmal schnell gefasst und die Suche nach diesem damit vorzeitig beendet ist, geht „Es lebe der Tod“ einen anderen Weg als die meisten anderen „Tatort“-Folgen. Regisseur Sebastian Marka, bisher für insgesamt fünf „Tatort“-Krimis verantwortlich, konzentriert sich daher im Folgenden stärker auf die Persönlichkeit des Mörders und entspinnt ein echtes Psychoduell zwischen diesem und Murot. Jens Harzer gibt dem Serienkiller mit seiner undurchsichtigen Art, seiner unaufgeregten Weise zu sprechen und seinem exaltierten Spiel dabei etwas Faszinierendes und Einnehmendes, sodass man förmlich an seinen Lippen klebt, wenn dieser seine Taten gesteht und rechtfertigt. Dass auf allzu moralisierende Töne verzichtet wird und die Motive des Serienmörders aus dessen Biografie heraus und aufgrund der emotionalen Grundkulisse in Teilen verständlich werden, macht die Beschäftigung mit diesem und seinen Taten noch reizvoller.
Sein Gegenspieler ist ein erneut auf ganzer Linie überzeugender Ulrich Tukur, der aus seiner Rolle ohnehin nicht mehr wegzudenken ist. Er liefert sich hitzige Diskussionen mit dem Antagonisten und beginnt, wie auch der Zuschauer, dessen Taten zunehmend zu verstehen, bis der vereinsamte Murot selbst in den Fokus des Interesses rückt und vor eine folgenschwere Entscheidung gestellt wird. Dabei krankt der Film zwar ein wenig an dem etwas überkonstruierten und allzu ausgeklügelten Plan des Mörders, kann aber gerade zum Ende hin weitgehend überzeugen, wenn an der Temposchraube gedreht wird. Vorzuwerfen wäre Marka dagegen eher die noch etwas schwergängige erste Filmhälfte.
Fazit:
Ein überzeugender „Tatort“ mit einem der einnehmendsten und interessantesten Mörder in der Geschichte der Serie.
74 %