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In der Ausgangslage seiner Geschichte spielt Regisseur Nick Matthews mit dem Vorurteil, dass Psychiater häufig selber ihre Päckchen zu tragen haben und zuweilen sogar Krankheitssymptome ihrer Patienten aufweisen. In besonders prekären Lebenssituationen scheinen sie sogar offen für ominöse Glaubensgemeinschaften zu sein, wie uns das Debüt des australischen Filmemachers glauben machen will.

Psychiater Travis (Mark Leonard Winter) konnte den Suizid einer Patientin nicht verhindern und befindet sich seither nah am Burnout. Eher zum Spaß besucht er die Veranstaltung einer Sekte, nimmt wenig später eine Überdosis Schlaftabletten und wendet sich an eben jene Glaubensgemeinschaft. Auf der Farm unter der Leitung von Father Jay (Steve Le Marquand) wird er zunächst entgiftet und soll sich nachfolgend seinen eigenen Dämonen stellen.
Noch zweifelt Travis nicht an den dubiosen Praktiken des Sektenoberhaupts…

Matthews lässt sich extrem viel Zeit für die Exposition, obgleich der Alltag aus Sicht eines überforderten Seelenklempners nicht uninteressant erscheint. Dem Betrachter wird eine Menge Geduld abverlangt, zumal einige Rückblicke zunächst für Verwirrung sorgen, anstatt Hintergründe zu untermauern. Auf der Farm angekommen, nimmt die Handlung minimal an Fahrt auf und verzichtet dabei weitgehend auf Klischees eines üblichen Sektenalltags.

Erst im letzten Drittel wendet sich das Blatt und der Stoff macht eine Gradwanderung vom Drama zum Psychothriller durch. Es folgen einige spannende Einlagen innerhalb einer beklemmenden Atmosphäre, woraufhin der Ausgang nur konsequent ist und sich der Kreis schließt. Die letzten zwei, drei Einstellungen hätte es demnach nicht mehr gebraucht.

Auf der Habenseite sind primär die Darsteller zu verbuchen, obgleich Winter nicht die Idealbesetzung für einen Psychiater darstellt, da er einerseits zu unerfahren rüberkommt und andererseits etwas zu unprofessionell mit einigen Patienten umgeht. Richtig gut ist jedoch Le Marquand als charismatischer Sektenführer und ehemaliger Irak-Soldat. Sobald der Mann in Aktion tritt, stellt sich ein leichtes Unwohlsein ein, was im letzten Drittel noch einmal bekräftigt wird. Ansonsten ist handwerklich nichts anzukreiden und auch die Ausstattung, speziell die beiden alten Automobile deutscher Herkunft kann sich sehen lassen.

Typische Anfängerfehler wie zu ausladende Momentaufnahmen und einige Kontinuitätsprobleme in der ersten Hälfte kaschiert die Geschichte mit zunehmender Laufzeit. In Erwartungshaltung einer Eskalation wird eine beklemmende Atmosphäre geschürt, während der finale Akt durchaus ein paar spannende Momenten vorzuweisen hat.
Wer etwas Geduld aufbringen kann und sich im Sektenmilieu gerne unwohl fühlt, liegt hier nicht gänzlich verkehrt.
6 von 10

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