Review
von Leimbacher-Mario
Eine Stadt jagt zwei Mörder
Peter Berg + Mark Wahlberg - eine Kombi, die durchaus ihre Fans gefunden und Früchte getragen hat. Ich zähle mich bisher nicht zu den absoluten Anhängern ihrer Koops, selbst wenn „Lone Survivor“ ein starkes Kriegsstück war. Aber bei einem „Deepwater Horizon“ etwa musste ich mich immer wieder fragen, ob die wohl noblen Absichten, den Opfern und Helden der Katastrophe zu gedenken, ihnen gar ein Denkmal zu setzen, nicht einem plumpen und geschmacklosen Katastrophenfilm geopfert wurden. Aber vielleicht sollte ich mir den Film zum bekannten Ölbohr-Desaster nochmal geben und ihn mit neuen Augen sehen - denn „Boston“, über den unfassbaren Anschlag von 2013 auf den dortigen Marathon, ist nicht unähnlich angelegt, hat mich allerdings volle pulle ins Herz getroffen und mir rundum extrem gut gefallen...
„Patriots Day“, wie er im Original heißt (beide Titel passen aber sehr gut), geht deutlich über zwei Stunden. Da war ich nochmal umso skeptischer. Erst recht, wenn die zwei zerstörerischen Nagelbomben schon nach nichtmal einer halben Stunde hochgehen. Wie soll/wird man weitere 100 Minuten füllen? Bekomme ich wieder einen üblen Beigeschmack? Muss man solche Katastrophen überhaupt derart einfangen und nochmal runtererzählen, aus ihnen einen simplen Thriller machen und mit ihnen Geld verdienen? Und kann Wahlberg endlich mal wieder überzeugen und in seiner Figur verschwinden? All diese Zweifel hatte ich noch einige Zeit. Doch nach und nach muss ich gestehen und mich darüber sehr freuen, dass Berg hier endlich mal wieder komplett trifft und seine Punkte intensiv transportiert. Es ist ein brutal emotionaler und packender Thriller, es ist eine Huldigung der Stadt, seiner Bürger, seiner Beamter und vor allem der Opfer, es ist keine Minute zu viel, es wirkt nie nur wie „über“ die Betroffenen, sondern immer eher „für“ diese. „Boston“ ist ein stolzer und sehr amerikanischer Polizei- und Ermittlungsthriller, wie etwa „World Trade Center“ und „Zero Dark Thirty“ konzentriert kombiniert, dessen klarer Patriotismus und Glauben an das Gute in uns Menschen jedoch nie übel aufstößt. Ganz im Gegenteil. Ich war voll drin, ich hatte Tränen in den Augen, oft genug Gänsehaut im Nacken. Und Wahlberg stösst ebenfalls nie negativ auf. Ich weiß nicht, ob ich ihn mir allzu oft angucken werde, da doch sehr heftige und echte Emotionen ausgelöst werden - aber empfehlen kann, nein muss ich „Boston“ in vollem Umfang!
Fazit: Schlag auf Schlag, null exploitativ, ein Denkmal für die wahren Helden solcher feigen Anschläge - „Boston“ hat mich berührt, überzeugt, durchgerüttelt, gefesselt und unterhalten. Und dass, obwohl ich mit der Kombi Berg/Wahlberg sonst oft eher weniger anfangen konnte... Respekt. Sehenswert!