Review

kurz angerissen*

An der Person im Mittelpunkt ist Doug Limans abenteuerliche Nicht-Biografie weniger interessiert. Vielmehr werden die Eckdaten aus dem Leben des realen Barry Seal dazu verwendet, um eine klassische Querschläger-Story zu erzählen. Ein einzelner Mann, der mit seinen Alleingängen die Brüchigkeit des Systems offenlegt und unterschiedlichste Zuständigkeiten miteinander kollidieren lässt, so etwas sieht das amerikanische Publikum gerne. Denn es stärkt die Hoffnung, dass das Individuum bei der Gestaltung seines Weges immer noch ein paar Zügel in der Hand hält.

Es ist davon auszugehen, dass Tom Cruise mit dem 150-Kilo-Original in Sachen Optik und Auftreten nicht viel gemein haben dürfte. Aber wen interessiert das hier noch. Cruise navigiert mit luftig-leichter Hans-im-Wind-Note durch das Skript und macht seine Sache auch deswegen gut, weil er nicht nur ein tollkühnes Flieger-Ass gibt, sondern auch eine ziemliche Niete, wenn es darum geht, wie man sich beim Abschluss illegaler Geschäfte zu verhalten hat. Zur Unterstreichung eröffnet Doug Liman allerhand Nebenschauplätze und fantasiert zusätzliche Ereignisse zusammen, um im Gesamten den Adventure-Touch zu bewahren. Dazu gehören riskante Geld- und Warenübergaben, Harakiri-Landemanöver in einer Wohnsiedlung und auch familiäre Komplikationen, die aller Wahrscheinlichkeit nach so nie stattgefunden haben. Nichts aber fasst die Kernaussage des Films besser zusammen als der Moment, in dem die unterschiedlichsten Zuständigkeiten, von der Polizei über die DEA und die CIA bis zum Platzhirsch FBI, zur gleichen Zeit am gleichen Ort eintreffen.

Ästhetisch wagt Liman einiges, setzt er doch auf eine von Unschärfen geprägte, in rotes Dämmerlicht getauchte Früh-80er-Nostalgiefärbung, die mit den eigenwilligen Linien der damaligen Fahrzeuge eine Einheit ergeben. Im eigentlichen Sinne schön ist das nicht (HD-tauglich ebenfalls nicht, wie Technikfetischisten wohl enttäuscht feststellen werden), aber es hebt sich wohltuend ab vom standardisierten Blockbuster-Kino, das meist nur rasiermesserschafe, symmetrisch austarierte Bildfülle kennt.

Ganz eigenständig ist "Barry Seal" deswegen natürlich nicht; schließlich folgt er offensichtlich den Pfaden von "Blow" oder "Catch Me If You Can". Alle paar Jahre kommt einem so ein Possenspiel aber gerade recht.

*weitere Informationen: siehe Profil

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