Review
von Blaine
Roland hat sein Kurzzeitgedächtnis seit einem Unfall beim Boxen verloren. Sein Leben ist seit dem nicht mehr dasselbe. Seine Frau Annett kümmert sich rührend um ihn und zusammen mit ihrem Sohn Florian versuchen sie Roland in irgendeiner Form Sicherheit und Normalität zu geben. Doch das Geld wird langsam knapp, da Annett nicht mehr in der Lage ist in ihrem Beruf als Friseurin zu arbeiten. Termine werden ständig verschoben und das gesamte Leben ist nur noch auf Roland ausgerichtet. die Krankenkasse bewilligt lediglich Pflegestufe 1 und die Unterstützung für die Familie reicht vorne und hinten nicht. Annett will unbedingt erreichen, dass Roland höher gestuft wird, denn die Raten für das Haus können langsam aber sicher nicht mehr bezahlt werden und auch ihr soziales Umfeld löst sich Stück für Stück auf, denn dieses kann Annett physisch und psychisch nicht mehr unterstützen. Sie wendet sich an einen Anwalt um Rolands Höherstufung zu erreichen, doch das scheitert kläglich.
Ein letzter Ausweg scheint die Abschiebung von Roland in ein Pflegeheim zu sein, doch da kämpft Annett mit ihrem Gewissen, denn genau das wollte sie eigentlich vermeiden.
Wertung:
"Tod auf Raten" ist ein ganz erstaunlicher und extrem guter deutscher Film aus dem Jahre 2016, der hier ein Krankheitsbild in den Vordergrund rückt, das nun mal nicht gerade Alzheimer oder Krebs ist, und wie durch diese Erkrankung ein ganzes Familienleben auf den Kopf gestellt werden kann bis sie schließlich kurz vor dem Zerbrechen steht. Die Darstellung gerade dieses Sachverhaltes gelingt exzellent. Medizinisch mag nicht alles bis ins letzte Detail korrekt erscheinen, aber dies wird durch großartige, schauspielerische Leistung kompensiert. Gerade was Veronica Ferris und Oliver Stokowski hier abgeliefert haben, ist ganz großes Kino. Besonders Annett wird hier mit all den psychischen Leiden die ein solcher Schicksalsschlag mit sich bringt sehr gut dargestellt, da hier wirklich die Verzweiflung einer Ehefrau spürbar ist. Sie will das Versprechen "Bis das der Tod uns scheidet" aufrecht erhalten, doch leider vergisst sie dabei, dass irgendwann sie selbst nicht mehr in der Lage ist etwas für ihren Mann tun zu können. Die Situation in ihrem Umfeld verschlechtert sich dadurch ebenfalls zusehends, so dass sie sich in einer Abwärtsspirale befindet, aus der es scheinbar keinen Ausweg mehr zu geben scheint.
Untermalt wird die Geschichte hauptsächlich von Klaviermusik, was die Handlung und Dramatik sehr gut unterstreicht. Auch zeigt der Film sehr gut auf, wie eine Familie an den Rand der Armut gedrängt werden kann, wenn ein Familienmitglied komplett ausfällt. Schauspielerisch gibt es gar nichts zu kritisieren und insgesamt kann ich den Film wärmstens weiterempfehlen, sofern er irgendwann wieder gezeigt werden sollte. Er gerhöhrt natürlich in die Kategorie "Drama", ist in manchen Anteilen aber schon tragisch-komisch, wobei hier gar nicht die Traurigkeit im Vordergrund steht sondern die Verzweiflung der Familie. Als Wertung knapp an der Höchstnote vorbeigeschrammt, da es ab und an etwas zu übertrieben dargestellt wurde. Insgesamt aber einer der besseren deutschen Filme mit Starbesetzung.