kurz angerissen*
Das Skript von Jeff Morris muss natürlich im Mittelpunkt stehen, wenn selbst im sperrigen Filmtitel von Memoiren die Rede ist. Bereits der Vorspann wird in Times New Roman über die Hafenbilder getippt, die Sekunden später zu einem Action-Setpiece mutieren, bis eine Bazooka mit schickem Feuerwerk für Schicht im Schacht sorgt. Mittendrin Kevin James, von dem wir wissen, dass er trotz seiner Körperfülle immer für Physisches zu gebrauchen ist – das war schon in „King Of Queens“ so, lange bevor er in „Das Schwergewicht“ recht überzeugend auf MMA-Fighter machte. Oder nun eben den bösen Buben in Südamerika als supergeheimer Geheimagent den Arsch versohlt.
Doch Moment... Morris' Skript sieht vor, dass der Protagonist eigentlich ein verträumter Everyman ist, also wird unser Actionheld rüde aus seiner Vision gerissen und wacht mit biederem Kurzarmhemd im verdunkelten Zimmer vor dem Laptop aus. Für James ist dieser Wechsel kein Problem; ganz im Gegenteil, seine Art von Comedy hat er auf dem Bild des unbeholfenen Erwachsenen mit kindlichen Träumen überhaupt errichtet.
Und doch muss man an Perlen vor die Säue denken. Das Drehbuch erscheint eigentlich einen Tick zu gut, um für eine flache Kevin-James-Klamotte auf den Kopf gehauen zu werden. Die für Netflix produzierte Actionkomödie zeigt zu Beginn sehr interessante Ansätze im Spiel mit erzählerischen Stilmitteln, wo immer sich Variationen zwischen der Vorstellungskraft des Autoren und der von ihm selbst durchlebten Realität ergeben. Jeff Morris und Regisseur Jeff Wadlow finden stets verspielte Wege, Fiktion und filmische Realität miteinander zu kreuzen. Das Ergebnis könnte man beinahe als Parodie auf die „Equalizer“-Filme verstehen: Während deren Protagonist mögliche Handlungsausgänge in Gedanken vorzeichnet und ihnen schließlich präzise in Taten folgt, gerät unser Autor beim zweiten Schritt immer möglichst spektakulär ins Stolpern.
James weiß als Vollprofi für Comedy und Timing die Drehbuchvorgaben natürlich auf bestmöglichem Weg umzusetzen und verschafft sich so ein paar gelungene Auftritte, zumal er in dem nicht gerade actionarmen Parcours auch mit 51 Jahren noch ziemlich gut aussieht. Nur haben seine Filme auch immer diesen unnötig biederen Anstrich, der mit jeder verstrichenen Minute penetranter wird. Oft warten am Ende hübsche Frauen mit Kuschelbären-Fetisch, die mit Gestottere und treudoofen Hundeaugen erobert werden wollen. Wenigstens das bleibt einem erspart, obwohl Zulay Henao als schlagfertiges Hasch-mich-Babe immer in Griffweite ist. An der merkwürdigen Verlegenheit, mit der man beobachtet, wie sich James' Charakter aus der Versager-Position kämpft, ändert das jedoch nichts.
Noch dazu trampelt die Regie ohne jedes politische Feingefühl durch die venezolanischen Schauplätze, ohne sich ernsthaft mit der Situation im Land auseinanderzusetzen. Dadurch wurden unnötigerweise auch noch Kontroversen entfacht, wenngleich die vermutlich in der kindlichen Denkweise dieser Produktion zu keinem Zeitpunkt Berücksichtigung gefunden haben. Und so wird aus dem ambitionierten Start mitsamt ansprechender Produktionswerte (wenn auch immer im Rahmen familiärer Berieselung) mal wieder der berühmte Elefant im Porzellanladen – wie eigentlich noch fast jede Kevin-James-Komödie bis dato.
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