Review

Bereits 2006 erschien die Groteske der Brüder Tilman und Karl-Friedrich König. Da war Fremdenfeindlichkeit im Osten zwar bereits ein Thema, doch durch die Flüchtlingswelle in jüngerer Zeit kocht das Fass in einigen Brennpunkten immer mal über, was Grund genug ist, den Film ein weiteres Mal für ein breites Publikum aufzubereiten.

Der aus dem Kongo stammende Sikumoya (Aloysius Itoka) lebt zusammen mit seiner Freundin Moni in einer Kleinstadt in Ostdeutschland, wo Siku regelmäßig Fremdenhass entgegenschlägt, insbesondere durch die hier ansässigen Nazis. Als diese ihn eines Tages ins Koma prügeln und Siku nach einiger Zeit wieder erwacht, reift in ihm eine neue Gesinnung: Er wird Integrationsbeauftragter der rechtsradikalen Partei im Ort…

Die Grundidee des schwarzafrikanischen Nazis, der deutscher sein will als die Rechten ist klasse, denn dadurch werden die stumpfen Parolen binnen kurzer Zeit demontiert. „Sag ein deutsches Gedicht auf !“ fordert Siku irgendwann von einem Passanten, der daraufhin mit Ach und Krach ein paar Zeilen vom „Schimmelreiter“ zustande bringt. Gleichermaßen steht die Frage im Raum, ab wann jemand deutsch ist und inwieweit das mit Integration und Erlernen deutscher Tugenden zu tun hat: Bier, Kartoffeln, Bratwurst und im Hintergrund läuft eine Uralt-Version von „Am Brunnen vor dem Tore“.

„Hitler saß sechs Monate im Gefängnis. Er war krimineller Ausländer und hätte abgeschoben werden müssen!“. Von solchen pointierten Ausbrüchen hätte man gerne noch ein wenig mehr erhalten, doch zu brav wird die Geschichte erzählt, welche zahlreiche Klischees in einen Topf wirft und wenig Würze dazu gibt. Hinzu kommt, dass Hauptdarsteller Itoka zwar eine Bank ist und das Geschehen weitgehend alleine tragen kann, doch eine Vielzahl an Laien ist das Amateurniveau eben deutlich anzumerken, was das Sehvergnügen phasenweise arg trübt.
Zudem unterstreichen manche improvisiert wirkende Dialoge den Independent-Status, welcher durch einige extrem schlecht produzierte Songs unterstrichen wird (wobei Letzteres Absicht sein mag).

Auch ein wenig nervig ist die Figur von Sikus Freundin, die den Inbegriff eines toleranten Gutmenschen verkörpert, so der Typ: Ich nehme Briefkontakt zu einem inhaftierten Vergewaltiger auf und wundere mich beim ersten Treffen über aufdringliches Verhalten.
Als es zum Streit wegen der unerwarteten rechten Gesinnung kommt, setzt sie ihren Siku ohne Nachzuhaken kurzerhand vor die Tür, woraufhin sie glücklicherweise in den Hintergrund gerät.

Letztlich kommt „Der schwarze Nazi“ mit einer pfiffigen Prämisse um die Ecke, welche leider nur bedingt ausgereizt wird, da es zwar einige Male zynisch, aber selten bitterböse zugeht und offenbar der Mut zum Drastischen fehlte. Das unterhält einigermaßen, stimmt ab und an nachdenklich, verpasst allerdings die Chance auf mehr Nachhaltigkeit.
6 von 10

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