Während Schafe zu den ältesten Haustieren zählen, sind Wölfe, zumindest in Sachsen wieder im Kommen. Dass sich die beiden Gattungen nicht sonderlich mögen, ist bereits in einigen Märchen verankert, doch allzu märchenhaft geht das Treiben im russischen Animationsfilm nicht vonstatten.
Soeben tobt bei den Wölfen ein Kampf um den neuen Leitwolf. Ragear will mit allen Mitteln an die Spitze, um es den benachbarten Schafen zu zeigen, während Grey eher der verspielte ist und soeben von Herzdame Bianca abgewiesen wurde. Als er bei einer Magierin einen Zaubertrank einnimmt, verwandelt er sich prompt in ein Schaf und steht fortan zwischen den Fronten…
…oder mutiert zum sprichwörtlichen Wolf im Schafspelz. Die Story ist simpel gehalten, sie bietet Coming-of-Age Anteile, die üblichen Botschaften von Mut und Zusammenhalt und natürlich einen finalen Kampf zwischen Gut und Böse, während schließlich noch ein Love Interest auf dem Spiel steht.
Jedoch macht sich rasch bemerkbar, dass Autoren und Regisseur komplette Neulinge sind, da der Geschichte der notwendige Feinschliff fehlt und die Figuren weitgehend austauschbar bleiben, was sich primär bei den Schafen bemerkbar macht. Ein Pelikan, der sich für ein Schaf hält, ist noch einigermaßen unterhaltsam, doch bis auf den abergläubischen Leithammel und einer leicht nervigen Quasselstrippe sticht hier niemand sonderlich hervor. Allenfalls bis auf einen wuchtigen DJ, der mit Pony bis über die Augen für zwei, drei Auflockerungen sorgt.
Ansonsten geht das Treiben zwar beschwingt und temporeich vonstatten, doch subtiler Humor oder gar zielgerichtete Gags bilden deutliche Mangelware. Dabei bietet das Sujet des Wolfes im Schafspelz jede Menge Potential, doch die Macher bringen lieber die Schäfchen ins Trockene, anstatt auf Innovationen oder Überraschungen zu setzen.
Demgegenüber wissen die Animationen weitgehend zu gefallen, zumal die Handschrift der Wizart Animation („Die Schneekönigin“) durchaus erkennbar ist. Flüssige Bewegungen, treffsichere Mimik und teils detailreich ausgestattete Landschaften bieten eine ordentliche Optik, allerdings bleiben denkwürdige Schauwerte aus und die Individualität bei den Erscheinungsbildern der Figuren ist etwas mau. Äußerlich unterscheidet sich Held Grey kaum von den übrigen Wölfen und auch der Bösewicht zeichnet sich lediglich durch grimmige Mimik aus.
Somit sticht der Streifen rein gar nicht aus der Masse familientauglicher Animationsfilme heraus. Er unterhält innerhalb der rund 81 Minuten zwar okay, doch erinnerungswürdige Szenen finden sich eher weniger und auch der Humor kommt deutlich zu kurz.
Für jüngere Zuschauer ein passabler Lückenfüller, den reiferen Semestern dürften das gewisse Etwas fehlen.
Knapp
6 von 10