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2008 feierte Damien Leones charismatisch dämonischer Killerclown Art the Clown im 11 minütigen Amateur Kurzfilm "The 9th Circle" seine Leinwandpremiere, in welchem der alles andere als freundliche Spaßmacher eine erste kleine Kostprobe seines blutigen Handwerks hinterlassen konnte. 2011 inszenierte Leone den zweiten Kurzfilm mit Arts Beteiligung unter dem vielsagenden Titel Terrifier, welcher kurz darauf im Jahr 2013 gemeinsam mit "The 9th Circle"  auf der aus 3 Episoden bestehenden Horrorclip Anthologie "All Hallows' Eve" veröffentlicht wurde. Dank dementsprechend erlangter Aufmerksamkeit in den richtigen Kreisen konnte Leone bei seinem 2015 gestartetem Crowdfinding Projekt auf Indiegogo für Terrifier in Spielfilmlänge genügend Geldgeber mobilisieren, die entscheidende großzügige Spende kam von Phil Falcone, der als kleines Dankeschön lediglich einen Produktionscredit einforderte. Der 2016 erschienene Longplayer "Terrifier" kostete knapp 700.000 Dollar und ist als blutrünstiges Spin Off zu den bisherigen Kurzabenteuern von Art the Clown zu verstehen.

Konzeptionell setzt der als Produzent, Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion fungierende Leone auf kompromisslos geradlinige Slasherkost, so etwas wie ein Motiv hat seine vielleicht zukünftige Horrorikone gar nicht erst nötig, sie konzentriert sich inhaltlich aufs absolut Wesentlichste: Mord, Hieb und Totschlag in grausamster Ausführung mit keinem Funken Gnade... Nach einer feucht fröhlichen Feier in der Halloweennacht treffen die attraktive Tara (Jenna Kannell) und die nicht minder hübsche Dawn (Catherine Corcoran) auf der Straße den etwas sonderbar wirkenden Clown (David Howard Thornton), den sie später wie durch einen Zufall erneut in einem Schnellrestaurant wieder sehen. Während Dawn in dem Clown einen harmlosen Freak sieht und mit ihm scherzt, genießt Tara den geheimnisvollen Fremden nur mit Vorsicht. Als die Frauen nach Hause fahren wollen, sind die Räder  des Autos urplötzlich zerstört und Tara ruft ihre Schwester Victoria (Samantha Scaffidi)  wegen prompter Abholung an. Was die beiden nur erahnen können: Die zerstochenen Reifen gehen auf das Konto von Art the Clown, einem psychopathischen Killer, der im Burger Laden bereits die Angestellten auf bestialische Weise getötet hat und nun auch Ihnen nach dem Leben trachtet. Eine gnadenlose Hetzjagd mit unzähligen Toten beginnt...

Einem Bericht zu Terrifier konnte ich kürzlich entnehmen, Art the Clown sei so etwas wie Stephen Kings ES für Erwachsene und nach eigens erfolgter Sichtung muss ich nickend zustimmen, die vorgenommene Assoziierung ist durchaus nicht ganz unberechtigt. Trotz des betriebenen Handlungsminimalismus gelingt es Damien Leone, mit kontrastreichen, leicht überbelichteten Aufnahmen sowie ruhiger Kameraarbeit im Retrostil hinter nächtlich-dunklen, dreckig wirkenden Kulissen und einem in Mark und Bein fahrenden Synthi-Sound eine beängstigend verruchte, beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Dabei profitiert er natürlich auch von der psychisch greifbaren Präsenz seines mysteriösen Hauptprotagonisten, der durch die ausgezeichnete Performance von David Howard Thornton mit einer unfassbar diabolischen Aura ausgestattet ist, dass dem Zuschauer wahrlich der Atem stockt.  Der von den Visagisten richtig furchteinflößend geschminkte Art the Clown spricht mit seinen übernatürlichen Kräften kein einziges Wort, visualisiert aber dank gestenreicher Pantomime und unterschiedlichsten Gesichtsausdrücken seine kranke Gemütswelt, dass nicht nur dessen bedauernswerten Opfern im Film Angst und Bange wird, welche von bestenfalls solide agierenden, begrenzt talentiert anmutenden B-Movie Mimen verkörpert werden.

Parallel zum spannenden, seelisch aufwühlend gestalteten Katz und Maus Spiel setzt Terrifier, wie es sein Titel bereits vermuten lässt, auf drastische Gewaltexzesse mit ausgiebigen Foltereinlagen und Verstümmelungen im tabubrechenden Grenzbereich. Wo andere Genrevertreter resignierend abblenden, hält Terrifier voll drauf und verwendet graphische Gore-Extreme als schockierendes Stilmittel der Erwachsenen Unterhaltung. Bemerkenswert hierbei ist, mit welcher beispiellosen, kaltblütigen Gewissenlosigkeit Art seine abwechslungsreichen Tötungsarien verrichten darf und durch das  bewusste Verzichten auf Erklärungen, warum oder weshalb der Clown das Morden so genüsslich zelebriert, erhalten die eh schon verstörenden Bilder einen zusätzlich derben, perfiden Beigeschmack. Der an den Tag gelegte Härtegrad ist definitiv nichts für zarte Gemüter und dürfte auch die Freunde von etwas speziellerer Kost nicht gänzlich kalt lassen.

Geschieht die qualitative Bewertung der verwendeten Effekte in Relation mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Möglichkeiten, kann größtenteils von einer geglückten Inszenierung gesprochen werden. Leone entschied sich wohl auch aus Kostengründen bewusst für eine komplett traditionelle Umsetzung seiner Visionen und verzichtete vollumfänglich auf moderne Computerunterstützung. Altmodische Maskenarbeit, ein kreatives Make-Up und literweise Kunstblut sind die bestimmenden technischen Handwerksmittel, die in Terrifier zum Einsatz kommen und zum sympathischen Old-School Look des Streifens beitragen. Allerdings gibt es parallel zu den vielen gelungenen Goreszenen auch ein paar wenige missratene Sequenzen, die optisch nur bedingt überzeugen können und phasenweise etwas billig wirken. In diesem Zusammenhang frage ich mich dann doch, warum auf die offensichtlich problematisch realisierbaren Inhalte nicht verzichtet wurde, scheinbar wurde der bedingungslose Schockierungsgedanke dem Anspruch an eine technisch einwandfreie Rezitation vorgezogen.

Ein nicht ganz unwesentliches Problem mit der expliziten Gewaltdarstellung hatte dann wohl auch die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft und verweigerte der ungeschnittenen Version die Freigabe, was anhand des streckenweise heftigen Tobaks gar nicht mal so überraschend ist. Wer Terrifier in Deutschland uncut sehen will, muss auf die limitierten und zu Mondpreisen gehandelten, ungeprüften Mediabooks von Nameless Media zurückgreifen, was sich hoffentlich bald ändern wird. Unabhängig davon hat Mastermind Damien Leone im Oktober 2022 mit Terrifier 2 Arts blutige Eskapaden fortgesetzt und da auch dieser Teil ein voller Erfolg wurde, wird bereits über seinen dritten Spielfilmauftritt nachgedacht. Terrifier 1 jedenfalls bietet meiner Meinung nach gefällig kompromisslose Slasherunterhaltung mit exorbitant hohem Blutzoll und einer Franchise geeigneten Hauptfigur, die mich trotz der nicht immer sauber umgesetzten technischen Effekte und den durchschnittlichen Darstellern hervorragend unterhalten konnte. MovieStar Wertung: 8/10 Punkte.

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