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Mindestens jeder zweite Besessenheitshorror wird dieser Tage von Blumhouse produziert und bei der Flut an Austreibungen wundert es nicht, dass der Streifen bereits 2013 abgedreht war und erst jetzt herauskommt. Regisseur Brad Peyton standen für seinen „San Andreas“ satte 110 Mil. Dollar zur Verfügung, für „Incarnate“ gerade mal 5 Millionen. Doch nicht nur das vergleichsweise geringe Budget macht der tollen Grundidee einen Strich durch die Rechnung.

Dr. Seth Ember (Aaron Eckhart) besitzt die Fähigkeit, ins Unterbewusstsein Besessener einzudringen und sie in die Realität zurückzuholen, wodurch der entsprechende Dämon verschwindet. Nun wird er vom Vatikan zum elfjährigen Cameron (David Mazouz) beordert.
In ihm schlummert der Erz-Dämon Maggie, welcher bereits für den Tod von Seths Kind und Frau verantwortlich ist…

Zwar ist der Grundgedanke und die visuelle Umsetzung an „Inception“, teils auch an „Avatar“ angelehnt, doch Exorzismus außerhalb von Bibelversen und ominösen Fantasiesprachen ist mal eine Abwechslung. Leider bieten die wenigen Ausflüge in die Gedankenwelten nicht allzu viel Atmosphäre: Zur Einleitung geht es in einen Club, später in einen Park, zuletzt auf den Rummelplatz. Schauwerte bleiben hierbei weitgehend aus und auch das Timing ist nicht immer effektiv.

Demgegenüber ist die Inszenierung weitgehend solide ausgefallen und Eckhart wertet das Treiben mit starkem Spiel deutlich auf. Der leicht heruntergekommene Style als Rollifahrer mit kurzem Bart und leichter Mähne steht ihm extrem gut, während er in den Gedankenwelten stets schick in Erscheinung tritt und gehen kann. Aber auch Mazouz liefert eine überzeugende Performance als Besessener ab, da er zu keiner Zeit übertreibt und den dämonischen Part dennoch überzeugend finster rüberbringt. Catalina Sandino Moreno ist eher etwas fürs Auge, - als Abgesandte vom Vatikan geht die beileibe nicht durch.

So muss ein dicker Anwalt quasi auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, besoffene Väter erkennen erstaunlich schnell den Ernst der Lage und eine Aura lässt sich in Form farbig gekennzeichneter Ionen bequem auf einem Monitor verfolgen. Auch die Polizei ist hilfreich, denn nach einem Gewaltverbrechen wird noch vor der Spurensicherung die Leiche abtransportiert, damit die Austreibung schnell fortgesetzt werden kann.

Leider mangelt es insgesamt an spannenden Momenten, die Effekte überzeugen nur partiell und auch die Gewaltdarstellungen kommen nicht über Kehlenschnitt und halbe Leiche hinaus. Ferner klingt der Score zwar gut, die emotionalen Momente werden allerdings zu stark hervorgehoben. Das lässt sich über den Verlauf der Geschichte nicht sagen, denn die bleibt nahezu komplett vorhersehbar, nebst obligatorischen letzten Einstellungen.
Grundidee gut, Ausarbeitung unspektakulär.
5,5 von 10

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