Seitdem seine Eltern sich scheiden ließen, lebt der elfjährige Cameron (David Mazouz) bei seiner Mutter. Als eines Nachts eine vampirartige Frau in die Wohnung eindringt und ihn angreift, bricht er ihr kurzerhand das Genick. Seither schweigt er und scheint völlig verwandelt - kein Wunder, bei der Aktion hat nämlich ein böser Geist seinen menschlichen Wirt gewechselt. Die verständigte Kirche schickt einen Exorzismus-Beauftragten, doch auch der dringt nicht zu dem Jungen durch - da entsinnt man sich des Dämonen-Spezialisten Dr. Ember (Aaron Eckhart), der mit unkonventionellen Methoden diesbezüglich schon diverse Erfolge verbuchen konnte. Dr. Ember, seit einem tragischen Autounfall an den Rollstuhl gefesselt, zögert zunächst, rückt dann aber mit seinen zwei jungen Assistenten Riley und Oliver an und bezieht, ausgestattet mit modernem Equipment wie Kameras, Oszilloskopen etc. im Nebenzimmer Stellung. Seine besondere Methode besteht in der in jungen Jahren entdeckten Fähigkeit, sich nicht nur in die Gedankenwelt anderer Leute hineinzuversetzen, sondern auch eine Rolle darin zu spielen. Die Besessenen befinden sich in einer Art Trance, in welcher der in ihr Gehirn eingedrungene Dämon ihnen eine Scheinwelt vorgaukelt, in der ihre sehnlichsten Wünsche erfüllt werden - so behält er die Macht über die Betroffenen. Dr. Ember versucht nun in diese Traumwelt einzutauchen und den Betroffenen davon zu überzeugen, daß der glücklich machende Ort mit seiner angenehmen Entourage, an dem er sich gerade befindet, nur ein Trugbild ist. Für diese Séancen, die Dr. Ember auch körperlich viel abverlangen, bleibt jedoch jeweils nur ein kurzes Zeitfenster, dann holen ihn seine Assistenten, die u.a. auch seine Vitalfunktionen überwachen, wieder in die Realität zurück. Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, daß der Dämon in Camerons Kopf derselbe ist, der den Autounfall verursachte, welcher Dr. Embers Frau und Sohn einst das Leben kostete...
Eine reichlich komplizierte Ausgangslage serviert der kanadische Regisseur Brad Peyton unter dem langweiligen Titel Incarnate - Teuflische Besessenheit, eine Konstellation, die der Exorzist und ähnliche Derivate gewohnte Zuschauer erst einmal begreifen muß - viel Zeit dazu bleibt allerdings nicht, denn schon in der zweiten Szene steigt man in eine eher nach Vampir-Fantasy anmutende Traumszene ein, als Dr. Ember einen rundlichen Bürohengst - übrigens erfolgreich - aus einem Nachtclub herausholt. Der Film spielt sich größtenteils nur in der Wohnung von Camerons Mutter ab, mit einigen Traumsequenzen und einer Rückblende wechselt man aber wenigstens ab und zu die Schauplätze - daß dies alles einigermaßen reibungslos funktioniert, liegt an Aaron Eckhart, der seine Rolle als verbitterter Spezialist mit Dreitagebart im Rollstuhl so glaubhaft darzustellen weiß, daß man über diverse Vorhersehbarkeiten wie auch einige Plotholes gerade noch hinwegsehen kann. Eine leichte Spannung kommt erst ab Filmmitte auf, als es dem atheistischen Rebell, der Dämonen als "Parasiten" bezeichnet, nämlich zunächst nicht gelingt, den Buben aus seiner Traumwelt herauszuholen. Daß das Unternehmen aber schlußendlich erfolgreich sein wird, steht zu keiner Zeit zur Debatte - schließlich ist Hauptdarsteller Eckhart viel zu verbissen am Werk, und die bangende und hoffende Mama auf der Couch im Nebenzimmer darf ja auch nicht enttäuscht werden...
Die Vorgehensweise bei dieser speziellen Form des Exorzismus ist zumindest ungewöhnlich und wird zwischendurch auch immer wieder erklärt - daß man die (Gehirn-)Aktivität des Dämonen von außen am Bildschirm eines Oszilloskops verfolgen kann, ist allerdings eher dem Genre SciFi zuzuordnen. Derweil versucht Dr. Ember ein ums andere Mal, den träumenden Cameron davon zu überzeugen, daß er sich gerade in einer Scheinwelt befindet - Schlüssel dazu ist dessen leiblicher Vater, ein Trinker, der nie Zeit für ihn hatte und mit dem er jetzt - oh Wunder - über einen Rummelplatz spaziert. Die undankbare Rolle des Arschlochs spielt Matt Nable als Vater Dan übrigens ebenfalls überzeugend. Alle anderen Darsteller bekleiden eher statische Nebenrollen nach Schema F und sind daher nicht erwähnenswert - besonders verschenkt sind Camerons Mutter Lindsey und eine Kirchenbeauftragte.
Mit dieser Letzteren kommen wir zu den Plotholes: Daß das Drehbuch auf jegliche Ermittler verzichtet, obwohl es Tote gab, ist ungewöhnlich, daß aber der Vatikan, nachdem der herkömmliche Exorzismus versagt hatte, eine Sekretärin in kurzem Rock mit einem Koffer voller Scheinchen zu Dr. Ember schickt, um diesen für die Mitarbeit an diesem Fall zu gewinnen, ist schlicht unglaubwürdiger Blödsinn - erfreulicherweise spielt diese Schnapsidee im weiteren Verlauf des Films überhaupt keine Rolle mehr, außer daß die Darstellerin gemeinsam mit der Mama bangend auf der Couch sitzt.
Nächster Punkt ist der mehrfach angedeutete Umstand, daß der Dämon bei einem Wirtswechsel über eine Berührung einer anderen Person überspringt - demzufolge soll man den Besessenen keinesfalls anfassen. Daß aber der Besessene selbst einen anderen anspringen könnte, wird dabei geflissentlich ignoriert, und so arbeiten Dr. Embers Assistenten stets bei geöffneter Tür, nur wenige Meter von dem im Schneidersitz am Boden hockenden Buben - vielleicht sind sie ja dämonenfest...
So zieht sich die Geschichte bis zum vorhersehbaren Finale hin - eine Teufelsaustreibung anderer Art, der man dank Aaron Eckharts Performance bis zum Ende folgt, die man sich aber, hat man den Film einmal gesehen, sicher kein zweites Mal anschaut. 5 Punkte.