iHaveCNit: Fences (2017)
Der bereits 2005 verstorbene amerikanische Bühnenautor August Wilson hat einen 10-Teile umfassenden Pittsburgh-Zyklus geschrieben. Darunter auch Fences, der sich in den 50er Jahren abspielt und als Theaterstück in den 80ern uraufgeführt wurde. Im Jahre 2010 wurde Fences wieder am Broadway aufgeführt mit unter anderem Viola Davis und Denzel Washington in den Hauptrollen. Mit Erfolg. Ganze 3 Tonys konnte Fences abräumen, die klar an das Werk selbst und seine beiden Hauptrollen gegangen sind. Genau dieses Stück wählt Denzel Washington als Grundlage für seine dritte Regiearbeit, die nun auch für 4 Oscars nominiert ist. Zurecht und mit definitiven Erfolgschancen, wie ich fasziniert feststellen durfte.
Wir sind im Pittsburgh der 50er-Jahre. Troy Maxson arbeitet als Müllmann, lebt mit seiner Frau Rose und dem Sohn Cory in einem kleinen Haus. Er hat nebenbei einen durch den Krieg verletzten und damit geistig behinderten Bruder Gabe, um den er sich kümmert und noch einen Sohn aus erster Ehe, Lyons, der regelmäßig vorbeikommt und eine Karriere als Musiker anstrebt. Als sein Sohn Cory ihm von Aspirationen für eine vielversprechende Football-Karriere erzählt, ist er alles andere als begeistert, da ihm vor langer Zeit eine Karriere als Baseballspieler verwehrt blieb. Es kommt zu einem Ereignis, dass den Zusammenhalt der Familie und vor allem seine Ehe mit Rose auf eine harte Probe stellt.
Fences ist absolut starkes Kino, auch wenn es sich bei der Grundlage um ein Bühnenstück handelt.
Dadurch spielt sich bis auf wenige Minuten der Film komplett im und ums Haus von Troy Maxson ab und bekommt den Eindruck eines Kammerspiels. Der Film lebt von Dialogen, so dass die Inszenierung rein optisch sehr reduziert daherkommt und keine Experimente wagt. Er fokussiert sich voll und ganz auf seine Charaktere und die Beziehungen untereinander. Ich finde, dass ich hier die beste Performance von Denzel Washington gesehen habe. Für Troy Maxson ist er zurecht für den Oscar nominiert und könnte meiner Meinung nach die stärkste Konkurrenz für Casey Affleck darstellen. Seinen Troy Maxson spielt und inszeniert er perfekt auf den Punkt. Wir erleben einen Charakter, der voller Widersprüche ist, eine weitgehende Doppelmoral hat aber durch seine Lebensgeschichte genau zu dem Mann geworden ist, der er heute ist. Dabei geht Denzel Washington sehr respektvoll mit dem Charakter um, so dass die Kritik an Troy sehr ambivalent bleibt. Wo ich mich jedoch direkt schon festlegen kann ist der Oscar für Viola Davis. Sie ist die perfekte und ebenbürtige Filmpartnerin für Denzel Washington. Unabhängig davon, wie gut geübt die beiden schon durch die gemeinsame Arbeit am Bühnenstück sind, ist die Chemie wirklich perfekt und beide spielen sich förmlich die Seele aus dem Leib. Aber auch der restliche Cast mit Stephen Henderson als guter Freund Bono, Russell Hornsby als Sohn aus erster Ehe Lyons, Mykelti Williamson als geistig behinderter Bruder Gabe und Jovan Adepo als Sohn Cory fügt sich perfekt ein. Vor allem Letzterer sorgt mit für die stärksten Szenen des Films. Die Momente des Films sind so stark und wechseln von witzigen bis hin zu traurigen Momenten, so dass der Film seine 2 Stunden und 19 Minuten in einem für einen dialoglastigen Film sehr hohem Tempo absolviert und es kaum Durchhänger gibt. Der Film hat bis auf wenige leicht herausstehende Nägel wirklich alle Latten am Zaun und ist bis auf ein Detail am Ende extrem lebensnah und bodenständig, weil gesellschaftliche Themen im Bezug auf Rassendiskriminierung und auch familiäre Themen absolut perfekt integriert sind.
„Fences“ - My First Look – 9/10 Punkte