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Nightmare Nr. 6 ist leider im Gegensatz zu einigen der Vorgänger gar nicht so nett anzusehen. Mit Rachel Talalay, die als Coproduzentin die Serie ein wenig begleitet hatte, trat hier eine Regiedebütantin auf, die ihr Handwerk zwar grundsätzlich beherrscht, aber dieser Film ist doch im ganzen etwas nervig geraten und kein schöner und würdiger Abschluss der eigentlichen Reihe um die Kultfigur Freddy Krueger, die wieder mal diabolisch gut von Robert Englund gespielt wird und diesmal auch des öfteren in der Zeit vor seiner Verbrennung zu sehen ist. Und da, mit glatter Haut und sauber gekämmten Haaren, sieht der Herr wahrlich nicht weniger gruselig aus, was nicht zuletzt das Resultat einer gekonnten Kameraführung ist, die Freddys böse Mienen in effektvollen Nahaufnahmen einzufangen weiß. Es gibt sogar Freddy als Kind und als Jugendlichen, wobei sich die jeweiligen Darsteller jedoch leider absolut nicht ähnlich sehen, was den Film teilweise recht windschief wirken lässt.
Es gibt jedoch andere Aspekte dieses Films, die einem den Abschied von dieser Reihe doch ziemlich leicht machen. Ein Markenzeichen der Filmreihe (abgesehen vom seltsamen 2. Teil) war die engelhafte, sensible weibliche Hauptfigur (im Lauf der Serie gespielt von Heather Langenkamp, Patricia Arquette, der in diesem Kontext etwas abfallenden Tuesday Knight und schließlich Lisa Wilcox), die mit ihrem ausgeprägten Bewusstsein gegenüber der Traumwelt die gefährlichen Situationen bewältigen konnte und die zur Tradition des moralisch integren "surviving girl" im US-Horrorfilm beitragen sollte. Lisa Zane kann als Kinderpsychologin, die eine nicht unbeträchtliche Verbindung zu Freddy Krueger an sich entdeckt, diese Tradition nicht gut weiterführen. Sie sieht zwar gut aus, weiß ihrer Rolle aber kein richtiges Profil zu geben und wirkt meistens fehl am Platz. Wenn sie am Ende mit doof glucksendem Lachen sagt: "Freddy's dead", dann weiß man endgültig, dass hier etwas verhunzt wurde. Noch schlimmer ist Yaphet Kotto, ebenfalls als Psychologe, der am Ende auf einmal alles über Freddy weiß und sich bierernst als Obermacher aufspielt, aber mit seinen geschmacklosen Klamotten und seinem dummen Gesicht einfach nur die Nerven strapaziert. Die sinnlosen Gastauftritte von Tom Arnold und Roseanne Barr (was bitte ist an denen gruselig oder qualifiziert sie zu einem Auftritt in einem "Nightmare"?), Alice Cooper und Johnny Depp hätte man auch lieber weglassen sollen, weil sie ebenso die potentielle Atmosphäre zerstören, wie es die restlichen Albernheiten ohnehin schon tun.
Man hätte den Schwerpunkt auf den Jugendlichen belassen sollen, wie es sich zuvor bewährt hatte. Diese wirken größtenteils sympathisch und wenn mal einer draufgeht, ist es auch nicht so schlimm... Das passiert auf sehr groteske und teils alberne Weise, wobei die Szene mit Carlos, dem Jungen mit dem Hörgerät, sehr gelungen ist und zu den originellsten Sequenzen der ganzen Filmreihe gehört. Wenn Freddy hinter dem tauben Jüngling ungehört umherspringt und Faxen macht oder später einen anderen Knaben, in ein Computerspiel versetzt, durch einen quietschbunten Parcours hüpfen lässt, geht zwar der letzte Gruselwert dieser Figur verloren, aber wir sind ja sowieso am Ende der Reihe (keiner ahnte damals wohl, dass mit "Freddy vs. Jason" noch mal ein richtiger Oberhammer kommen würde...). Die Spezialeffekte gehen größtenteils in Ordnung, jedoch vermag vor allem die Bluescreen-Technik, mittels derer hier etliche Figuren durch die Lüfte sausen, heute ganz und gar nicht mehr zu überzeugen. Da sah Alfred Hitchcocks belustigend grobe Sturz-Animation in "Vertigo" nicht viel schlechter aus. Die wenigen blutigen Effekte bieten da ein viel besseres Bild, hier sieht man, wie sorgfältig und gekonnt in den Achtzigern an so was gearbeitet wurde.
Kein schönes Ende für Herrn Krueger - gut, dass es dann doch noch nicht ganz das Ende war.

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