Jeder würde wahrscheinlich verächtlich lachen über so einen Titel wie "Freddy's Final", bzw. "Freddy's Dead" - alleine schon wegen der Ironie! Wenn man die letzten Filme um den Traumkiller auch nur flüchtig verfolgt hat, dann weiß man, dass Freddy Krueger nicht wirklich tot zu kriegen ist. Und doch wurde 1991 der Versuch gestartet, Freddy's letzten Film zu drehen (Inzwischen wissen wir, dass es nicht geklappt hat). Doch kann man den Schinken nochmal warm machen? Der Brei müsste doch schon längst abgestanden sein. Doch Überraschung! Nightmare 6 ist sogar ganz gut geworden!
Laut Vorspann sind nun zehn Jahre ins Land gestrichend, und Springwood scheint leer und ausgestorben zu sein, nur noch ein paar Irre streunen herum. Teenie John wird als letzter Überlebender der Elm Street vorgestellt (Scheint eine ziemlich große Straße gewesen zu sein) und alsbald macht Freddy natürlich Jagd auf ihn. So lernen wir über Umwege die Therapeutin Maggie sowie drei weitere Jugendliche kennen, die sich allesamt bald nach Springwood verirren. War irgendwo klar. Wie auch immer, es dauert nicht lange, bis sich die drei Teenager (bestehend aus dem Kiffer, der militanten Blonden und dem halbtauben Südamerikaner) ausgerechnet in das alte Haus aus dem Original einnisten und Frischfleisch für Krueger darstellen. Das Gemetzel geht wieder seine Runden.
Erstaunlicherweise (und das überraschte mich wirklich!) ist Nightmare 6 deutlich ausgewogener als seine mitunter laschen Vorgänger. Die konnten sich nie entscheiden, ob man nun zum lachen oder schreien animieren will, während Nummer Sechs volles Rohr auf die makaberen Lachmuskeln zielt. Tatsächlich musste ich das ein oder andere mal wirklich lachen, Freddys Sprüche sind nicht mehr ganz so flach, und selbst Kalauer wie "Leih mir mal dein Ohr!" mit abschließendem abschneiden des selbigen werden routiniert und amüsant rübergebracht. Das ist deutlich unterhaltsamer als Teletubbie-Freddy aus dem dritten Ableger oder Super-Freddy aus dem Vorgänger.
Während Robert Englund angenehm auffällt in diesem Werk, bleiben die Nebendarsteller erneut blass. Das scheint ein Fluch zu sein, den die Nightmare-Reihe tragen muss. Lisa Zane zum Beispiel, Freddys Tochter, hat offenbar nur einen Gesichtsausdruck, den sie zur Schau stellen kann - so ein gelangweiltes schmollen inklusive müden Augen. Nicht besser bei den drei Jugendlichen, denen man schmerzlich anmerkt, dass sie nur als Lückenfüller ins Spiel gebracht worden, damit man ein paar mehr Morde zeigen kann. Carlos (der mit dem Hörgerät) stirbt glücklicherweise bald, während man mit Spencer (dem notorischen Kiffer) eine ziemliche Pfeife am Start hat. Das endet leider in dem schwachsinnigsten Teil des Films, wenn Freddy mit dem Buben in das Genre des Videospiels absteigt und sich Spencer in der realen Welt dementsprechend bewegt - sprich rumhüpfen, mechanisch bewegen etc. Das hätte man wirklich streichen sollen.
Nebenbei gibts den schwarzen Psychiater, der am Ende urplötzlich zum Team gehört, dass Freddy eins auswischen will. So weit, so (teilweise) gut. Wirklich interessant sind die Rückblenden in Kruegers Vergangenheit; seiner Kindheit und der herrlichen Szene, in der er seinem Vater (Alice Cooper himself) an die Gurgel geht. Besonders schön anzusehen auch die schicksalshafte Sache mit Kruegers Frau, die sein morbides Hobby entdeckt und dafür mit dem Leben zahlen muss. Ich spreche hier aufrichtige Begeisterung aus, denn es ist zur Abwechslung mal schön, Englund ohne Maske zu sehen. So schlecht wie man oft annimmt ist der Schauspieler in Englund gar nicht!
Mittendrin erscheinen dann Stars wie Johnny Depp und Rossane, was dem Film sehr gut tut. Das Finale kommt mir zumindest dann seltsam bekannt vor (hat nicht schon einmal jemand versucht, Krueger in die Realität zu ziehen?), doch diesmal scheint der Endkampft wirklich ein Endkampf im eigentlichen Sinne zu sein. Ungeheuer witzig auch Freddys letzten Worte, bevor er explodiert: "Diese Kids..."
Was bleibt nun zu sagen über den vermeintlichen letzten Film der Reihe? Er ist überraschend kurzweilig, weiß, was er will und überzeugt zudem mit dem stimmungsvollen Soundtrack von Queen-Gitarrist Brian May, auch wenn ich mich frage, was den geritten hat, sich für so einen Film zu verpflichten.
Fazit
Unterhaltsamer, als Schlussakt gestalteter Höhepunkt der Krueger-Saga, mit interessanten Szenen und morbiden Morden. Einzig die Schauspieler und speziell der Unsinn mit dem Videospiel hätte man sich auch kneifen können.
6/10