Review

Teil 6 der Reihe gilt als noch schwächer als der bereits ziemlich durchschnittlich bewertete 2. Teil. 

Verstanden warum das so ist, das habe ich nie.

Rachel Talalay macht in Sachen Schamlosigkeit den Scary Movie - Filmen die erst ein Jahrzehnt später kamen Konkurrenz und zeigt der Ernsthaftigkeit und der verstörenden Spannung des Originals gehörig den Mittelfinger. Johnny Depp wird mit einer Bratpfanne erschlagen, Freddy taucht gleich in zig Variationen auf, darunter als Busfahrer und als Hexe mit fliegendem Besen, und ich denke die lächerlich getricksten 'Traumdämonen' müssen nicht noch mal erwähnt werden.

Der Film ist zugegeben ein verdammt wilder Mix aus Horror, Slapstick, Rockmusik, Cameo-Parade, Backstory, kuriosen Todesszenen und jeder Menge Trash. Doch warum es vielen derart übel aufstößt - ich verstehe es ehrlich nicht. 

Die gesamte Spielzeit über unterhält das Teil nämlich mindestens so gut wie die generell gelobten Teile 3 und 4 der Reihe, wenn nicht besser. Ich weiss ich werde mir keine neuen Freunde mit meiner Meinung machen, aber mal ehrlich: wie kann man sagen, dass der Film einfach nur schlecht oder langweilig ist? Ja, er ist albern, und ja, das muss man nicht mögen, aber wenn man sich locker macht, Pizza und Bier bereit stehen und man meine Art von Filmgeschmack teilt, präsentiert sich das Ding hier als ein in meinen Augen von A bis Z kultiges Schlusskapitel zur ursprünglichen Nightmare-Reihe, die 1994 noch ein letztes Mal mit 'New Nightmare' wiederbelebt werden sollte - leider ohne großen Erfolg. Freddy's Zeit waren die 80er, und die waren allerspätestens mit dieser ebenso schamlosen wie höchst amüsanten Wundertüte vorbei.

Trotz seiner Albernheit macht der Film einen seltsamen Spagat, denn die Optik ist im Vergleich zu den beiden knallbunten Vorgängern wieder eine Ecke 'bodenständiger' und schmutziger geworden. Freddy treibt sich wieder in einem Heizungskeller herum, die Szenen in welchen die sechsjährige Maggie den Folterkeller entdeckt und den Mord an ihrer Mutter mit ansehen muss sind gänzlich humorlos und beissen sich irgendwie etwas mit dem Rest des Films, der quasi ununterbrochen die gekreuzten Finger hinter'm Rücken verbirgt, frei nach dem Motto: Is doch alles nicht so ernst gemeint, Leute!

Ich finde ohnehin dass die Idee mit der Backstory von Freddy deutlich besser umgesetzt wurde als im Falle von  'Halloween 5+6' oder dem gnadenlos nach hinten geschossenen 'Jason Goes To Hell' - nur leider kann diese nie eine schockierende oder wirklich authentische Wirkung entfalten, weil sämtliche andere Elemente des Films wie gesagt von einer krassen Ironie und teils eben auch Albernheit durchzogen sind. Insofern wirkt die Sache mit Freddy als Familienvater irgendwie oben draufgesetzt und nie wirklich glaubhaft.
Aber sei's drum. Als echter Fan schluckt man Vieles und macht gerne Abstriche. 

Was ich in diesem Film aber vor allem mochte, waren die Teenager, die dieses Mal in meinen Augen weit mehr als bloß Schlachtwahre für den Bodycount sind (wie z.B. in Teil 5 oder 2). Lezlie Deane, Breckin Meyer (der Einzige der später noch grössere Erfolge verbuchen konnte), Ricky Dean Logan und Shon Greenblatt machen eine verdammt sympathische Figur, ich konnte mich mit den Heimkindern die keinen Bock mehr haben bevormundet zu werden und versuchen auf große Fahrt zu gehen jedenfalls sofort identifizieren und empfand ihre Darstellung als weit erinnerungswürdiger als das Gro der hunderten austauschbaren Teenie-Rollen in all den Horrorstreifen die es da draußen so gibt. 

Was, und das muss man sagen, allerdings wirklich schade ist, ist dass das groß angepriesene Finale genaugenommen heisse Luft war, und zwar schlecht geschriebene heisse Luft. Regisseurin Rachel Talalay erwähnte einmal in einem Interview, dass während der Dreharbeiten ein Haufen Geld für die 3-D-Szenen verbrannt wurde und sich zahlreiche technische Probleme in den Weg stellten - noch wenige Wochen vor dem Kinostart soll es angeblich nicht einmal sicher gewesen sein, ob die Effekte überhaupt noch fertigzustellen sind. Infolge dessen ging es ihrer Aussage nach am Ende nur noch darum, den Ochsen überhaupt über den Berg zu bekommen und weniger um die Frage, wie man Freddy einen entsprechenden Abgang ermöglichen sollte. Honestly: Freddy in einem kleinen verstaubten Kellerraum mit seiner eigenen Kralle abzustechen, dass hätte ich auch in meinem Keller drehen können und es wirkt irgendwie herzlich mau gegen die Low-Budget-Effekteorgien der letzten paar Teile, wo der Showdown immer der große Knaller war. 

Aber hin oder her: ähnlich wie 'Pet Sematary 2' zählt auch 'Freddys Dead' in meinen Augen zu den sträflich unterbewerteten Horrorfilmen der 90er, und da gab es noch so einige andere. Und ja, ich gebe offen zu dass ich den Streifen evtl. etwas überbewerte weil es mein erster Ausflug in die Elm Street war und einer meiner ersten 'richtigen' Horrorfilme überhaupt, lange ist es her. 
Während sich die Mehrheit an der cartoonartigen Überdrehtheit des Films stört, zähle ich ihn in einem Satz mit den großartigen 'Dream Master' und 'Dream Warriors'. 
So verschieden können Geschmäcker sein. 


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