ACHTUNG SPOILER!!!!!!
Wer nicht über diverse Details des Films informiert werden möchte, sollte hier aufhören zu lesen.
NIGHTMARE ON ELM STREET 6 - FREDDY'S FINALE
Story:
10 Jahre nach den Ereignissen aus Teil 5: in einer Jugendpsychiatrie taucht der verwirrte John auf. Er kann sich weder an die letzten Tage seines Lebens erinnern noch an seine Heimat - er weiß lediglich, dass er der letzte Überlebende von Etwas ist. Die Psychologin Maggie vermutet, dass John der letzte Jugendliche aus der Elm Street in Springwood ist, wo der verbrannte Freddy Krueger einst sein Unwesen trieb. Sie entdeckt zwischen Johns und ihren eigenen Alpträumen so manche Parallele und beschließt, mit ihm nach Springwood zu fahren, um seine Gedächtnislücke zu schließen. Zunächst unbemerkt fahren drei Jugendliche mit, die dem Heim Adieu sagen und sich absetzen wollen - für sie wird Springwood zur Endstation; denn Freddy Krueger lebt immer noch und hat inzwischen dafür gesorgt, dass es in der ganzen Stadt keinen einzigen Jugendlichen mehr gibt. Maggie kommt einem düsteren Geheimnis auf die Spur: Freddy hat John benutzt, um sie nach Springwood zu holen, damit er sie töten kann; sie ist seine Tochter…
Nachdem der 5. Teil innerhalb eines Jahres hinterher geramscht wurde und zu einer herben Enttäuschung geriet, ließ der 6. dann bis 1991 auf sich warten. Kurioserweise erschien der Film in den deutschen Kinos (5.9.) früher als in den amerikanischen (13.9.). Beworben mit Zeilen wie „They saved the Best for Last“ oder „Sein letzter Auftritt . . . Der Höhepunkt.“ machte FREDDY’S FINALE das Gleiche, was die FREITAG DER 13. – Reihe schon sieben Jahre zuvor mit DAS LETZTE KAPITEL gemacht hatte; einen berühmten Filmkiller ganz offensichtlich in Rente schicken und dem Publikum den Eindruck vermitteln, dass dies die letzte Gelegenheit wäre, ihn noch mal in Action zu erleben. Doch ähnlich wie mit Jason verhielt es sich auch bei Freddy. Überleben leicht gemacht – Sterben ist allerdings gar nicht so einfach.
Rachel Talalay, welche von der assistierenden Produktionsmanagerin aus NIGHTMARE 1 schließlich zum Producer wurde, war bereits von Anfang an mit der Reihe vertraut. Kein zweiter Wes Craven, aber doch ganz passable Voraussetzung für einen passablen Film. Abgestürzt ist der sechste Teil nicht, die Ideallinie hat er jedoch verfehlt, was aber nicht an der Regie, sondern primär an dem gar nicht mal so schlecht ausgeklügelten, doch etwas wirren Skript von Michael DeLuca lag. Zwar kann man in Hinblick auf den Vorgänger wieder von einem gelungenen Nightmare – Teil sprechen, doch für das angekündigte Ende einer solch populären Reihe ist das hier nicht genug. Warum?
Es sind wieder einmal die unglaubwürdigen Einfälle, auf die ein Autor kommt, wenn er nicht wieder das altbekannte Schema zum x-ten Mal durchkauen will (siehe HALLOWEEN 5). Da heißt es dann plötzlich, dass in ganz Springwood kein einziger Jugendlicher mehr am Leben ist, was schon etwas abgehoben wirkt, denn da müsste sich Freddy mächtig ins Zeug gelegt haben. Dann soll der Gute mit einem Mal einen Sohn und eine Tochter haben, welche beide er natürlich killen will. Sehr zu Gute heißen kann man Teil 6, dass die fatal überzogene Comic-Atmo des fünften Parts hier deutlich in den Hintergrund gerückt ist und in einigen Szenen sogar tatsächlich finstere Keller, Gitter und Rohre zu erblicken sind, die endlich mal wieder nicht in neongrünes oder knallblaues Licht getaucht werden wie in Teil 4 und 5. Auch die Anfangsszene ist etwas albern, aber hat durchaus ihr Potential. Nur was dann kommt, wird etwas verwirrend, da sich der Film teilweise in seiner eigenen Story zu verheddern scheint.
Die Wechsel zwischen Traum und Wirklichkeit sind es gar nicht mal, es geht vor allem los, wenn die Aneinanderreihung von Szenen beginnt, die in Freddy’s Vergangenheit spielen und zum Beispiel seine Familie beleuchten. Die Tatsache, dass Maggie und John das Gleiche träumen, wird zu Anfang nicht deutlich genug hervorgehoben, stattdessen spricht Maggie mit einem mal von einem Wasserturm, von dem wir bislang nichts gehört und gesehen haben. Spätestens nachdem Freddy dann Carlos und Spencer um die Ecke gebracht hat, muss man genau aufpassen, um die verschiedenen Stränge mit Traum und Realität, Vergangenheit und Gegenwart nicht durcheinander zu bringen. Robert Englund kann als Freddy natürlich wieder einmal eine Menge reißen, so dass es immerhin nicht langweilig wird. Dennoch kann man hier (wie auch in den beiden Vorläufern) sagen, dass die auf Entertainment ausgelegte Gestaltung der Figur seinem wundervoll fiesen Charisma einfach nicht gerecht wird.
Die Atmosphäre kann man dieses Mal verschieden beurteilen. Auf der einen Seite ist der Look des ganzen Films irgendwie eine ordentliche Nummer dreckiger und auch teilweise düsterer als der von THE DREAM MASTER und THE DREAM CHILD, was dem Film an sich schon mal einen theoretischen Pluspunkt gibt. In der Praxis allerdings wurde hier Vorhandenes verspielt, das hätte ausgeschöpft werden können. Der verstörende Mord an Tina 1984 – ein perfektes Beispiel für etwas Erschreckendes, Surreales. Etwas, was man sonst eben nur in einem Alptraum sieht. Hier bringt Krueger einen Teen in einem Computerspiel um, indem er ihn als Spielfigur missbraucht. Wirkte damals vielleicht noch ganz lustig, heute dann doch eher lachhaft. Da passt der Titel NIGHTMARE (Alptraum) nicht mehr so wirklich. Auch die optisch wunderschön finstere Heizungskellersequenz, in welcher Freddy Carlos tötet (eine, wenn nicht sogar die gelungenste im ganzen Film) hätte mit ein bisschen Durch-die-Gänge-Gejage und bösen Schockeffekten noch deutlich mehr ziehen können.
Doch das ist nun einmal Etwas, was man merkt – die Reihe ist mit der Zeit gegangen. War 1984 noch bösartiges Alptraumkino in, das mehr auf den Angstschweiß auf den Handflächen und dem Nacken setzte, ist Teil 6 trotz wieder etwas gefestigter wirkender Atmo und Optik mehr auf Unterhaltung und Splatter konzipiert, anstatt auf Horror.
Wenn man so will, ist es erst recht verwunderlich, dass Freddy erneut (und das bei seinem FINALE) schlappe drei Leute umbringt. Eins, zwei mehr hätten es ruhig sein dürfen. Darüber hinaus fällt ein Mord (Spencer) lächerlich und unblutig aus. Hört sich nicht gut an für einen NIGHTMARE – Film? Keine Angst. Tatsächlich schafft man es, uns einige harte Sachen aufzutischen, so dass in der einen oder anderen Szene auch die Splatterfans zufrieden sein werden. Die meisten gemeineren Dinge spart sich der Streifen für seinen Showdown auf, wo dann ordentlich mit Armbrüsten, Wurfsternen, Jagdmessern und anderen schicken Geräten herumhantiert wird. Davor gibt es zwar auch eine angemessene Anzahl an diversen special effects zu bewundern, doch Blut hätte es einen Eimer mehr fließen dürfen. Dennoch muss man den Film, wenn man ihn auf Deutsch bewundern will, bei speziellen FSK 18 – Händlern oder in Videotheken suchen, weil auch er indiziert ist.
Die Darstellerriege ist an sich absolut zufrieden stellend. Stars wie Alice Cooper, Roseanne oder sogar Johnny Depp liefern Gastauftritte, Yaphet Kotto (einst James Bond – Bösewicht) spielt den Doc, Breckin Meyer kennt man aus Filmen wie CLUELESS –WAS SONST? und Lisa Zane ist immerhin die (beruflich weit weniger erfolgreiche) Schwester von Billy Zane (TITANIC). Dabei ist die Frau die Einzige, die mich bis heute etwas nervt, weil ihre Mimik sich auf die einer Computerspielfigur beschränkt und sie in einigen Momenten einen derart unnachahmlichen Schlaftabletten – Blick draufhat, dass ich fast schmunzeln muss. Gekrönt werden tut das Ganze natürlich durch den damals 42 – jährigen Robert Englund, der hier zum sechsten Mal den verkohlten Päderast Krueger mimt.
Und so läuft das Ding seine 82 Minuten und das tatsächlich, ohne wirklich langatmig zu wirken. Es ist schön, dass der Film sich auf Neues einlässt und nicht wieder das ausgefahrene 0-8-15 – Gleis nimmt. Ebenfalls sehr gefallen hat mir der gesamte Look des Films, der irgendwie rotzig, rockig und dreckig wirkt. Das liegt wohl auch am dieses Mal klar auf Rock und Hard Rock ausgelegten Soundtrack. Ein Enttäuschungsgefühl bleibt eigentlich nur bestehen, weil der Film für das, was er verspricht, zu wenig hält. Schon der bunte 4. Teil wurde mit $13 Mio. gedreht, für den 6. standen nur noch geschätzte $5 Mio. zur Verfügung, was wohl mit großer Sicherheit an der schlappen Leistung des Vorgängers lag. Somit fällt das FINALE nun mal etwas ‚unspektakulär’ aus und vor allem der Showdown wirkt irgendwie müde, weil er lediglich einige brutale Effekte beinhaltet aber der Fun-Faktor beim Ansehen viel zu gering ausfällt. Man hätte sich auch etwas mehr Gore gewünscht, was aber wohl wegen der MPAA von vornherein weggelassen wurde, eine unrated version existiert nämlich meines Wissens auch nicht.
Fazit: Optisch gelungen ‚schmutzig’ wirkender NIGHTMARE ON ELM STREET – Part, der streckenweise wieder eine etwas finsterere Atmosphäre aufgreift, nicht knallbunt und durchgestylt, sondern bodenständiger ausfällt als Part 4 und 5. Storymäßig leistet der Film einiges an Aufklärungsarbeit, was dem Fan wohl gefallen wird, da er hier eine Menge über Freddy’s Familie, seine Vergangenheit und seine Motive erfährt. Auch der Soundtrack passt sehr gut zu dem Look des Films. Leider war es mit einem solchen Budget wohl nicht möglich, etwas Aufregenderes oder Spektakuläreres zu drehen, so dass der Film der Bezeichnung FINALE nicht gerecht werden kann, zumal der Showdown sehr kurz und dröge ausfällt. Als ein weiterer NIGHTMARE – Film völlig okay, für den beworbenen ABSCHLUSS definitiv zu wenig. Aber für Zwischendurch rockt der Film ganz gut das Haus.