Review

Krieg hinterlässt Leere

"Rogue One" hat zwar bei weitem nicht so einen Hype um sich wie "Das Erwachen der Macht" vor einem Jahr, doch als erster Ableger der Star Wars-Saga im Disney-Zeitalter, außerhalb der Hauptstoryline rund um die Skywalkers, stellt er die Weichen für die Zukunft & es lastet viel auf ihm. Künstlerisch & muttechnisch noch wesentlich mehr als monetär. Und im Großen & Ganzen kann ich Entwarnung geben & aufatmen: "Rogue One" ist kein Cashgrab & kann jedem wahren Star Wars-Fan ohne Bedenken ans Herz gelegt werden. Die Mission rund um die Truppe Rebellen, die kurz vor Episode 4 die Todesstern-Pläne besorgen will, geht wirklich lobenswert düster in die kriegerische Richtung (z.B. der "Star Wars: Battlefront"-Videospiele) & macht Vieles richtig, was bei Episode 7 von so manch einem kritisiert wurden (nicht von mir!). Er ist genauso Episode 3.5 wie ein etwas abseits stehender Militär-Hybrid. 

"Rogue One" ist die meiste Zeit eigenständig genug & schlägt die Brücke zwischen Prequel & Original geschickt. Fan-Service wird dezent untergebracht & für so einen massentauglichen Megablockbuster, hat der Film explosive Eier. Doch, ihr ahnt es schon, jetzt kommt mein mittelschweres Aber, das den Film für mich von wirklicher Größe ferner hält, als ich es befürchtet hatte: bis auf ein jetzt schon legendäres Finale, mit etlichen Schauwerten, intimen wie bombastischen, und der wohl coolsten Darth Vader-Sequenz überhaupt, bleibt der Film über mehr als die Hälfte seiner (zu langen) Laufzeit ärgerlich flach. Vor allem die Charaktere bleiben einem fern, der Spaß etwas auf der Strecke (bis auf den genialen neuen Droiden K-2SO) & Regisseur Gareth Edwards nutzt seine ruhige Einführung in die Bodentruppen der Rebellion so gut wie gar nicht, um uns die neue Crew näher zu bringen. Alles wirkt austauschbar & leblos, fast schon unwichtig & längst vergangen. Es machte bei mir einfach nicht so Klick wie bei Rey, Finn oder Poe letztes Jahr. "Rogue One" hat andere Vorzüge & ist sicher ein guter Film, doch einfach kein sehr guter in meinen Augen.

Felicity Jones ist wesentlich blasser als ihre Newcomer-Vorgängerin Daisy Ridley aus Episode 7 & die ganze Truppe der Rebellen, wächst einem bei Weitem nicht so ans Herz, wie es das drastische, aber so zu erwartende finale Drittel verdient gehabt hätte. Tolle Darsteller, (zu) viele neue (& alte) Welten & ein paar der besten Weltraumschlachten der kompletten Saga - aber wenn Herz & Seele unter Kriegsasche vergraben liegen, dann bringt all der Bombast, Verlust & Showdown direkt viel weniger. Die gefährliche Mission kommt unwahrscheinlich schwer in die Gänge & ich war teilweise schlicht gelangweilt - ein No-Go normalerweise für Stunden im Star Wars-Universum. Dazu immer wieder kleine Euphoriedämpfer in Form von Schönheitsfehlern, wie beispielsweise den gar nicht mal so gut per Computer wiederbelebten Peter Cushing, (was beweist, dass selbst die besten Effekte immer noch nicht der Natur ebenbürtig sind) oder die neue Musik von Pixar-Hofpianist Michael Giacchino, die zwar gewohnte Themen nett neuinterpretiert, bei mir jedoch nie emotional vollends durchdrang. 

Die letzten 30 Minuten ballern nochmal alles raus, was man sich erträumen kann & mit einem Hoch den Kinosaal zu verlassen, tut immer gut. Doch die Erinnerung an die dröge erste Halbzeit, konnte der Guerilla-Kampf unter Palmen nicht ganz überdecken. Der Twist hin zum Kriegsfilm ist nice, doch könnte ich ihn etwas gegen tiefere & sympathischere Charaktere austauschen, würde ich keine Minute zögern. Denn Star Wars ist für mich Luke, Han oder Chewie, Obi Wan, Lando oder Yoda, und nicht unbedingt eine endlose Kette von explodierenden Planeten oder durch die Luft wirbelnden Sturmtruppen. Dafür kann ich auch "Battlefront" auf der PlayStation zocken. Genug gemäkelt: "Rogue One" wird definitiv seine Fans finden, vollkommen zu recht, doch mein Herz konnte er bei diesem ersten Durchgang noch nicht erobern. Erschüttern gegen Ende ja, erobern nicht ganz. Und wenn man um einen Droiden mehr trauert, als um alle anderen zusammen, dann sagt das genug aus, was die menschlichen Protagonisten angeht. 

Fazit: "Rogue One" geht militärische, actionreiche, eigene Wege & wird gerade die "The Force Awakens"-Kritiker in Scharen abholen. Die papierdünne Charakterzeichnung, so manch eine Länge & ein holpriger Planeten-Hopping-Beginn, kann ein grandioses Finale jedoch nur bedingt abfedern. Aber immer schön auf so einem High das Kino zu verlassen... und Star Wars-Fans kommen eh genug auf ihre Kosten!

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