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Da ist es nun also, das lang ersehnte Spin-Off der neuen Star Wars-Reihe. Genau genommen ist es das zweite, denn bereits im Jahr 2008 feierte der erste Ablegerfilm in Form eines Serienpiloten namens "The Clone Wars" seine Kinopremiere auf der Leinwand, der aber vielmehr den Zweck einer Promotion der gleichnamigen TV-Serie diente. Bezüglich "Rogue One" sieht die Sache hingegen anders aus, zumal die von Disney geplanten Ablegerfilme nicht nur die Wartezeiten zwischen den Saga-Filmen überbrücken, sondern auch als eigenständige Puzzleteile des neuen Expanded Universe-Kanons fungieren sollen.

Die Rahmenhandlung des Films ist (ohne große Spoiler) schnell erzählt: Die Protagonistin Jyn Erso wird zusammen mit einer Handvoll Outlaws von der Rebellenallianz damit betraut, die Pläne des gefürchteten Todessterns zu entwenden und sie Prinzessin Leia Organa zu überbringen. Selbst Nicht-Star Wars-Fans dürfte dies etwas sagen, zumal diese Handlungssequenz bereits 1977 im Erstlingswerk "Eine neue Hoffnung" erstmals erwähnt, aber bislang nie gezeigt wurde. Umso erfreulicher ist es daher für die SW-Fans, dass dieses fehlende Handlungssegment fast 40 Jahre später nun in Form eines Prequels nachgeholt wurde.

Eingefleischte SW-Fans müssen sich dennoch mit einigen neuen Dingen anfreunden: Dies beginnt schon damit, dass der legendäre Rolltext samt Fanfaren zu Beginn der Films fehlt und stattdessen der Zuschauer einen Prolog bekommt, der die Kindheit der Protagonistin Jyn Erso erzählt. Auch auf den Soundtrack von John Williams muss der geneigte Zuschauer diesmal leider verzichten, was mich persönlich sehr geschmerzt hat. Der grundlegendste Unterschied zu allen bisher erschienenen Kinofilmen liegt aber wohl darin, dass der typische mystisch-märchenhafte Erzählstil einem eher nüchternen Kriegsdrama gewichen ist, das zwar an Action und Bildgewaltigkeit kaum noch Wünsche offen lässt, dabei jedoch den fantasievollen Charme der alten Tage einbüßt. Ich persönlich hatte zumindest bis zur ersten Hälfte des Films große Probleme damit, mich mit dieser gänzlich anderen Atmosphäre anzufreunden.

Erst im letzten Drittel kommt "Rogue One" dann so richtig und Fahrt und zeigt Dinge, die das Fan-Herz höher schlagen lassen. Die Raumschlacht steht jener aus der von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" um nichts nach, auch der Bodenkampf gegen die AT-ATs am Strand von Scarif ruft einem jenen aus "Das Imperium schlägt zurück" in Erinnerung und Vaders Auftritt beim Entern der "Tantive IV" dürfte den Fans nicht nur den Atem verschlagen, sondern stellt auch einen nahtlosen Anschluss an Episode IV dar, der keine Wünsche mehr offen lässt.

Zudem hält Rogue One für den geneigten Fan noch einige Überraschungen parat, sei es in Form von zahlreichen Cameos alter Tage oder durch die digitale Wiederauferstehung von bereits verblichenen oder gealterten Charakteren aus der Vergangenheit. Man möchte nicht glauben, was die digitale Technik heutzutage alles ermöglicht.

Fazit: Rogue One verbindet auf sehr geschickte Weise Altes mit Neuem und wirkt dabei deutlich mutiger als sein Vorgänger "Das Erwachen der Macht". Die dabei gezeigten visuellen und actiongeladenen Schauwerte ersetzen dabei allerdings die magischen Momente der alten Tage, was nicht jedem Fan gefallen dürfte. Dennoch wird der Film seine Anhängerschaft finden, soviel ist gewiss.

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