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Felicity Jones spielt eine Kleinkriminelle, die von Rebellen rekrutiert wird, weil sie im Kampf gegen das Imperium von großem Wert sein könnte: Ihr Vater, gespielt von Mads Mikkelsen, war an der Konstruktion einer neuen Superwaffe in Diensten der dunklen Seite der Macht beteiligt, weswegen er ein wichtiges Ziel für die Rebellen ist. Da dessen Insiderwissen über die Schwachstellen der Waffe dem Widerstand zum Sieg verhelfen könnte, versuchen die Rebellen das Archiv des Imperiums zu stürmen und die Baupläne zu entwenden. Dabei werden sie auch von der Tochter des Ingenieurs unterstützt, die sich zunehmend mit den Zielen des Widerstands identifiziert.

Eigentlich waren die Rollen immer klar verteilt: „Star Trek“, das war die Hardcore-Sci-fi-Franchise für die Nerds, gespickt mit gesellschaftlich-politischen Bezügen und einer ausufernden Fülle an Serienstaffeln und Kinofilmen. „Star Wars“, das war die familientaugliche Space-Opera, die mit ihren Prämissen um eine rätselhafte, alles durchströmende Macht und um die Jedi-Ritter, die das Böse bekämpfen, zwar etwas naiv, aber auch sehr sympathisch und fantasievoll daherkam. Diesem Charme vor allem der Original-Trilogie huldigte J.J. Abrams zuletzt mit seiner Episode VII in überzeugender Weise. Gareth Edwards, der das düstere Monster-Spektakel „Godzilla“ verfilmte, bricht in diesem Spin-off nun mit vielem, was „Star Wars“ seit jeher auszeichnete und das nicht nur, weil sein Werk eher an einen Kriegsfilm als eine Sci-fi-Fantasie erinnert, weil auf den klassischen Vorspann und auf die berühmten Lichtschwerter fast gänzlich verzichtet wird. Vor allem gibt es, anders als in allen vorangegangenen „Star Wars“-Episoden, einen unübersehbaren Mangel an interessanten Figuren und starken Charakteren. Anders als Han Solo, Luke Skywalker, Obi-Wan Kenobi oder Rey wird aus „Rogue One“ definitiv niemand nachhaltig in Erinnerung bleiben.

Dabei ist gegen Edwards Machart prinzipiell nichts einzuwenden, schließlich waren gerade die vergleichsweise düsteren „Star Wars“-Filme die hervorragenden: „Das Imperium schlägt zurück“ war der beste Teil der Ur-Trilogie und „Die Rache der Sith“ der beste Vertreter der drei Prequel-Filme, weil die Spannungskurven am größten waren, weil die Atmosphäre dichter als bei den anderen Filmen war. Und gerade der Showdown von „Rogue One“ vermittelt einen Eindruck davon, wie gut der Film hätte werden können: Edwards entfesselt darin eine nicht enden wollende Schlacht mit hohem Bodycount (wenngleich das Sterben nicht explizit gezeigt wird), in der ein Höhepunkt auf den anderen folgt. Großartig getrickste Luftkämpfe wechseln darin mit dynamischen und spannenden Schießereien, während im Hintergrund im Minutentakt Granaten explodieren. Wären da nicht die AT-ATC-Walker, die modernen Waffen und das futuristische Setting vor eindrucksvoller Tropenkulisse, der Zuschauer könnte sich an „Platoon“ oder „Der schmale Grat“ erinnert fühlen. Hoch anzurechnen ist Edwards auch das konsequente Ende, das man von einem Film aus dem Hause Disney eher nicht erwartet hätte. Doch der großartige Showdown entschädigt leider bei weitem nicht für alles.

Denn bis dahin bietet „Rogue One“ allenfalls gepflegte Langeweile. Nach einer narrativ vollkommen verunglückten, weil unübersichtlichen Exposition, in der zahllose Figuren eingeführt, aber nicht einmal im Ansatz vertieft werden, wird es lange nicht wirklich besser. Edwards entspinnt eine durchweg nebensächliche Handlung, die außer ein paar ganz netten Anspielungen auf andere „Star Wars“-Filme wenig bietet und die obendrein fahrig erzählt ist. Unterbrochen wird das Ganze von kurzen Action-Sequenzen und ein paar brauchbaren Gags, die vor allem auf das Konto eines Druiden in den Reihen der Rebellen gehen. Dass der sprechende Roboter, ein klassischer Sidekick, den meisten menschlichen Darstellern somit die Show stiehlt, ist symptomatisch für die profillosen Figuren und die größtenteils austauschbaren Darsteller. Diego Luna fehlt jedenfalls die Präsenz eines Harrison Ford und der grimmigen Felicity Jones das Charisma der gleichermaßen taffen wie bezaubernden Daisy Ridley. Allerdings liegen die Defizite vermutlich stärker beim Drehbuch als bei den Darstellern, so werden neben der in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ so überzeugenden Jones auch die gestandenen Charakterdarsteller Mads Mikkelsen und Forest Whitaker komplett verheizt. Einzig die Antagonisten, der gleichermaßen ehrgeizige wie skrupellose Ben Mendelsohn, der täuschend echt via CGI zum Leben erweckte Peter Cushing sowie die Kurzauftritte von Darth Vader, hinterlassen etwas Eindruck. Kein Wunder, dass „Rogue One“ jeder Charme abgeht, dass überhaupt kein „Star Wars“-Feeling aufkommt - erst recht nicht, wenn der blinde Krieger in einer lachhaften Szene die Macht beschwört. Stattdessen erinnert Edwards Film inhaltlich fast schon an „Starship Troopers“, nur das Verhoevens Film unterhaltsamer war.

Fazit:
„Rogue One“ ist mit seinen schwachen Figuren und der fahrigen Story der schwächste „Star Wars“-Film seit der verhassten Episode I, ein Film ohne Herz und Charme, mehr B-Film als Space-Opera. Der großartige Showdown entschädigt für manches, aber bei weitem nicht für alles.

53 %

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