Review

Ein Jahr ist vergangen und Disney „beglückt“ uns mit einem weiteren Star Wars Film: Rogue One.
Da ich nach der Katastrophe um E7 mit gemischten Gefühlen ins Kino gegangen bin und das nächste Desaster erwartet habe. War ich doch wirklich überrascht, dass es auch anders geht. Das bestärkt wieder meine Ansicht wie talentlos und überbewertet JJ Abrams ist. Und alle Fans nur hoffen können von diesem Stümper in Zukunft eher weniger hören zu müssen.
Sei es drum, anscheinend kann sich jetzt jeder, der das nötige Kleingeld hat, in Star Wars einkaufen. Je nachdem wen man erwischt, wird uns in Zukunft gutes oder weniger gutes Star Wars erwarten. Bei Gareth Edwards haben wir Glück gehabt. Er scheint sein Handwerk in Sachen Regie zu verstehen.

Rogue One, eine bunt zusammengewürfelte Kommandoeinheit die sich der Aufgabe stellt eine Geheimwaffe zu zerstören, indem sie die Pläne vom Imperium stiehlt. Grundlage bei der Handlung bildet dabei eine Vater-Tochter Beziehung. Der Vater ist ein hochrangiger imperialer Ingenieur, welcher am Bau des Todessterns beteiligt ist. Dieser bekommt jedoch Zweifel und baut eine Schwachstelle ein. Das Wissen gibt er an seine Tochter weiter und die Jagt nach den Plänen beginnt. Dabei kommt es zu einem Wiedersehen mit vielen alten Bekannten, die geschickt in die Handlung eingebaut wurden.
Hier gibt es auch gleich den größten Kritikpunkt. Die ersten 2/3 sind klar gesagt einfach nur belanglos. Die Erzählstruktur ist zusammenhanglos und man fragt sich des Öfteren „was wollen die mir eigentlich erzählen?“. Die Mitglieder von Rogue One werden nur mangelhaft vorgestellt. Es gibt kaum Hintergrundwissen, welches für die nötige Charaktertiefe gesorgt hätte. Hier wurde leider nur ein Rahmen konstruiert um das wirklich, wirklich gelungene letzte Drittel zu füllen.
Insgesamt ist das Drehbuch zu schwach. Eine Laufzeit von 100 Minuten hätte den Film wesentlich kompakter und intensiver gemacht. Aber naja, das Kinoticket muss heute im Durchschnitt 14 Euro kosten und der Überlängeaufschlag darf dabei nicht fehlen.

Das 12er Rating ist dabei richtig gewählt. Der Film ist kitschfrei, hat ernste Untertöne und es wird nicht rumgehampelt. Speziell das Schicksal von Rogue One bildet einen dramatischen Höhepunkt. Alles wirkt düster, das märchenhafte wurde bewusst weggelassen und ein anderer Zugang zum Star Wars Universum geschaffen. Es ist halt „nur“ eine Star Wars Story.

Die Hauptfigur wird wieder von einer Frau verkörpert, was hier aber nicht stört. Es gibt genug gute Beispiele im Star Wars Universum wo Sie die bessere Wahl ist. Speziell die weiblichen Imperialen Offiziere ;) .
Aber insgesamt fand ich die Hauptdarstellerin zu blass. Mir hat auch eine intensive oder interessante Vorgeschichte gefehlt. Einfach die Tochter eines hochrangigen Offiziers zu sein reicht da nicht. Sie bringt auch sonst nicht viele Fähigkeiten mit. Vom Aussehen passt sie in die heutige Zeit: nettes Hollywood Püppchen mit großen Lippen und zu viel Augen Make-Up. Man hätte aber auch schlechter besetzen können.
Die restlichen Mitglieder sind eher Stückware um das Dutzend voll zu kriegen. In Erinnerung geblieben sind mir nur der blinde Stockkämpfer und der Roboter.
Was ich mit Forest Whitaker als Figur anfangen soll weiß ich bis jetzt noch nicht. Er wirkt irgendwie deplaziert. Ich hatte am Ende mehr das Gefühl er wurde wegen seinem Namen in den Film geholt. Was Mads Mikkelsen angeht, sehr gute Wahl. Eine sehr charismatische Figur. Leider hat er nicht genug Screen-Time bekommen. Er wurde nur eingeführt um der Hauptfigur ein Motiv zu geben. Gewünscht hätte ich durch ihn mehr Einsicht in Konstruktionsprozesse, Forschungszentren, Versuchsanlagen, etc. des Todessterns zu bekommen. Dadurch hätte der Film auch den nötigen Tiefgang erhalten.
Auch die Statisten wirken sehr gut gewählt. Endlich mal erwachsene Personen im Alter zwischen 25 und 45, die auch danach aussehen als hätten sie was im Leben durchgemacht. Auf die offensichtliche Multi-Kulti Besetzung von E7 wurde verzichtet, was das Gesamtbild abrundet. Auch beim Hollywood-Inzest, wo Rollen durch irgendeine Bekanntschaft vergeben werden, hat man sich zurückgehalten.

Was das Setting, die Ausstattung und die Effekte angeht, kann ich nur eins sagen: Umwerfend. Alles wirkt schmutzig, abgenutzt, gebraucht, etwas 80er Retro-Look. Genau so wie es sein soll.
Neben den alt Bekannten gibt es auch Neues zu bestaunen. Neue Sturmtruppen, neue Schiffe (einige aus dem EU Danke!!), neue Einheiten, neue Konstruktionen. Und zum Glück KEINE DUCKTROOPER (Halleluja).
Das Universum und die Städte wirken voller, belebter und glaubwürdiger. Der billige Eindruck von E7, wo das Universum ein Dorf ist, fehlt. Daneben gibt es auch sehr viele außerirdische bekannte und unbekannte Spezies. Wobei ich auf den minderwertig animierten „Psycho Kracken“ hätte verzichten können.
Wenn es zu Kampfhandlungen kommt, gibt es diesmal massig Einheiten die aufeinanderprallen. Viele kapitale Schiffe und eine hohe Anzahl an Tie und X-Wing Geschwadern. Und das alles ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Wo ich anfangs den größten Vorbehalt hatte, waren die Strände der Malediven. Da viele Klimazonen in Star Wars ausgenudelt sind, musste eine neue her. Und ich hatte Bedenken, dass es so einfallslos wie in E7 wird. Aber das geschickte einbinden der imperialen Strukturen in die Umgebung hat mich eines besseren belehrt und ich hatte das Gefühl mittendrin zu sein. Viele Kulissen wurden gebaut und die Effekte sparsam eingesetzt, wodurch auch kein Gefühl von Greenscreen aufgekommen ist.
Da ich grundsätzlich kein Fan von 3D Konvertierung bin und ich es eher als Fremdkörper in Star Wars betrachte, hätte man sich 3D bis zum Finale auch sparen können (das Geld auch).
Wie viele wahrscheinlich schon wissen gibt es ein Wiedersehen mit alten Charakteren. Da einige nicht mehr leben oder zu alt sind, musste man auf Computer zurückgreifen. Bei einigen ist es sehr gelungen bei einem Bestimmten, dessen Name ich nicht Spoilern möchte, hat man etwas geschludert. Man erkennt oft die synthetische Bewegung mit der die Animationstruppe heute immer noch zu kämpfen hat. Vielleicht ist es meckern auf hohem Niveau aber es stört einfach das Gesamtbild (ähnlich wie in Tron: Legacy).
Die Musik kommt diesmal nicht von John Williams und ist manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Sie liefert kaum Höhepunkte und ist hauptsächlich eine Adaption von E4. Insgesamt hätte ich mir einen intensiveren Score mit Gänsehaut-Faktor gewünscht.

Das Expanded Universe wurde diesmal nicht so geschändet wie in E7. Wobei Anspielungen auf das Schlund-Forschungszentrum, Wookiesklaven oder ähnliche Storys wünschenswert gewesen wären.
Auf Political Correctness hat man zum Glück auch verzichtet, zumindest ist es mir nicht so ekelhaft aufgestoßen. Offensichtliche Logiklöcher wurden vermieden oder wenigstens sind sie mir, bei der ersten Sichtung, nicht so vor die Nase gehalten worden.

Fazit:

Obwohl Rogue One um Längen besser ist als E7 hat es trotzdem seine Macken. Allem voran das Drehbuch, die etwas blassen Figuren und der Score. Leider gab es auch Nachdrehs wobei zu befürchten ist, dass Gareth Edwards nicht frei handeln konnte und Disney seine Finger im Spiel hatte. Aber wer bis zur finalen Schlacht durchhält, wird belohnt und bekommt am Ende richtig gutes Star Wars zu sehen. Und ein Auftritt von Vader der noch lange in Erinnerung bleibt!!! Auf jeden Fall ist es ein guter Anschluss an E4 und hätte als Kurzgeschichte sicher besser funktioniert.

Als langjähriger Star Wars Fan, der viel gelesen, gesehen und gespielt hat, bewerte ich den Film mit knapp 7/10. Diese Bewertung beruht aber auf den direkten Vergleich mit den legendären Klassikern (E4-E6). Als normalen Blockbuster wo es heute leider nur noch heißt „Hirn aus, Bier rein, Film ab“ würde ich aber eine 8,5/10 geben, mit Abzügen in der B-Note.

Der Film ist speziell nach dem Trauma von E7 eine echte Erholung und wird auch einige Fans wieder versöhnlicher stimmen. Außerdem habe ich „neue Hoffnung“ auf bessere Tage, auch unter der Fuchtel eines geldgierigen Konzerns wie Disney.

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