Nachdem Disney für mein Empfinden das Franchise um den Sternenkrieg mit Episode VII wieder auf Kurs gebracht, auch den Rest der Welt weitestgehend zufriedengestellt und einen Haufen Kohle eingefahren hat, dauerte es nicht lange, bis ein zweiter Output kam, der das Thema weiter in Geld umwandeln sollte. Aber wenn man vier Milliarden Dollar für die Rechte an Star Wars an George Lucas überweisen musste, muss natürlich einiges passieren, bis man Plus mit dieser Marke macht. Für den geneigten Fan bedeutet dies eine deutlich erhöhte Taktung an Veröffentlichungen. Das kann einen mit Sorge erfüllen, muss es aber nicht. Angesichts von "Rogue One" gewiss nicht.
Die Produzenten geben eigentlich den Fans genau das, was sie wollen, indem Leerstellen der Originalfilme gefüllt werden. Diese Idee ist interessant, schützt natürlich aber auch nicht vor einem Fehlschlag. "Rogue One" hat aber sichtlich Vergnügen daran, einen Nebensatz des Einführungstextes von 1977 zu einer eigenständigen und geschlossenen Geschichte umzuwandeln.
Das dreckige Dutzend goes Star Wars: Ich war von vornherein guten Mutes. Und das auch mit Recht, wie ich sagen muss. Schauspieler, Effekte, Querbezüge, Atmosphäre - Hier stimmt so ziemlich alles. Abschläge muss man beim Score machen, denn das Leitthema von Michael Giacchino ist schlicht misslungen. Eine Schlüsselszene, in der Jyn Erso eine flammende Rede hält, wird durch das Thema so verhunzt, dass es selbst für die ansonsten vor Kitsch triefende Serie zu viel ist. Bei der Hintergrundberieselung der einzelnen Szenen zitiert er dafür so freimütig John Williams, dass sich der Ärger darüber in Grenzen hält. Dies war ihm auch schon in J.J. Abrams "Super 8" gelungen. Ebenso wie ihm aber auch dort keine tragfähige Melodie geglückt war. Aber genau betrachtet stellt man fest, dass das gegenwärtige Kino sowieso sämtliche Blockbuster austauschbar vertonen lässt. Wiedererkennbare Melodien wären mir in den letzten Jahren nicht aufgefallen.
Die inhaltliche Mischung aus Söldneraction, Heist-Movie und Star Wars-Kitsch funktioniert in "Rogue One" meist tatsächlich gut, schlägt einen leicht anderen Ton an und wirkt somit auch nicht überflüssig, gerade weil es als Spin-Off eigenständig ist. Die Auftritte von Darth Vader sollen natürlich die Fanbase beglücken, haben mir aber sehr gefallen, da sie dem Film einen anderen Glanz verleihen und durch die zeitliche Einordnung auch Sinn machen.
Die Auftritte von Tarkin und Leia hingegen mögen vielleicht inhaltlich passend und notwendig sein, jedoch hat sich ILM mit der Animation deutlich übernommen. Die Figuren wirken eher wie wirklich gut gemachte Charaktere aus einem Videospiel. Sie sehen definitiv nicht echt aus. So wirken diese "Auftritte" eher wie spaßige Gimmicks, die den Film zwar nicht kaputt machen, jedoch die gradlinige und gröbere Machart etwas stören. Im Zuge der Prequels las ich damals ein Interview mit George Lucas, der sich über die Zukunft des Filmemachens ausließ. Seine Technikaffinität ließ ihn die Aussage tätigen, dass man in naher Zukunft keine Schauspieler mehr bräuchte, da alles am Computer generiert werden könne. Auch 18 Jahre später ist diese Aussage nicht richtig. Ein gesunder Mensch wird den Unterschied bei der gegenwärtigen Technik immer merken. Da reicht mitunter nur eine kleine unnatürliche Mimik oder Bewegung, schon ist die Illusion dahin.
Auch Anschlussfehler schleichen sich in diesen reingequetschten Beitrag ein, aber als schlichte Unterhaltung im Star Wars-Kontext kann "Rogue One" nahezu durchgehend liefern, was der Zuschauer erwartet. Besonders die letzte halbe Stunde ist ganz großes Popcorn-Kino.
Ob das bei dem Han Solo Spinn-Off auch so gut klappt, möchte ich hingegen irgendwie bezweifeln. Den wichtigen Charakter des linkischen aber sympathischen Schmugglers umzubesetzen, kann einfach nicht so gut funktionieren. Fotos haben mich in dieser Befürchtung/Annahme bisher bestätigt.
Aber zunächst kommen ja auch die letzten Jedi zum Einsatz. Irgendwann müsste mit dem ganzen Merchandise Disney dann auch in die schwarzen Zahlen fahren. Sollen sie. Bis hierhin hat man wenig Grund zur Klage.