Review

„Shocking Mall"

Na endlich. Geht doch. Ist doch gar nicht so schwer gewesen. Ach so, was eigentlich? Bei aller Euphorie über ein lang ersehntes Ereignis kann man schon mal zuerst feuern und dann erklären. Also es geht um die beinahe ausgestorbene Spezies der B-Actionfans. Ausgestorben, weil man sie zusehends aus ihren angestammten Jagdgründen vertreibt und ausgestorben, weil man ihnen zunehmend die Nahrungsgrundlage entzieht. Das zähe Dörrfleisch der alten Klepper Van Damme, Seagal und der Schindmäre Lundgren reicht gerade so zum überleben. Satt wird man davon nicht, von schmackhaft wollen wir erst gar nicht anfangen.

Da lässt man sich natürlich nicht lange lumpen, wenn einem endlich mal ein ordentlicher Brocken gut abgehangener und auf den Punkt inszenierter Action-Kintopf kredenzt wird. „Security" heißt das dampfende Menü und als Oberkellner wird es von keinem geringeren als Ex-Desperado Antonio Banderas serviert. Der Mann versteht sein Handwerk, schließlich hat er bei den besten gelernt. Nein, hier ist nicht Desperado-Buddy Robert Rodriguez oder Assassinen-Spezi Sly Stallone gemeint, sondern kein Geringerer als der eiserne Bruce, als er die bösen Jungs noch langsam sterben lies.

Natürlich kann man „Security" als Discounter-"Die Hard" belächeln, aber hey, in Zeiten osteuropäischer Rentner-Action ist das ein gewaltiger Lichtblitz. Zugegeben, eine Einkaufsmall im ländlichen Ohio ist nicht gerade das Nakatomi Plaza in L.A. Und Ex-Gandhi mit zwischenzeitlicher Mutation zum zweitklassigen Dauerpsychopathen Ben Kingsley ist auch nicht gerade Alan Rickman alias Terroristen-Mastermind Jack Gruber. Aber dass ein reduziertes Setting mit direkt proportional reduziertem Budget dennoch für eine satte Adrenalinspritze sorgen kann, wissen wir doch alle - und das nicht erst seit seligen „Assault"-Zeiten.   

Diesmal hat es ein schwer bewaffneter Söldnertrupp auf eine minderjährige Kronzeugin abgesehen. Gegen wen besagte Jamie aussagen soll und wer die Kopfgeldjäger beauftragt hat, bleibt im Dunkeln und das ist auch gut so. Denn hier geht es nur um eines: die Jäger möglichst lange vom Fangschuss abzuhalten. Nachdem sie dem präzisen Anschlag auf ihren Polizeikonvoi - schon hier bekommt der Action-Affe ordentlich Zucker - wie durch ein Wunder entkommen konnte, flüchtet Jamie in eine nahegelegen Mall, bei der lediglich eine Handvoll schlecht bezahlter Wachleute die Nachtschicht absitzt. Ein Kinderspiel für Kingsley, denkt vor allem er selbst. Natürlich ein fataler Irrtum, den just an diesem Abend tritt dort der ausgemusterte Kriegsveteran Eddie Deacon (klar, unser Antonio) seinen Dienst an. Der ist froh endlich einen Job zu haben und diese Freude lässt er sich nicht so einfach mir nichts dir nichts gleich wieder in Fetzen schießen.

Und so bearbeitet der gute Eduardo die bösen Buben in strammer John McClane-Gedächtnis-Manier - ein wenig MacGyver gibts gratis dazu -, so dass bei ihnen kaum mehr einer am Leben und beim geneigten Fan kaum mehr ein Auge trocken bleibt. Angesichts des schmalen Produzenten-Geldbeutels bekommt der hier nämlich so einiges geboten, vom bleihaltigen Sturmlauf, über ausgedehnte Feuergefechte, bis zum schweißtreibenden Zweikampf mit Faust und Messer ist für jeden was dabei, PS-Fraktion inbegriffen. Die Präsentation ist dabei angemessen derb, was ein solch reduziertes und verdichtetes Genre-Szenario zusätzlich aufwertet.

Da hat Avi Lerners B-Schmiede „Nu Image" im Verbund mit internem Ableger „Millenium Films" mal wieder ein knackiges Stück Edeltrash abgeliefert. Banderas drängt sich dabei für weitere Einsätze geradezu auf. Jean Claude, Dolph und Steven können also getrost in den Ruhestand gehen und damit auch uns Zuschauern einen großen Gefallen tun. Schließlich steht auch ein gewisser Jason - nein, nicht der tumbe Slasher-King - auf Lerners Gehaltsliste. So ein britisch-spanisches Klopper-Doppel klingt nach einer verdammt guten Idee. Jetzt erst recht.

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