Nachdem Antonio Banderas durch „The Expendables 3“ erste Berührungen mit den Actionjungs von ehemals Nu Image, jetzt Millennium Films machte, wirkte er in der Folgezeit in gleich drei weniger teuren Genrereißern für die Firma mit, die ihm dafür aber Hauptrollen gaben.
In „Security“, dem ersten davon, geht es um den gealterten Veteranen Eduardo ‘Eddie‘ Deacon (Antonio Banderas), der in der Zivilgesellschaft kaum zurechtkommt, dessen Fähigkeiten nicht gefragt sind und der jetzt psychisch leicht angeknackst auf dem Arbeitsamt sitzt, wo man ihm einen Wachmannjob in einem Einkaufszentrum vermittelt. Dort lernt Eddie, ein archetypischer Actionheldencharakter, seine Nebenfiguren-Unterstützer von der Wachmannschaft kennen: Der etwas aufschneiderische Schichtführer Vance (Liam McIntyre), der ängstliche Mason (Chad Lindberg), die rebellische Ruby (Gabriella Wright) und der coole Johnny Wei (Jiro Wang) bilden die Kollegen im Team.
Während Regisseur Alain Desrochers und Kameramann Anton Bakarski also das Setting und den Belagerungsort filmisch etablieren, folgt man zwischendurch einem Konvoi von Regierungsagenten, die eine Zeugin, die minderjährige Jamie (Katherine de la Rocha), eskortieren. Der Konvoi wird von einer Horde taktisch vorgehender Angreifer attackiert und bis auf Jamie erledigt, was nicht nur an entsprechend explosive Gefangenenbefreiungen aus Filmen wie „The Last Stand“ erinnert, sondern auch die Schurken als Profis etabliert, gegenüber denen Eddie und seine Leute die Underdogs darstellen.
Jamie flieht zur nahen Mall und wird von den Sicherheitsleuten hereingelassen. Wenig später steht Charlie (Ben Kingsley), der Chef des Überfallkommandos, vor den Toren und fordert die Herausgabe seiner angeblichen Tochter. Als die Wachleute ihm nicht glauben, zieht er andere Seiten auf und lässt seine Leute das Einkaufszentrum belagern…
Eine preisgünstige Variante von „Assault on Precinct 13“ mit einigen „Die Hard“-Anteilen, die erzählerisch wenig Fett auf den Rippen hat. Es geht ums Belagern, Verstecken und Zurückschlagen, hin und wieder wird die eventuelle Rettung durch nahende Behörden ins Spiel gebracht, aber das war es auch. Ein paar Gespräche erforschen Eddies Vergangenheit und bringen ihn als eine Art Ersatzvater für Jamie ins Spiel, doch allzu lang hält sich „Security“ nicht damit auf, vergisst nie, dass er in erster Linie ein B-Actionfilm für den Videomarkt ist. Die Security-Crew ist grob gezeichnet, aber markig und sympathisch genug, um die Nebenrollen zu tragen und Sympathien aufkommen zu lassen, während die Fieswichte leider etwas wenig Background haben, aber immerhin eiskalt genug sind, um eine glaubwürdige Bedrohung abzugeben.
Also ist hier zwischen den immer wieder vorkommenden, nicht immer kurzen Verschnaufpausen ein stimmungsvolles, nächtliches Katz-und-Maus-Spiel angesagt, das dank des ordentlichen Tempos Kurzweil bietet. Auch die Frage danach, wer von den Verteidigern wohl lebt oder stirbt, ist nicht ganz so einfach zu beantworten, da auch manche anfangs eher negativ gezeichnete Figur lernfähig ist und manche anfangs souverän gezeichnete Figur zu Dummheiten in der Lage ist. Nur im Falle einer Figur ist am Ende nicht ganz so klar, ob sie überlebt hat oder verschieden ist, da sie im Film nach einer (schweren) Verwundung nie wieder auftaucht. Der Mall-Schauplatz sorgt für innovative Gegenwehrmaßnahmen im MacGyver-Format, bei dem Bögen, selbstgebaute Bomben und mit Verkaufswaren arrangierte Ablenkungsmanöver zum Einsatz kommen. Das tröstet dann auch darüber hinweg, dass man dem Film das beringe Budget hin und wieder ansieht und man schon ahnt, dass die Mall-Kulissen eher in Bulgarien und weniger in den USA herumstehen.
Aber egal wo der Standort ist: Als Spielplatz für Shoot-Outs, Nahkämpfe, Stunts und sogar eine Läufer-vs-Motorrad-Verfolgungsjagd taugt die Location auf jeden Fall. Die Action könnte bisweilen etwas drückender und dynamischer sein, trotz einiger Highlights wie der beidhändig ballernden Rutscheinlage und dem Fight zwischen Eddie und Charlies rechter Hand, die in den Credits nur als Dead Eyes (Cung Le) aufgeführt wird. Anderes, etwa das „John Wick“-artige Abräumen Eddies unter einer Fieslingstruppe, ist dagegen nicht so treibend. Und doch: Mit handgemachter und erfreulich übersichtlich inszenierter Action kann sich „Security“ gegenüber manch anderer Konkurrenz auf dem Videomarkt behaupten, zumal Gegnermenge und damit verbundener Bodycount ordentlich sind und die Choreographie der Actionszenen auch meist stimmt.
Antonio Banderas überzeugt auch als gealterter Actionheld, in dessen Augen immer etwas Müdigkeit liegt: Müdigkeit angesichts seiner früheren Taten, seiner wohl traumatischen Vergangenheit. Und dann kommt der Moment, in dem diese Augen – typisch Actionheld – wieder zum Leben erwachen, wenn der Mann das tun muss, was er zu gut kann, um es weiter zu verleugnen. Ben Kingsley überzeugt als berechnender Schurke, auch wenn ihn das Drehbuch mit Infos bezüglich seiner Figur im Stich lässt, und an seiner Seite steht Cung Le als charismatischer Henchman. Mit nicht besonders großen Namen, aber durchaus bekannten Gesichtern aus der dritten Reihe geben Liam McIntyre, Chad Lindberg, Gabriella Wright und Jiro Wang starken Support, während Katherine de la Rocha keine neue Schauspielhoffnung unter den Kinderdarstellern ist, aber glücklicherweise auch nicht groß nervt. Der Rest vom Darstellerfest, der ist dagegen eigentlich nur Kanonenfutter.
Ein großes Highlight am B-Actionhimmel mag „Security“ dann nicht sein, aber er ist mehr als okaye Gebrauchsaction mit guter Besetzung, die aber gelegentlich etwas spektakulärer sein könnte. Doch das Ergebnis hat Tempo, ist aufs Wesentliche fokussiert und nutzt seinen Schauplatz gewinnbringend aus – das macht durchaus Laune. 6,5 Punkte meinerseits.